Geburt

Wehen erkennen: echte Wehen oder Übungswehen?

Die ehrliche Antwort vorweg: Wann eine Geburt genau beginnt, lässt sich oft gar nicht sagen. Vorwehen gehen häufig fließend in die ersten Geburtswehen über. Was du trotzdem tun kannst, ist die Unterschiede kennen – und vorher klären, ab wann deine Klinik dich sehen will.

Von Danny · Geprüft am 20.08.2026 · Quellen: Bundesbehörden und Fachgesellschaften · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 20.08.2026
Schematische Darstellung: eine Uhr mit markierten Abständen
Illustration: Mamalotse

Wann du nicht abwartest

Unabhängig davon, wie sich die Wehen anfühlen:

  • Fruchtwasser geht ab – schwallartig oder tröpfchenweise. Das gehört immer abgeklärt.
  • Eine Blutung tritt auf.
  • Regelmäßige Wehen vor dem Ende der 37. Woche oder mehr als zehn Wehen an einem Tag.
  • Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schmerzen im Oberbauch – auch unter der Geburt gilt diese Regel weiter.

Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: die drei Fragen am Telefon

  1. Seit wann? Uhrzeit der ersten spürbaren Wehe.
  2. Wie oft und wie lang? Abstand von Beginn zu Beginn, Dauer der einzelnen Wehe.
  3. Was noch? Fruchtwasser, Blutung, Schleimpfropf, Kindsbewegungen wie sonst?

Übungswehen erkennen

Übungswehen treten unregelmäßig auf, vor allem in den letzten Wochen. Der Bauch wird rund und hart, oft begleitet von einem leichten, ziehenden Schmerz im Unterbauch. Häufig melden sie sich abends für zwei bis drei Stunden und verschwinden dann wieder.

Merkmale, die dafür sprechen: kein erkennbares Muster, keine Zunahme, kein Fortschritt über Stunden hinweg.

Geburtswehen

Die erste Phase der Geburt heißt Eröffnungsphase, weil sich in dieser Zeit der Muttermund nach und nach auf bis zu zehn Zentimeter öffnet. So bekommt das Baby genug Platz, um tiefer ins Becken zu rutschen. Vorwehen gehen dabei oft fließend in die ersten Geburtswehen über – einen klaren Startschuss gibt es meistens nicht.

Was das praktisch bedeutet: Du wirst den Übergang wahrscheinlich nicht in dem Moment bemerken, in dem er passiert. Rückblickend ist er meist deutlich – im Verlauf selten.

Warum wir hier keine Faustregel nennen

Im Netz kursieren Regeln der Form „alle X Minuten, Y Minuten lang, über Z Stunden". Für eine allgemeingültige Fassung dieser Regel haben wir keine belastbare deutsche Quelle gefunden, und erfinden wollen wir sie nicht.

Was stattdessen wirklich hilft: Frag beim nächsten Vorsorgetermin, ab wann deine Geburtsklinik oder deine Hebamme dich sehen möchte. Die Antwort hängt davon ab, wie weit du fahren musst, ob es dein erstes Kind ist und wie deine Schwangerschaft verlaufen ist. Notier sie dir und häng sie an den Kühlschrank.

Was du vorher klären solltest

  • Ab wann soll ich anrufen, ab wann kommen?
  • Welche Nummer gilt nachts?
  • Was tue ich bei einem Blasensprung ohne Wehen?
  • Wie lange brauche ich zur Klinik – zu einer Uhrzeit, zu der ich nicht selbst fahre?

Wenn du ein Geburtshaus oder eine Hausgeburt planst, informierst du deine Hebamme telefonisch. Ein Anruf in der Klinik ist dann in der Regel nicht nötig.

Der Blasensprung als Sonderfall

Welche Vorzeichen der Geburt vorausgehen und wann du losfährst, steht in Anzeichen der Geburt.

Ein Fruchtwasserabgang ist ein Anzeichen dafür, dass es losgeht – aber kein Grund für Panik. Nach einem Blasensprung solltest du dich zügig, aber ruhig auf den Weg in die Geburtsklinik machen. Ausführlich steht das in Blasensprung: was tun?

Vor der 37. Woche ist die Frage eine andere

Dann geht es nicht um den Geburtsbeginn, sondern darum, eine Frühgeburt zu verhindern. Die konkreten Grenzwerte dafür stehen in Bauch wird hart in der Schwangerschaft.

Vor der 37. Woche gelten andere Maßstäbe, und dort gibt es konkrete Zahlen: Vorzeitige Wehen.

Welche Möglichkeiten es gibt, mit dem Wehenschmerz umzugehen, steht in Schmerzen unter der Geburt lindern.

Wenn du unsicher bist

Ruf im Kreißsaal an. Das ist genau der Zweck dieser Telefonnummer, auch um drei Uhr nachts und auch, wenn sich am Ende herausstellt, dass es noch nicht losgeht. Außerhalb der Sprechzeiten deiner Praxis hilft sonst der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Was in den letzten Wochen sonst noch ansteht, findest du unter Geburt. Wenn dein Baby noch nicht in Schädellage liegt: Baby liegt falsch herum.

Wie es nach den ersten Wehen weitergeht, steht in Ablauf der Geburt: die Phasen.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de, Lexikon: Übungswehen. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wie verläuft eine Geburt? Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  4. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Hoher Blutdruck – hypertensive Schwangerschaftserkrankungen. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 20.08.2026. 116117.de