Ernährung

Was darf ich in der Schwangerschaft nicht essen?

Fast alle Lebensmittelverbote in der Schwangerschaft lassen sich auf zwei Erreger zurückführen: Listerien und Toxoplasmen. Wenn du diese Logik einmal verstanden hast, brauchst du keine Verbotsliste mehr auswendig zu lernen – du kannst selbst entscheiden.

Von Danny · Geprüft am 20.08.2026 · Quellen: Bundesbehörden und Landesbehörden · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 20.08.2026
Ein Holzbrett mit gekochten Eiern, Tomaten, Grapefruit, Kirschen und einer Schale mit Salat
Foto: Jane Trang Doan / Pexels

Wann du ärztlichen Rat brauchst

Melde dich in deiner Praxis, wenn:

  • du grippeähnliche Beschwerden mit Fieber hast, besonders nach dem Verzehr von rohen tierischen Lebensmitteln – so kann sich eine Listeriose zeigen;
  • du starken Durchfall oder Erbrechen hast und nicht genug bei dir behältst;
  • du unsicher bist, weil du etwas gegessen hast, das auf der Liste steht – frag nach, statt dir wochenlang Sorgen zu machen.

Listeriose ist sehr selten: 2022 erkrankten in Deutschland 21 schwangere Frauen und 20 Neugeborene. Für das ungeborene Kind kann sie aber gefährlich sein, deshalb die Vorsichtsregeln. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: die eine Regel, die fast alles abdeckt

  1. Nichts Rohes vom Tier. Keine Rohmilchprodukte, kein rohes Fleisch, kein roher Fisch. Das ist die Kernempfehlung.
  2. Durcherhitzt ist in Ordnung. Hitze tötet Listerien und Toxoplasmen ab – gegartes Fleisch und gegarter Fisch sind kein Problem.
  3. Obst, Gemüse und Kräuter gründlich waschen. Und Küchenhygiene ernst nehmen: Hände, Brett, Messer.

Warum überhaupt?

Listeriose und Toxoplasmose sind Infektionen, die unter anderem über Lebensmittel übertragen werden. Für gesunde Erwachsene verlaufen sie meist harmlos – oft merkt man sie gar nicht. Treten sie in der Schwangerschaft auf, können sie dem ungeborenen Kind schaden. Genau deshalb gibt es Empfehlungen, die für alle anderen nicht gelten.

Die wichtigste Empfehlung des Netzwerks Gesund ins Leben, erarbeitet mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung, lautet: keine rohen Lebensmittel vom Tier – vor allem keine Produkte aus Rohmilch, kein rohes Fleisch, kein roher Fisch.

Was tabu ist

Fleisch und Wurst

Nicht empfehlenswert sind medium gebratene Steaks und Rohwurst wie Salami, Teewurst und roher Schinken. Durchgegartes Fleisch kannst du bedenkenlos essen. Toxoplasmen kommen in verschiedenen Fleischsorten vor – sie sterben beim Erhitzen ab.

Fisch

Tabu sind rohe Fischgerichte wie Sushi sowie geräucherter und gebeizter Fisch, also auch Räucherlachs und Graved Lachs. Durchgegarter Fisch ist unproblematisch.

Milch und Käse

Rohmilch und Produkte daraus sind nicht geeignet, weil sie nicht erhitzt wurden und Listerien enthalten können. Milch und Milchprodukte aus dem Handel sind in aller Regel pasteurisiert oder ultrahocherhitzt – die kannst du unbedenklich verzehren. Eine Ausnahme unter den Rohmilchprodukten bildet lang gereifter Hartkäse: Aufgrund seiner Reifezeit enthält er in der Regel keine unerwünschten Mikroorganismen.

Obst, Gemüse und Fertigsalate

Frisches Obst, Gemüse und Kräuter gründlich waschen. Küchenfertige Schnittsalate in Fertigpackungen sind keine gute Wahl, weil sie Erregern gute Bedingungen bieten. Rohe Sprossen und Keimlinge solltest du meiden oder vor dem Verzehr erhitzen.

