Schwangerschaft
Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Es gibt eine offizielle Orientierung, aber keine Vorgabe, die für alle gilt. Und einen Punkt, den viele nicht erwarten: Abnehmen wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
- Lesezeit 4 Minuten
- Geprüft 15.10.2026
Wann du mit deiner Praxis sprichst
Melde dich bei deiner Hebamme oder in deiner Praxis, wenn:
- du plötzlich stark zunimmst und Hände, Füße oder Gesicht anschwellen – das kann auf eine Präeklampsie hinweisen;
- du abnimmst, ohne es zu wollen;
- du so viel erbrichst, dass du kaum etwas bei dir behältst;
- dich das Thema Gewicht stark belastet oder du Angst vor dem Wiegen hast.
Der letzte Punkt gehört genauso dazu wie die anderen. Wenn Essen und Gewicht dich schon vor der Schwangerschaft beschäftigt haben, sag es deiner Hebamme – sie kennt Anlaufstellen. Bei starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Oberbauchschmerzen sofort in die Klinik; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Bei Normalgewicht gelten 10 bis 16 Kilogramm als Orientierung für die gesamte Schwangerschaft.
- Abnehmen wird nicht empfohlen, weil es dem Kind schaden könnte.
- Deine Zahl besprichst du in der Praxis – sie hängt vom Ausgangsgewicht ab.
Die Orientierung
Für Frauen mit einem Körpergewicht im Normalbereich nennen die offiziellen Handlungsempfehlungen eine Zunahme von 10 bis 16 Kilogramm über die gesamte Schwangerschaft.
Für andere Ausgangsgewichte ist die Sache weniger eindeutig. Bei Übergewicht gilt eine geringere Zunahme als wünschenswert, ohne dass eine Zahl genannt wird. Bei Adipositas kann eine Zunahme unterhalb von 5 bis 9 Kilogramm in Betracht gezogen werden. Bei Untergewicht ist auf eine ausreichende Zunahme zu achten; eine allgemeine Mindestzahl lässt sich aus den Studien nicht ableiten.
Dass die Quelle selbst für zwei von vier Gruppen keine Zahl nennt, ist kein Versehen. Es ist der Hinweis darauf, dass diese Frage individuell beantwortet wird und nicht über eine Tabelle.
Warum Abnehmen nicht empfohlen wird
Eine Gewichtsabnahme in der Schwangerschaft wird generell nicht empfohlen, weil sie dem Kind schaden könnte. Ob Frauen mit Adipositas abnehmen sollten, wird fachlich noch diskutiert – entschieden ist es nicht.
Die Schwangerschaft ist also nicht der Zeitpunkt für eine Diät, auch nicht für eine gut gemeinte. Wenn dein Ausgangsgewicht ein Thema ist, gehört das in die Betreuung und nicht in Eigenregie.
Was eine hohe Zunahme bedeutet
Ein hohes Ausgangsgewicht und eine hohe Zunahme erhöhen beide das Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes und Frühgeburt, und sie können sich gegenseitig verstärken. Bei Adipositas kommen häufigere Präeklampsien und Kaiserschnitte hinzu.
Das sind statistische Zusammenhänge über viele Schwangerschaften, keine Vorhersage für deine. Sie erklären, warum in der Vorsorge gewogen wird – nicht, dass etwas schiefgeht.
Was vor der Schwangerschaft gilt
Bei Kinderwunsch wird empfohlen, sich dem Normalbereich anzunähern – das gilt für Übergewicht, Adipositas und Untergewicht gleichermaßen, zusammen mit ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung. Was dabei zur Bewegung empfohlen wird, steht in Sport in der Schwangerschaft.
Die zweite Empfehlung, die schon vor der Schwangerschaft greift, betrifft Folsäure.
Wenn die Waage dich belastet
Das Wiegen bei jedem Vorsorgetermin ist für manche Frauen der unangenehmste Teil. Du darfst in deiner Praxis sagen, dass dir das schwerfällt, und du darfst fragen, ob du das Ergebnis nicht sehen musst. Das ist keine Sonderbehandlung, sondern eine normale Bitte.
Wenn Essen oder Gewicht dich schon länger beschäftigen, sprich es an. Es gibt Beratungsstellen dafür, und die Schwangerschaft ist ein guter Zeitpunkt, sich Unterstützung zu holen.
Was statt der Zahl zählt
Die Vorsorge sieht sich nicht nur das Gewicht an, sondern Blutdruck, Urin und die Entwicklung des Kindes. Eine Zunahme außerhalb der Orientierung ist für sich genommen kein Befund – auffällig wird sie im Zusammenhang. Was in der Vorsorge geprüft wird, steht in Mutterpass erklärt.
Plötzliche starke Schwellungen sind etwas anderes als eine langsame Zunahme. Warum, steht in Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft.
Was wir nicht liefern
Keine Wochentabelle, keinen Rechner, keinen Ernährungsplan. Die Quelle gibt das nicht her, und eine erfundene Kurve würde nur Druck erzeugen. Was auf dem Teller eine Rolle spielt, steht in Was darf ich in der Schwangerschaft nicht essen?.
Wenn du unsicher bist
Frag beim nächsten Termin direkt, welcher Bereich für dich gilt. Das ist in zwei Minuten geklärt und erspart dir das Rechnen mit fremden Zahlen.
Wie es nach der Geburt weitergeht, steht in Abnehmen nach der Geburt.
Weiterlesen
- SchwangerschaftSchwangerschaftsdiabetes: der Zuckertest und was er bedeutetAblauf von Vortest und großem Test, warum ein auffälliger Vortest noch keine Diagnose ist und was bei einem Befund als Nächstes kommt.
- SchwangerschaftSport in der Schwangerschaft: was geht?Wie viel Bewegung offiziell empfohlen wird, welche Sportarten passen, welche nicht – und die Anzeichen, bei denen du sofort aufhörst.
- SchwangerschaftFolsäure: ab wann und wie lange?Warum Folsäure schon bei Kinderwunsch empfohlen wird, bis wann sie läuft und was gilt, wenn du spät angefangen hast.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung): Handlungsempfehlungen – Körpergewicht vor der Konzeption und Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft. Stand: 06.07.2026. Abgerufen am 15.10.2026. gesund-ins-leben.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Schwangerschaft – Gewicht und Gewichtszunahme. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de