Schwangerschaft

Zähne und Zahnfleisch in der Schwangerschaft

Zahnfleischbluten in der Schwangerschaft ist häufig und wird oft abgetan. Dabei gehört es zu den wenigen Beschwerden, bei denen Behandlung nachweislich mehr bringt als Abwarten.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Behörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Schematische Darstellung: ein Zahn mit Zahnbürste
Illustration: Mamalotse

Wann du zur Zahnärztin gehst

Vereinbare zeitnah einen Termin, wenn:

  • dein Zahnfleisch dauerhaft blutet, geschwollen oder gerötet ist;
  • du Zahnschmerzen hast oder ein Zahn auf Druck wehtut;
  • sich das Zahnfleisch zurückzieht oder Zähne locker wirken;
  • du häufig erbrichst – dann braucht der Zahnschmelz besonderen Schutz.

Bei starken Schmerzen, Schwellung im Gesicht oder Fieber nicht abwarten: Das gehört noch am selben Tag behandelt, notfalls über den zahnärztlichen Notdienst. Bei starker Schwellung mit Atem- oder Schluckbeschwerden sofort 112.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Etwa 4 von 10 Schwangeren entwickeln eine Zahnfleischentzündung.
  2. Behandlungen sind in der Schwangerschaft möglich, örtliche Betäubung gilt als sicher.
  3. Nach dem Erbrechen nicht sofort putzen – erst spülen, etwa eine halbe Stunde warten.

Warum das Zahnfleisch jetzt blutet

Die hormonelle Umstellung steigert die Durchblutung des Zahnfleischs. Es wird empfindlicher und blutet schneller beim Putzen. Etwa 4 von 10 Schwangeren entwickeln eine Entzündung, die den gesamten Zahnhalteapparat betreffen kann. Zusätzlich verschiebt sich die Bakterienzusammensetzung im Mund, sodass sich zahnschädigende Bakterien leichter vermehren.

Warum Karies leichter entsteht

Der Speichel ist in der Schwangerschaft weniger sauer gepuffert und neutralisiert die Säure der Bakterien schlechter. Dazu kommen häufigere kleine Mahlzeiten und bei vielen das Erbrechen – beides belastet den Zahnschmelz zusätzlich.

Wenn dir häufig übel ist, hilft Übelkeit in der Schwangerschaft weiter.

Der Zusammenhang mit der Frühgeburt

Das ist der Punkt, der dieses Thema von einer Nebensächlichkeit unterscheidet: Frauen mit einer Parodontitis haben etwa das doppelte Risiko für eine Frühgeburt verglichen mit Frauen mit guter Mundgesundheit. Eine Parodontitis gilt außerdem als Risikofaktor für eine Fehlgeburt, wobei die Quelle hier vorsichtig formuliert – eine schlechte Mundgesundheit wirkt sich „wahrscheinlich“ auf die Schwangerschaft aus.

Auch deshalb stehen Zahn- und Zahnfleischentzündungen in der Liste der Auslöser für vorzeitige Wehen.

Dazu kommt ein zweiter Punkt: Bakterien aus dem Mund können später auf die Zähne des Kindes übergehen. Zur Pflege der ersten Zähne steht alles in Milchzähne pflegen.

Was zur Vorsorge gehört

Zur Schwangerenvorsorge gehört ein Beratungsgespräch zur Mundgesundheit bei Hebamme oder Ärztin. Nutz es – es ist schnell übersehen. Welche Untersuchungen die Vorsorge sonst umfasst, steht in Mutterpass erklärt.

Eine professionelle Zahnreinigung gilt in der Schwangerschaft als sinnvoll. Ob und in welchem Umfang deine Kasse sie übernimmt, fragst du dort direkt nach – das ist von Kasse zu Kasse verschieden.

Tägliche Pflege

  • Mindestens zweimal täglich putzen, mit weicher Bürste und kleinem Bürstenkopf.
  • Fluoridhaltige Zahnpasta verwenden.
  • Einmal täglich die Zahnzwischenräume reinigen, mit Seide oder Interdentalbürsten.
  • Bei blutendem oder entzündetem Zahnfleisch können ungesüßter Kamillen- oder Salbeitee als Getränk oder Mundspülung genutzt werden.

Nach dem Erbrechen

Nicht sofort putzen. Der Zahnschmelz ist durch die Magensäure kurzzeitig angegriffen, und die Bürste trägt ihn dann ab. Spül stattdessen mit Wasser oder einer Mundspülung und warte etwa eine halbe Stunde.

Was behandelt wird und was wartet

Notwendige zahnärztliche Behandlungen sind in der Schwangerschaft in der Regel möglich. Eine örtliche Betäubung gilt als sicher; die Praxis wählt ein passendes Mittel. Nicht dringende Eingriffe und größere Maßnahmen werden üblicherweise auf die Zeit nach der Schwangerschaft verschoben.

Sag in der Praxis, dass du schwanger bist und in welcher Woche – das beeinflusst Planung und Lagerung während der Behandlung.

Wenn du unsicher bist

Zahnfleischbluten ist kein Grund zur Panik, aber einer für einen Termin. Deine Hebamme kann das Thema ebenfalls einordnen und beim Beratungsgespräch zur Mundgesundheit helfen.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Beschwerden in der Schwangerschaft – Zahnfleischbluten, Karies und Parodontitis. Stand: 01.07.2024. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Mundgesundheit in der Schwangerschaft. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de