Schwangerschaft
Sushi in der Schwangerschaft
Roher Fisch ist in der Schwangerschaft nicht empfohlen – aber Sushi als Ganzes musst du deshalb nicht streichen. Vegetarische Rollen und Varianten mit durchgegartem Fisch sind unproblematisch. Entscheidend ist, was in der Rolle steckt, nicht das Wort Sushi.
Wann du ärztlichen Rat brauchst
Melde dich in deiner Praxis, wenn:
- du grippeähnliche Beschwerden mit Fieber hast, besonders nach dem Verzehr von rohen tierischen Lebensmitteln – so kann sich eine Listeriose zeigen;
- du starken Durchfall oder Erbrechen hast und nicht genug bei dir behältst;
- du unsicher bist, weil du etwas gegessen hast, das auf der Liste steht – frag nach, statt dir wochenlang Sorgen zu machen.
Listeriose ist sehr selten: 2022 erkrankten in Deutschland 21 schwangere Frauen und 20 Neugeborene. Für das ungeborene Kind kann sie aber gefährlich sein, deshalb die Vorsichtsregeln. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check beim Bestellen
- Roher Fisch fällt weg – also Sashimi, Nigiri und Maki mit rohem Lachs oder Thunfisch.
- Vegetarische Rollen gehen: Avocado, Gurke, Karotte, Tofu, eingelegtes Gemüse.
- Gegartes geht auch: Rollen mit gebratenem Lachs, Garnelen oder Tempura, sofern sie durcherhitzt sind.
Warum roher Fisch nicht empfohlen ist
Die Kernregel für die Schwangerschaft lautet: keine rohen Lebensmittel vom Tier. Das schließt rohen Fisch ein, ebenso geräucherten und gebeizten Fisch – Räucherlachs und Graved Lachs gelten als roh, obwohl sie verarbeitet sind. Der Grund sind Listerien, die sich auch im Kühlschrank vermehren und in vakuumverpackter Ware gute Bedingungen finden.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft das Tiefkühlen: Einfrieren tötet diese Erreger nicht ab. Dass Fisch für Sushi eingefroren war, macht ihn also nicht sicher. Sicher wird er durch Erhitzen – durchgegarter Fisch ist unproblematisch.
Was du stattdessen bestellen kannst
Sushi ist ein Sammelbegriff, kein einzelnes Gericht. Der Reis ist unproblematisch, der Nori-Blatt-Wickel auch. Was übrig bleibt, ist eine ordentliche Auswahl:
- Vegetarische Maki und Inside-out-Rollen mit Avocado, Gurke, Karotte, Kürbis oder eingelegtem Rettich.
- Rollen mit gegartem Fisch oder Meeresfrüchten, etwa gebratener Lachs oder gekochte Garnelen. Frag im Zweifel nach, ob wirklich durchgegart.
- Tamago, das Omelett, sofern es vollständig gestockt ist.
- Warme Beilagen wie Miso-Suppe, Edamame oder gegarte Gemüsegerichte.
Was du zusätzlich beachten solltest: Auch bei vegetarischem Sushi gilt die allgemeine Hygieneregel. Frisch zubereitet ist besser als lange in der Auslage. Fertigpackungen aus dem Supermarkt, die schon Stunden dort liegen, würde ich meiden.
Die zweite Frage: Quecksilber
Neben Listerien gibt es einen zweiten Grund, bei Fisch genauer hinzusehen, und der betrifft auch gegarten Fisch. In Fischen kann sich über die Nahrungskette Methylquecksilber anreichern, besonders in großen, alt werdenden Raubfischen. Ungeborene Kinder und Säuglinge reagieren auf dessen nervenschädigende Wirkung besonders empfindlich, weil es die Plazenta passieren kann.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Schwangeren und Stillenden deshalb, Fischarten mit hohen Methylquecksilber-Gehalten zu meiden – dazu zählen Hai, Schwertfisch und Thunfisch. Für die Allgemeinbevölkerung sieht das Institut bei üblichen Verzehrmengen keine Gefährdung; die besondere Empfehlung gilt der Schwangerschaft und Stillzeit.
Fisch generell zu streichen, ist damit nicht gemeint: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zu ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Es geht um die Auswahl der Art, nicht um Verzicht.
Ich habe Sushi gegessen, bevor ich es wusste
Auch das kommt häufig vor. Listeriose ist selten, und eine einzelne Mahlzeit bedeutet nicht, dass etwas passiert ist. Achte darauf, ob grippeähnliche Beschwerden mit Fieber auftreten, und sprich es beim nächsten Termin an. Es gibt nichts, was du rückwirkend tun müsstest.
Wenn du unsicher bist
Deine Frauenarztpraxis und deine Hebamme beantworten solche Fragen im Alltag ständig. Den Gesamtüberblick gibt Was darf ich in der Schwangerschaft nicht essen?, die Käsefrage klärt Welchen Käse darf ich in der Schwangerschaft essen? Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Quellen
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Listeriose und Toxoplasmose in der Schwangerschaft. Abgerufen am 29.08.2026. bzfe.de
- Netzwerk Gesund ins Leben im Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Listeriose und Toxoplasmose – auf welche Lebensmittel sollten schwangere Frauen verzichten? Abgerufen am 29.08.2026. gesund-ins-leben.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fischverzehr in Schwangerschaft und Stillzeit – einige Fischarten weisen hohe Methylquecksilber-Gehalte auf. Stellungnahme Nr. 047/2023 vom 11.10.2023, abgerufen am 29.08.2026. bfr.bund.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Listeriose. Abgerufen am 29.08.2026. familienplanung.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 29.08.2026. 116117.de