Ein verbreiteter Irrtum

Einfrieren ersetzt kein Erhitzen: Bei Minustemperaturen können Listerien und einige Toxoplasmen überleben. Tiefkühlware ist also kein Freibrief für rohen Fisch.

Was oft unnötig verboten wird

Vieles, was im Bekanntenkreis kursiert, steht in keiner offiziellen Empfehlung. Wir listen hier bewusst nicht auf, was angeblich erlaubt sei – für jede einzelne Aussage bräuchte es eine belastbare Quelle, und die haben wir für diese Behauptungen nicht geprüft. Was du getrost tun kannst: dich an die Regel „nichts Rohes vom Tier, gut gewaschen, gut erhitzt" halten und alles Weitere in der Praxis fragen.

Zu Koffein, Süßstoffen und einzelnen Käsesorten entstehen eigene Artikel mit eigener Quellenprüfung. Bis dahin gilt: lieber einmal nachfragen als eine Regel aus dem Forum übernehmen.

Wenn du schon etwas gegessen hast

Das passiert häufig – die Schwangerschaft bleibt oft wochenlang unbemerkt, und der Räucherlachs an Silvester lag vor dem positiven Test. Ein einzelner Verzehr führt in aller Regel zu keiner Infektion, und beide Erkrankungen sind selten. Nachträglich lässt sich ohnehin nichts ändern. Sinnvoll ist, es beim nächsten Termin zu erwähnen und auf Beschwerden zu achten – nicht, sich Vorwürfe zu machen.

Hinter einem Teil dieser Regeln steht ein Erreger, der oft nur mit Katzen in Verbindung gebracht wird, tatsächlich aber häufiger über rohes Fleisch kommt: Toxoplasmose in der Schwangerschaft.

Neben dem, was wegfällt, gibt es eine Empfehlung, die dazukommt: Folsäure – ab wann und wie lange?.

Zur zweiten großen Ernährungsfrage – wie viel das Gewicht steigen darf – steht alles in Gewichtszunahme in der Schwangerschaft.

Wenn du unsicher bist

Konkrete Fragen zu einzelnen Lebensmitteln beantwortet deine Hebamme oder deine Frauenarztpraxis. Das Bundeszentrum für Ernährung stellt außerdem eine Tabelle bereit, in der steht, was unbedenklich ist und was erhitzt werden sollte.

Zwei Fragen tauchen so oft auf, dass sie eigene Artikel haben: Welchen Käse darf ich in der Schwangerschaft essen? und Sushi in der Schwangerschaft.

Zu Alkohol gilt eine eigene, eindeutige Empfehlung: Alkohol in der Schwangerschaft.

Wenn dir zusätzlich ständig übel ist, hilft Übelkeit in der Schwangerschaft. Ganz am Anfang der Schwangerschaft ist Schwangerschaftstest positiv: was jetzt? der passende Einstieg.

Ernährst du dich vegetarisch oder vegan, lies Vegetarisch und vegan in der Schwangerschaft.

Warum rohe tierische Lebensmittel tabu sind, erklärt Listeriose in der Schwangerschaft.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Listeriose und Toxoplasmose in der Schwangerschaft. Abgerufen am 20.08.2026. bzfe.de
  2. Netzwerk Gesund ins Leben / Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, erarbeitet mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Listeriose und Toxoplasmose – Sicher essen in der Schwangerschaft. Abgerufen am 20.08.2026. ble-medienservice.de
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Listeriose in der Schwangerschaft (Fallzahlen nach RKI). Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  4. Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg: Rohmilchprodukte – nichts für Schwangere (lang gereifter Hartkäse als Ausnahme). Abgerufen am 20.08.2026. lern-bw.de
  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 20.08.2026. 116117.de