Schwangerschaft

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird dein Blutdruck gemessen – aus gutem Grund. Erhöhter Blutdruck kommt in der Schwangerschaft nicht selten vor und bleibt meist ohne Folgen, wenn er früh bemerkt und begleitet wird. Wichtig ist, die Zeichen zu kennen, bei denen du nicht bis zum nächsten Termin wartest.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesbehörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: eine Blutdruckmanschette mit Pumpball und einer runden Anzeige
Illustration: Mamalotse

Wann du sofort in die Klinik fährst

Fahr direkt in eine Geburtsklinik oder ruf die 112, wenn du in der zweiten Schwangerschaftshälfte bemerkst:

  • anhaltende, starke Kopfschmerzen, die nicht nachlassen;
  • Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder verschwommenes Sehen;
  • anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch oder unter dem Rippenbogen;
  • plötzlich starke Schwellungen, vor allem im Gesicht und an den Händen;
  • Unwohlsein oder anhaltende Übelkeit ohne erkennbaren Grund;
  • einen selbst gemessenen Wert von 160/110 oder höher.

Bei Krampfanfällen oder Bewusstlosigkeit sofort 112. Diese Zeichen können auch in den Wochen nach der Geburt noch auftreten. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Erhöht heißt: ab 140 zu 90. Ab 160 zu 110 gilt der Blutdruck als stark erhöht.
  2. Die Vorsorge achtet darauf: Blutdruck und Eiweiß im Urin werden regelmäßig kontrolliert.
  3. Warnzeichen ernst nehmen: Kopfschmerzen, Sehstörungen und Oberbauchschmerzen gehören sofort abgeklärt.

Was als erhöht gilt

Blutdruck wird in zwei Zahlen angegeben: dem oberen (systolischen) und dem unteren (diastolischen) Wert. In der Schwangerschaft gilt der Blutdruck als erhöht, wenn der obere Wert bei 140 oder darüber liegt oder der untere bei 90 oder darüber. Ab 160 zu 110 spricht man von stark erhöhtem Blutdruck.

Etwa 6 bis 8 von 100 Schwangeren haben einen erhöhten Blutdruck. Bei manchen bestand er schon vorher und verstärkt sich in der Schwangerschaft, bei vielen entsteht er erst in der Schwangerschaft.

Präeklampsie: wenn Organe beteiligt sind

Von einer Präeklampsie spricht man, wenn zum hohen Blutdruck Zeichen kommen, dass Organe belastet sind – etwa die Nieren, erkennbar an Eiweiß im Urin. Betroffen sind 2 bis 5 von 100 Schwangerschaften. Früher hieß das oft „Schwangerschaftsvergiftung“ oder „Gestose“.

Zwei seltene, schwere Verläufe gehören dazu: die Eklampsie mit Krampfanfällen und Bewusstseinsverlust und das HELLP-Syndrom, das vor allem Leber und Blutgerinnung betrifft. Deshalb stehen die Warnzeichen oben in der Box – sie sind der Grund, warum du nicht abwartest.

Schwellungen allein sind kein Warnzeichen; Wassereinlagerungen an Füßen und Beinen haben die meisten Schwangeren. Wie du harmlose von auffälligen Schwellungen unterscheidest, steht in Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft.

Wer ein höheres Risiko hat

  • Frauen mit schon bestehendem Bluthochdruck, Diabetes oder Nierenerkrankungen,
  • Frauen, die Zwillinge oder Mehrlinge erwarten,
  • Frauen mit starkem Übergewicht – es verdoppelt das Risiko,
  • Frauen, in deren Familie solche Erkrankungen gehäuft vorkommen.

Diese Faktoren werden bei der Vorsorge erfragt und im Mutterpass vermerkt. Bei hohem Risiko kann deine Ärztin eine vorbeugende Behandlung empfehlen, die idealerweise schon vor der 17. Schwangerschaftswoche beginnt. Ob das für dich infrage kommt, entscheidet sie mit dir – nimm nichts auf eigene Faust ein.

Was bei der Vorsorge passiert

Bei jedem Vorsorgetermin werden Blutdruck und Urin kontrolliert. Fällt dabei etwas auf, wird enger kontrolliert. Viele Praxen empfehlen dann, den Blutdruck auch zu Hause regelmäßig zu messen. Lass dir zeigen, wie und wann du misst, und notiere die Werte.

Manche Praxen bieten im ersten Drittel der Schwangerschaft zusätzlich eine Einschätzung des Präeklampsie-Risikos an, oft zusammen mit dem Ersttrimester-Screening.

Wie es behandelt wird

Ist nur der Blutdruck erhöht und sind keine Organe betroffen, kann er mit Medikamenten gesenkt werden, die in der Schwangerschaft geeignet sind. Welche das sind, legt die Ärztin fest. Bei stark erhöhten Werten oder Zeichen einer Organbelastung kommst du in die Klinik. Dort wird entschieden, ob abgewartet werden kann.

Eine Präeklampsie heilt erst mit der Geburt aus. Manchmal ist es deshalb sicherer für Mutter und Kind, das Baby früher zu holen, auch vor dem errechneten Termin. Das ist keine leichte Situation, aber eine, in der das Team in der Klinik viel Erfahrung hat.

Auch nach der Geburt

Hoher Blutdruck und Präeklampsie können noch in den Wochen nach der Geburt auftreten. Die Warnzeichen aus der Box gelten deshalb auch im Wochenbett. Erzähl deiner Hebamme bei den Hausbesuchen, wenn du Kopfschmerzen oder Sehstörungen hast – auch wenn du glaubst, es sei nur Schlafmangel.

Was du selbst tun kannst

Nimm alle Vorsorgetermine wahr und sprich offen an, wenn dir etwas komisch vorkommt. Bewegung, wie sie in Sport in der Schwangerschaft beschrieben ist, und eine ausgewogene Ernährung tun dir gut – sie ersetzen aber keine Kontrolle. Kopfschmerzen ohne die Warnzeichen oben ordnet Kopfschmerzen in der Schwangerschaft ein.

Eine gefährliche Komplikation mit Schmerzen im rechten Oberbauch beschreibt HELLP-Syndrom.

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Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Hoher Blutdruck (Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen). Stand: 14.05.2025, geprüft 20.04.2026. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: HELLP-Syndrom. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de