Wochenbett

Babyblues oder Wochenbettdepression?

Sich nach einer Geburt ohne erkennbaren Anlass traurig zu fühlen, ist normal. Meist legt es sich von selbst. Halten Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit länger als ein bis zwei Wochen an, kann eine Wochenbettdepression dahinterstecken – eine ernsthafte, gut behandelbare Erkrankung, für die niemand etwas kann.

Von Danny · Geprüft am 20.08.2026 · Quellen: Bundesbehörden und Fachorganisationen · Orientierung, kein medizinischer Rat

Abstrakte Illustration: eine ruhige Wolke über einer Horizontlinie
Illustration: Mamalotse

Wann du dir sofort Hilfe holst

Warte damit nicht, und such dir Hilfe, auch wenn du dich dafür schämst:

  • Du hast Gedanken, dir selbst oder deinem Kind etwas anzutun.
  • Du erlebst starke Ängste, ausgeprägte Teilnahmslosigkeit, starke Anspannung oder Wahrnehmungen, die andere nicht teilen. Das können Anzeichen einer Wochenbettpsychose sein – dabei ist schnelle ärztliche Hilfe sehr wichtig.
  • Du kannst dein Kind nicht mehr versorgen oder hast Angst, dass du es nicht kannst.

In diesen Fällen rufst du sofort an: 112, deine Klinik oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichst du außerdem die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Diese Gedanken zu haben, macht dich nicht zu einer schlechten Mutter – sie sind ein Symptom und ein Grund, jetzt jemanden anzurufen. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: die drei Fragen, die weiterhelfen

  1. Seit wann? Wenige Tage nach der Geburt und wieder vorbei, oder hält es an?
  2. Wie lange schon? Ab ein bis zwei Wochen anhaltender Niedergeschlagenheit gehört es besprochen.
  3. Mit wem kannst du reden? Hebamme, Frauenärztin, Hausärztin – irgendjemand von diesen dreien, diese Woche.

Der Babyblues

In den ersten Tagen nach der Geburt empfinden viele Frauen eine plötzliche Traurigkeit. Verantwortlich dafür sind wahrscheinlich der plötzliche Hormonabfall nach der Geburt, Schlafmangel und die Unsicherheit in der neuen Lebenssituation. Auch das Geburtserlebnis zu verarbeiten, braucht Zeit.

Der Babyblues ist keine Erkrankung und muss nicht mit Medikamenten behandelt werden. Meist legt er sich von selbst. Oft hilft die Unterstützung durch den Partner, die Partnerin oder andere nahestehende Menschen – also jemanden zu haben, der das Kind für zwei Stunden übernimmt und keine Ratschläge gibt.

Wo die Grenze verläuft

Bleiben Traurigkeit und Antriebsarmut länger als ein bis zwei Wochen bestehen, kann das ein Anzeichen für eine Wochenbettdepression sein. Dann ist Hilfe von Fachkräften nötig, denn eine Wochenbettdepression ist eine ernsthafte Erkrankung.

Frauen mit einer Wochenbettdepression erleben sich in der Regel als anhaltend niedergeschlagen und antriebslos. Betroffen sind schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Frauen im ersten Jahr nach einer Geburt. Das sind, auf ein volles Wartezimmer gerechnet, mehrere – du bist damit nicht allein und nicht die Ausnahme.

Was das nicht bedeutet

Eine Wochenbettdepression ist keine Frage von Charakterstärke, Vorbereitung oder Mutterliebe. Sie entsteht nicht dadurch, dass du etwas falsch gemacht hast, und sie sagt nichts darüber aus, ob du dein Kind liebst. Sie ist auch nicht auf die ersten Wochen begrenzt – sie kann im gesamten ersten Jahr auftreten.

Der häufigste Grund, warum Frauen nicht darüber sprechen, ist die Erwartung, nach der Geburt glücklich sein zu müssen. Diese Erwartung ist der eigentliche Fehler, nicht dein Gefühl.

Die Wochenbettpsychose

Etwas anderes als eine Wochenbettdepression ist die seltene Wochenbettpsychose. Dabei handelt es sich um eine schwere psychische Erkrankung mit ausgeprägter Teilnahmslosigkeit und starken Ängsten; auch starke Anspannung und Wahnvorstellungen sind möglich. In einem solchen Fall ist schnelle ärztliche Hilfe sehr wichtig. Wenn Angehörige so etwas bemerken, sollten sie handeln, auch wenn die Betroffene es selbst nicht kann.

Wo du Hilfe bekommst

Es gibt auch stationäre Behandlungen, bei denen das Kind mit aufgenommen wird. Die Sorge, dass dir dein Kind weggenommen wird, wenn du dir Hilfe holst, hält viele Frauen ab. Sprich diese Sorge offen an – sie ist eine der häufigsten und gehört ins Gespräch.

Für Partner und Angehörige

Was hilft: konkrete Entlastung statt Ratschlägen. Das Kind übernehmen, ohne gefragt zu werden. Beim Anruf in der Praxis danebensitzen. Nachfragen, wie es wirklich geht, und die erste Antwort nicht als letzte nehmen.

Was nicht hilft: „Reiß dich zusammen", „Andere schaffen das auch", „Aber das Baby ist doch gesund".

Wenn du unsicher bist

Du musst nicht sicher sein, dass es eine Depression ist, um darüber zu sprechen. Es reicht, dass es dir schlecht geht. Ruf deine Hebamme oder deine Praxis an, diese Woche.

Was im Wochenbett körperlich passiert, steht in Wochenfluss und Nachwehen.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Das Wochenbett von A bis Z – Baby-Blues. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wochenbett-Depression. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  3. TelefonSeelsorge Deutschland: kostenfreie Rufnummern, anonym und rund um die Uhr erreichbar. Abgerufen am 20.08.2026. telefonseelsorge.de
  4. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, familienportal.de: Krisentelefone und Anlaufstellen in schwierigen Situationen. Abgerufen am 20.08.2026. familienportal.de
  5. Schatten & Licht e. V., Selbsthilfeorganisation für peripartale psychische Erkrankungen. Abgerufen am 20.08.2026. schatten-und-licht.de