Schwangerschaft

HELLP-Syndrom: Anzeichen erkennen

Das HELLP-Syndrom ist selten, aber lebensbedrohlich – für dich und dein Kind. Typisch sind anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch. Weil man sie leicht mit Magenproblemen verwechselt, ist es wichtig, die Zeichen zu kennen.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesbehörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: eine Blutdruckmanschette mit Pumpball und einer runden Anzeige
Illustration: Mamalotse

Notfall: sofort in die Klinik

Fahr sofort in eine Geburtsklinik oder ruf die 112, wenn du in der zweiten Schwangerschaftshälfte oder nach der Geburt:

  • anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch hast;
  • plötzlich ungewöhnlich starke Kopfschmerzen bekommst;
  • Sehstörungen hast, etwa Flimmern;
  • unter extremer Übelkeit oder Erbrechen leidest.

Warte nicht ab, ob es von allein besser wird. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Selten: bei weniger als einer von 100 Schwangerschaften.
  2. Leitzeichen: anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch.
  3. Auch nach der Geburt möglich – Warnzeichen dann genauso ernst nehmen.

Was HELLP bedeutet

Der Name setzt sich aus den englischen Anfangsbuchstaben der typischen Laborwerte zusammen:

  • Hämolyse – rote Blutkörperchen werden zerstört,
  • Erhöhte Leberwerte,
  • Low Platelets – zu wenige Blutplättchen.

Das HELLP-Syndrom tritt bei weniger als einer von 100 Schwangerschaften auf, meist in der zweiten Hälfte – es kann aber auch nach der Geburt auftreten.

Die Anzeichen

Das wichtigste Zeichen sind anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch. Sie entstehen, weil die vergrößerte Leber ihre Kapsel dehnt. Dazu können plötzliche, ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, Sehstörungen und manchmal extreme Übelkeit und Erbrechen kommen. In der Klinik zeigt sich oft ein zu hoher Blutdruck, im Blut erhöhte Leberwerte und eine gestörte Gerinnung.

Der Zusammenhang mit Präeklampsie

Oft ist das HELLP-Syndrom eine Komplikation einer Präeklampsie – einer Erkrankung mit hohem Blutdruck und Eiweiß im Urin, siehe Bluthochdruck in der Schwangerschaft. Es kann aber auch unabhängig davon auftreten.

Warum es gefährlich ist

  • Für dich: Blutarmut, Gerinnungsstörungen, mögliches Nierenversagen, Wasser in der Lunge, Blutungen in der Leber bis hin zu einem Leberriss.
  • Für die Plazenta: Sie kann sich vorzeitig lösen, siehe Vorzeitige Plazentalösung.
  • Für dein Kind: Oft muss die Schwangerschaft früh beendet werden. Frühgeborene brauchen dann häufig Unterstützung beim Atmen, siehe Frühchen.

Wie behandelt wird

Die einzige echte Behandlung ist, die Schwangerschaft zu beenden. Vor der 34. Woche wird manchmal versucht, die Geburt hinauszuzögern – das geht nur in spezialisierten Kliniken mit intensiver Überwachung von Mutter und Kind. Tritt das HELLP-Syndrom nach der Geburt auf, bekommst du Medikamente, die deinen Zustand stabilisieren. Die Beschwerden bessern sich dann nach und nach.

Wer ein höheres Risiko hat

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen eine gestörte Entwicklung der Plazenta und eine Fehlreaktion des Immunsystems eine Rolle. Ein höheres Risiko haben Frauen mit familiärer Veranlagung und Frauen, die schon einmal ein HELLP-Syndrom hatten. Bei hohem Risiko kann die Ärztin in der Schwangerschaft vorbeugend ein Medikament empfehlen. Regelmäßige Vorsorge hilft, eine Präeklampsie früh zu erkennen.

Ein HELLP-Syndrom kann sehr belastend sein, auch im Nachhinein. Unterstützung findest du in Eine schwierige Geburt verarbeiten.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: HELLP-Syndrom. Stand: 16.05.2025. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
  2. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de