Geburt
Anzeichen der Geburt: wann es wirklich losgeht
Die meisten Anzeichen, die du im Netz findest, kündigen die Geburt an – sie beginnen sie nicht. Entscheidend ist am Ende ein einziger Punkt: wie regelmäßig deine Wehen kommen, wie lange sie dauern und wie stark sie sind.
Wann du nicht abwartest
Unabhängig davon, wie regelmäßig deine Wehen sind, meldest du dich sofort in der Klinik oder bei deiner Hebamme:
- bei Fruchtwasserabgang – schwallartig oder tröpfchenweise;
- bei einer Blutung;
- bei Wehen vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche. Als verdächtig gilt mehr als zehnmal Wehentätigkeit an einem Tag, vor der 30. Woche schon ein Abstand unter 20 Minuten;
- wenn du starke, anhaltende Schmerzen hast oder dir schwindlig wird;
- wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt – auch ohne dass du es benennen kannst.
Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: die Faustregel für die Klinik
- Erstes Kind: Die Wehen kommen etwa eine Stunde lang regelmäßig alle fünf Minuten, dauern ungefähr eine Minute, und du kannst dich während einer Wehe nicht mehr ablenken.
- Ab dem zweiten Kind: Regelmäßige Wehen alle zehn Minuten reichen aus.
- Weiter Weg zur Klinik? Dann früher losfahren und mehr Zeit einplanen.
Die Vorzeichen: Tage vorher, nicht Stunden
Eine Geburt kündigt sich oft schon Tage im Voraus an. Der Körper stellt sich um: Die Gebärmuttermuskulatur bereitet sich darauf vor, sich kräftig zusammenzuziehen, und der Gebärmutterhals wird weicher, damit er sich öffnen kann. Viele Frauen erleben in dieser Zeit eine Phase mit auffällig viel Energie.
Als körperliche Vorzeichen nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit:
- unregelmäßige, leichte Wehen – die sogenannten Vorwehen;
- zunehmende Rückenschmerzen, weil sich die Bänder im unteren Rücken lockern;
- den Abgang des blutigen Schleimpfropfs, der bis dahin den Muttermund verschlossen hat;
- häufigen Stuhldrang, manchmal leichten Durchfall.
Wichtig für die Einordnung: Keines dieser Zeichen sagt dir, wann es losgeht. Zwischen dem Abgang des Schleimpfropfs und der Geburt können Tage liegen. Wenn dir jemand sagt, das sei „ein sicheres Zeichen für morgen", ist das nicht belegt.
Vorwehen oder Geburtswehen?
Das ist die Frage, um die sich am Ende alles dreht, und sie lässt sich klarer beantworten als die meisten anderen.
Vorwehen machen den Muttermund langsam geburtsreif. Sie kommen unregelmäßig, sind ziemlich kurz und relativ leicht – du kannst dich während einer Vorwehe noch unterhalten. Sie können einige Stunden anhalten und dann wieder nachlassen.
Geburtswehen öffnen den Muttermund. Sie kommen regelmäßig etwa alle fünf bis fünfzehn Minuten, dauern rund eine Minute und sind so kräftig, dass du dich aufs Atmen konzentrieren musst.
Der praktische Unterschied liegt also nicht darin, wie weh es tut, sondern in Regelmäßigkeit, Dauer und darin, ob du nebenbei noch reden kannst. Wie sich Wehen im Verlauf anfühlen und wie du Abstände zählst, steht in Wehen erkennen.
Wann du losfährst
Die offizielle Faustregel unterscheidet nach der Zahl deiner Geburten. Erwartest du dein erstes Kind, ist es Zeit, wenn die Wehen etwa eine Stunde lang regelmäßig alle fünf Minuten kommen, ungefähr eine Minute dauern und der Schmerz so stark ist, dass du dich während einer Wehe nicht mehr ablenken kannst. Ab dem zweiten Kind reicht ein regelmäßiger Abstand von zehn Minuten.
Bei einer geplanten Hausgeburt oder Geburt im Geburtshaus informierst du zu diesem Zeitpunkt deine Hebamme. Ein Anruf in der Klinik ist in der Regel nicht nötig, du kannst einfach kommen – auch nachts.
Und falls du zu früh dort ankommst und wieder nach Hause geschickt wirst: Das ist kein Fehler und kein Versagen, sondern Alltag im Kreißsaal.
Was der errechnete Termin wirklich aussagt
Den Startschuss gibt das Kind, indem es signalisiert, dass es bereit ist. Wann das passiert, lässt sich nicht vorhersagen. Eine Schwangerschaft dauert im Allgemeinen zwischen 37 und 42 Wochen – der errechnete Termin liegt irgendwo in diesem Zeitraum und ist ein Richtwert, kein Stichtag.
Was passiert, wenn er verstreicht, steht in Errechneter Termin überschritten.
Wenn Fruchtwasser abgeht
Ein Blasensprung ist der eine Fall, in dem die Faustregel mit den Wehenabständen nicht gilt: Dann machst du dich zügig, aber ruhig auf den Weg, auch wenn du noch gar keine Wehen hast. Fruchtwasser ist klar und flüssig und riecht neutral bis leicht süßlich. Anders als Urin lässt es sich nicht durch Anspannen des Beckenbodens zurückhalten. Die Einzelheiten stehen in Blasensprung: was tun?
Wie lange es dann dauert
Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt: bei einem ersten Kind zwischen 8 und 14 Stunden, bei Frauen, die schon geboren haben, oft schon nach sechs Stunden vorbei. Für die gesamte Geburt nennt das Bundesinstitut beim ersten Kind meist 8 bis 18 Stunden, ab dem zweiten 5 bis 12 Stunden.
Diese Zahlen sind kein Zeitplan, sondern eine Orientierung gegen die Vorstellung, dass etwas schiefläuft, wenn es dauert. Es ist normal, dass die Wehentätigkeit zwischendurch abnimmt – etwa nach einem Blasensprung. Solche Pausen darfst du zum Ausruhen nutzen.
Wenn du unsicher bist
Der Kreißsaal ist rund um die Uhr besetzt, und genau für diese Frage ist die Nummer da. Außerhalb der Sprechzeiten deiner Praxis hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Die Warnzeichen dieser Wochen auf einer Seite zum Ausdrucken: Warnzeichen in der Schwangerschaft. Wenn du deine Tasche noch nicht gepackt hast, hilft Kliniktasche packen – zum Abhaken gibt es sie als Checkliste. Was in den letzten Wochen sonst noch zu organisieren ist, steht in Vor der Geburt organisieren.
Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wie verläuft eine Geburt? Stand 13.06.2024, abgerufen am 29.08.2026. familienplanung.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft. Abgerufen am 29.08.2026. familienplanung.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Beschwerden in der Schwangerschaft – Blutungen. Abgerufen am 29.08.2026. familienplanung.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 29.08.2026. 116117.de