Schwangerschaft
Vorzeitige Wehen: woran du sie erkennst
Übungswehen gehören dazu. Auffällig wird es, wenn sie zu häufig kommen – und dafür gibt es konkrete Zahlen, an denen du dich orientieren kannst.
- Lesezeit 4 Minuten
- Geprüft 15.10.2026
Wann du anrufst
Ruf in der Klinik oder bei deiner Hebamme an, wenn:
- du vor der 37. Woche mehr als zehn Wehen an einem Tag hast;
- die Wehen vor der 30. Woche in Abständen unter 20 Minuten kommen;
- sie zwischen der 30. und 37. Woche in Abständen unter 12 Minuten kommen;
- Fruchtwasser abgeht oder du blutest;
- du Fieber bekommst oder dich krank fühlst;
- du deutlich weniger Kindsbewegungen spürst als sonst.
Im Kreißsaal darfst du rund um die Uhr anrufen. Bei starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder Ohnmachtsgefühl sofort 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Vorzeitig heißt: vor Ende der 37. Woche, also mehr als drei Wochen vor dem Termin.
- Die Häufigkeit entscheidet, nicht die einzelne Wehe.
- Bettruhe ist nicht nötig. Es gibt keine Belege, dass sie eine Frühgeburt verhindert.
Was vorzeitige Wehen sind
Von vorzeitigen Wehen spricht man, wenn die Wehen mehr als drei Wochen vor dem errechneten Termin häufiger werden – also etwa vor der 37. Schwangerschaftswoche – und sich der Muttermund dabei verkürzt oder öffnet.
Eine Wehe spürst du daran, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Das fühlt sich unterschiedlich an: als hart werdender Bauch, als Druck nach unten Richtung Scheide oder als deutlicher Schmerz. Mehr zum harten Bauch steht in Bauch wird hart in der Schwangerschaft.
Die Zahlen, an denen du dich orientierst
Ein Verdacht besteht, wenn vor dem Ende der 37. Woche mehr als zehn Wehen an einem Tag auftreten, die auf den Muttermund wirken. Zusätzlich gelten dichtere Abstände als auffällig: vor der 30. Woche Abstände unter 20 Minuten, zwischen der 30. und 37. Woche Abstände unter 12 Minuten.
Das ist keine Diagnose, die du selbst stellst – es ist ein Anlass anzurufen. Ob die Wehen tatsächlich auf den Muttermund wirken, lässt sich nur untersuchen, nicht fühlen.
Der Unterschied zu Übungswehen
Gelegentliche Wehen in den Wochen vor der Geburt sind normal und heißen Übungswehen. Sie werden erst durch Häufigkeit und Abstände bedenklich, nicht durch ihre bloße Existenz. Wie du echte Geburtswehen erkennst, steht in Wehen erkennen; die Vorzeichen der Geburt insgesamt in Anzeichen der Geburt.
Was sie auslösen kann
Genannt werden Infektionen – im Genitalbereich, in den Harnwegen, aber auch Grippe, COVID-19 sowie Zahn- und Zahnfleischentzündungen. Dazu kommen übermäßige körperliche oder psychische Belastung und eine Überdehnung der Gebärmutter, etwa bei viel Fruchtwasser oder bei Mehrlingen.
Dass Zähne in dieser Liste stehen, überrascht viele. Warum das kein Nebenthema ist, steht in Zähne und Zahnfleisch in der Schwangerschaft. Veränderter Ausfluss kann ebenfalls auf eine Infektion hinweisen – siehe Ausfluss in der Schwangerschaft.
Was vorbeugen hilft
- Anzeichen einer Infektion zügig abklären lassen, statt abzuwarten.
- Impfungen, etwa gegen Grippe und COVID-19, sind auch in der Schwangerschaft möglich.
- Starke Belastungen meiden – Hitze, schweres Heben. Wenn das im Job nicht geht, kommt ein Beschäftigungsverbot infrage, siehe Arbeitsplatz in der Schwangerschaft.
- Zahnarztbesuch etwa alle sechs Monate.
Was in der Klinik passiert
Meist wird stationär überwacht. Eine gefundene Ursache, zum Beispiel eine Infektion, wird behandelt. Vor dem Ende der 34. Woche werden kurzfristig wehenhemmende Medikamente gegeben, dazu Kortison, damit die Lunge des Kindes schneller reift. Ziel ist, die Geburt so lange wie möglich hinauszuzögern.
Ein Punkt, der viele entlastet: Schonung ist sinnvoll, Bettruhe ist es nicht. Es gibt keine Belege dafür, dass Bettruhe eine Frühgeburt verhindert.
Wenn du unsicher bist
Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig – im Kreißsaal ist das der normale Ablauf und niemand ist genervt. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Zwillinge kommen besonders häufig zu früh, siehe Schwanger mit Zwillingen.
Wenn sich der Gebärmutterhals früh verkürzt, lies Zervixinsuffizienz. Kommt dein Baby zu früh, hilft Frühchen.
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Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Krankheiten und Infektionen in der Schwangerschaft – Vorzeitige Wehen. Stand: 07.05.2025. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de