Baby
Frühchen: wenn das Baby zu früh kommt
Etwa jedes zwölfte Baby in Deutschland kommt zu früh auf die Welt. Für Eltern beginnt dann eine Zeit voller Sorge, Technik und Warten. Die Medizin kann Frühgeborenen heute sehr gut helfen – und ihr als Eltern seid dabei wichtiger, als es zwischen all den Geräten scheinen mag.
- Lesezeit 3 Minuten
- Geprüft 16.10.2026
Anzeichen einer drohenden Frühgeburt
Melde dich sofort in Klinik, Praxis oder bei deiner Hebamme, wenn du vor der 37. Woche:
- über längere Zeit mehr als dreimal pro Stunde Wehen hast, oft mit ziehenden Rückenschmerzen;
- periodenartige Schmerzen hast oder spürst, dass das Kind nach unten drückt;
- blutigen oder schleimigen Ausfluss bemerkst;
- Fruchtwasser verlierst.
Bei starker Blutung 112. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Frühgeboren ist ein Baby, das vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt.
- Gute Chancen: Zwischen der 28. und 32. Woche überleben 95 von 100 Kindern.
- Hilfe: Sozialmedizinische Nachsorge auf Rezept, Haushaltshilfe, längerer Mutterschutz.
Was eine Frühgeburt ist
Als frühgeboren gilt ein Baby, das vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt – also mehr als drei Wochen vor dem errechneten Termin. Kommt es vor der 28. Woche, spricht man von einem sehr früh geborenen Kind. In Deutschland betrifft das etwa 8 von 100 Babys.
Je nachdem, wie früh dein Baby geboren wurde, kann es noch nicht oder nur teilweise selbst atmen, trinken oder seine Körpertemperatur halten. Viele Frühgeborene liegen deshalb Tage bis Wochen im Inkubator, verbunden mit Schläuchen und Überwachungsgeräten.
Die Chancen
Die Intensivmedizin für Neugeborene hat große Fortschritte gemacht. Babys, die zwischen der 28. und 32. Woche geboren werden, überleben in 95 von 100 Fällen. Auch für sehr früh Geborene sind die Aussichten besser geworden. Von den Kindern, die vor der 28. Woche zur Welt kommen, hat etwa ein Viertel später Beeinträchtigungen. Ob ein Frühchen später Schwierigkeiten haben wird, lässt sich meist schwer vorhersagen.
Auf der Station: Ihr seid wichtig
- Mitpflegen: Eltern werden ermutigt, sich an der Pflege zu beteiligen.
- Hautkontakt: Wenn nichts dagegen spricht, darfst du dein Baby oft schon früh auf deine nackte Brust legen – eine bis mehrere Stunden. Mehr dazu in Die Känguru-Methode.
- Muttermilch: Kann dein Baby noch nicht trinken, kannst du Milch abpumpen und in die Klinik bringen. Bei medizinischem Bedarf gibt es eine elektrische Pumpe auf Rezept, siehe Muttermilch aufbewahren.
- Unterstützung annehmen: Das Klinikpersonal begleitet dich. Elterngruppen und Selbsthilfe, etwa über den Bundesverband „Das frühgeborene Kind“, können helfen.
Was dir zusteht
- Längerer Mutterschutz: Nach einer ärztlich festgestellten Frühgeburt verlängert sich die Schutzfrist nach der Geburt, siehe Mutterschutz.
- Haushaltshilfe: während oder nach dem Klinikaufenthalt mit ärztlicher Bescheinigung, siehe Haushaltshilfe.
- Sozialmedizinische Nachsorge: auf ärztliche Verordnung als Leistung der gesetzlichen Krankenkasse – sie begleitet den Übergang von der Klinik nach Hause.
- Zu Hause: Hebammen, Familienhebammen und andere Fachleute unterstützen dich, siehe Hebamme finden.
Nach der Entlassung
Spätfolgen können sich auch später zeigen. Deshalb wird die Entwicklung von Frühgeborenen bis ins Schulalter besonders aufmerksam begleitet. Nimm die U-Untersuchungen wahr und sprich Fragen offen an. Zeigen sich Auffälligkeiten, gibt es spezialisierte Nachsorge- und Frühförderangebote, siehe Entwicklungsverzögerung erkennen. Frühe Förderung kann vieles ausgleichen.
Wenn es dir schlecht geht
Eine Frühgeburt kann sehr belastend sein – auch Wochen und Monate danach. Sprich mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder der psychosozialen Betreuung in der Klinik. Hilfreich können auch Eine schwierige Geburt verarbeiten und Babyblues oder Depression? sein. Rund um die Uhr erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Wie Frühgeburten entstehen und was sie verzögern kann, steht in Vorzeitige Wehen.
Weiterlesen
- WochenbettKänguru-Methode: Haut an HautWarum der direkte Hautkontakt gerade für Frühgeborene so wichtig ist und was er für die Bindung leistet.
- StillenMuttermilch abpumpen und aufbewahrenWie lange abgepumpte Muttermilch im Kühlschrank und im Gefrierfach hält, wo sie am besten steht und worauf du beim Abpumpen achtest.
- OrganisationMutterschutz: Schutzfristen und was sie bedeutenSechs Wochen vor, acht Wochen nach der Geburt: wie die Schutzfristen laufen, wann sie sich verlängern und was du entscheiden darfst.
Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Frühgeburt. Stand: 19.07.2026. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Frühgeburt – wenn es der Nachwuchs eilig hat. Stand: 25.07.2024, geprüft 25.02.2025. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Frühgeborene – Allgemeines. Letzte Aktualisierung 21.03.2014. Abgerufen am 16.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Abpumpen. Stand: 13.06.2025. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
- TelefonSeelsorge Deutschland: Kontakt. Abgerufen am 16.10.2026. telefonseelsorge.de