Vorsorge
Mutterpass erklärt: was die Einträge bedeuten
Der Mutterpass ist eine kleine Gesundheitsakte für die Schwangerschaft – und für Laien über weite Strecken unlesbar. Hier steht, was tatsächlich drinsteht, wie gezählt wird und warum du ihn ab jetzt dabeihaben solltest.
- Lesezeit 4 Minuten
- Geprüft 20.08.2026
Wann du nicht bis zum nächsten Termin wartest
Der Mutterpass ersetzt keine Einschätzung. Melde dich sofort, wenn:
- Jede Blutung – unabhängig von der Menge.
- Fruchtwasser geht ab, schwallartig oder tröpfchenweise.
- Regelmäßige Wehen vor dem Ende der 37. Woche oder mehr als zehn Wehen an einem Tag.
- Starke oder plötzliche Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schmerzen im Oberbauch oder plötzliche starke Schwellungen an Händen und im Gesicht.
Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: drei Dinge, die du wissen solltest
- Immer dabeihaben. Bei der Geburt und im Notfall liefert er dem Personal in Sekunden die wichtigsten Informationen.
- Nachfragen statt googeln. Für dieselbe Abkürzung findest du im Netz die harmlose und die dramatische Deutung.
- Gezählt wird ab dem ersten Tag der letzten Periode – nicht ab der Befruchtung.
Wer ihn ausstellt
Der Mutterpass wird direkt bei der Erstuntersuchung ausgestellt – also entweder in der Frauenarztpraxis oder bei der Hebamme. Voraussetzung ist, dass die Schwangerschaft bestätigt ist.
Was drinsteht
Der Mutterpass enthält zwei Arten von Einträgen. Zum einen Basisdaten, die sich in der Schwangerschaft nicht ändern: deine Blutgruppe, Ergebnisse der Blutuntersuchungen, der errechnete Geburtstermin. Zum anderen die Ergebnisse jeder Vorsorgeuntersuchung – Blutdruck, Gewicht, Urinbefund, Lage des Kindes, Herztöne.
Diese Kombination ist der Grund für den Rat, ihn immer mitzunehmen: Bei der Geburt und in einem Notfall liefert er dem medizinischen Personal in Sekunden die wichtigsten Informationen über dich und dein Kind.
Wie die Schwangerschaftswochen gezählt werden
Gezählt wird ab dem ersten Tag der letzten Periode, nicht ab dem vermuteten Zeitpunkt der Befruchtung. Deshalb bist du rechnerisch bereits in der fünften Woche, wenn die Periode gerade eine Woche ausbleibt – auch wenn der Embryo erst seit etwa drei Wochen existiert.
Die Schreibweise mit Pluszeichen bedeutet: vollendete Wochen plus Tage. „8+3" heißt acht vollendete Wochen und drei Tage. Die Angabe im Mutterpass folgt immer diesem Muster.
Der errechnete Termin ist ein Zeitraum
Weicht das im ersten Ultraschall gemessene Alter des Embryos um mehr als sieben Tage vom errechneten Termin ab, wird der Termin korrigiert. Das ist ein normaler Vorgang und kein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt – gerade bei unregelmäßigem Zyklus ist die Berechnung über die letzte Periode ungenau.
Und die Zahl, die den meisten Druck herausnimmt: Nur wenige Kinder kommen genau am errechneten Tag zur Welt. Die meisten werden im Zeitraum von zwei Wochen davor bis zwei Wochen danach geboren. Der Termin im Pass ist ein Orientierungspunkt, kein Datum, an dem etwas passieren muss.
Die Vorsorgetermine
Welche Untersuchungen zur Vorsorge gehören und von der Krankenkasse übernommen werden, legt der Gemeinsame Bundesausschuss in der Mutterschafts-Richtlinie fest. Die Termine liegen zu Beginn der Schwangerschaft in der Regel im Abstand von vier Wochen, ab der 32. Woche alle zwei Wochen. Vorgesehen sind außerdem drei Ultraschall-Untersuchungen; die erste liegt zwischen 8+0 und 11+6 Schwangerschaftswochen.
Blutdruck und Urin werden bei jedem Termin kontrolliert. Das wirkt wie Routine, ist aber der Grund, warum Bluthochdruck in der Schwangerschaft überhaupt rechtzeitig auffällt – Beschwerden macht er am Anfang oft keine.
Warum so viele Abkürzungen unverständlich sind
Der Mutterpass ist ein Dokument für Fachpersonal, nicht für Laien. Dass du viele Einträge nicht verstehst, liegt am Formular, nicht an dir.
Die verlässlichste Methode: Frag in der Praxis nach, was ein Eintrag bedeutet. Wir listen hier bewusst keine Abkürzungs-Tabelle auf – eine falsch verstandene Abkürzung erzeugt mehr Sorge als gar keine Erklärung, und die Bedeutung hängt manchmal vom Zusammenhang ab.
Neben den Kassenleistungen wird oft ein zusätzlicher Test angeboten. Was er leistet und was nicht, steht in Ersttrimester-Screening.
Wenn du unsicher bist
Für Fragen zwischen den Terminen sind deine Hebamme und deine Frauenarztpraxis zuständig. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Eine der Untersuchungen, die im Mutterpass dokumentiert wird, erklärt Schwangerschaftsdiabetes: der Zuckertest.
Wie es ganz am Anfang weitergeht, steht in Schwangerschaftstest positiv: was jetzt?. Wer die Vorsorge außer der Praxis noch übernehmen kann, steht in Hebamme finden.
In Österreich übernimmt der Eltern-Kind-Pass diese Aufgabe – mit Folgen fürs Kinderbetreuungsgeld, siehe Der Eltern-Kind-Pass in Österreich.
Warum der Blutdruck bei jedem Termin gemessen wird, erklärt Bluthochdruck in der Schwangerschaft.
Was hinter zwei Einträgen im Mutterpass steckt: Rhesus-negativ in der Schwangerschaft und Ultraschall in der Schwangerschaft.
Mehr zu einzelnen Tests der Vorsorge: Chlamydien, Hepatitis B und Röteln.
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- FrühschwangerschaftSchwangerschaftstest positiv: was jetzt?Die ersten Schritte nach einem positiven Test: Termin, Mutterpass, Hebamme, Geburtstermin – und die Warnzeichen, bei denen du sofort anrufst.
Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Der Mutterpass. Stand 27.07.2026. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Schwangerschaftsvorsorge. Abgerufen am 20.08.2026. gesund.bund.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Hoher Blutdruck – hypertensive Schwangerschaftserkrankungen. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Beschwerden in der Schwangerschaft – Blutungen. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 20.08.2026. 116117.de