Geburt

Schmerzen unter der Geburt lindern

Nur eine nicht-medikamentöse Methode ist gut untersucht – und die kennen die wenigsten. Bei den Medikamenten gilt die PDA als wirksamstes und sicherstes Verfahren.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Behörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Ruhige, abfallende Wellenlinien als abstrakte Darstellung
Illustration: Mamalotse

Wann du in die Klinik fährst

Nicht auf den Plan warten, sondern anrufen oder losfahren bei:

  • Fruchtwasserabgang, im Schwall oder tröpfchenweise;
  • Blutungen;
  • regelmäßigen, schmerzhaften Wehen nach der Faustregel deiner Klinik;
  • deutlich weniger Kindsbewegungen als sonst;
  • Fieber oder starken, anhaltenden Schmerzen.

Im Kreißsaal darfst du rund um die Uhr anrufen. Bei Kreislaufproblemen oder Ohnmacht sofort 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Das Wannenbad ist die einzige nicht-medikamentöse Methode, deren Wirkung gut untersucht ist.
  2. Die PDA gilt als wirksamstes und sicherstes Verfahren und wird meist empfohlen.
  3. Was verfügbar ist, hängt vom Geburtsort ab – frag das beim Anmeldegespräch.

Ohne Medikamente

Bewegung und Position. Häufiges Wechseln der Haltung hilft vielen: gehen, hocken, stehen, auf einem Gymnastikball sitzen. Wie stark es wirkt, ist individuell.

Wannenbad und Wassergeburt. Das ist die einzige Methode, deren schmerzlindernde Wirkung gut untersucht ist. Gebärende, die baden, brauchen seltener eine PDA. Ob eine Wanne zur Verfügung steht, unterscheidet sich je nach Geburtsort – siehe Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt.

Atmung. Langsame Bauchatmung, bei der das Ausatmen etwa dreimal so lange dauert wie das Einatmen. Beim aktiven Pressen wird vorher tief eingeatmet. Das lernst du im Geburtsvorbereitungskurs.

Berührung und Massage. Sanfte Berührungen, eine warme Hand, Massage durch die Begleitperson.

TENS, Akupunktur, Akupressur. TENS – leichte elektrische Nervenstimulation – wirkt möglicherweise. Bei Akupunktur und Akupressur ist die Wirkung nicht eindeutig belegt, beide gelten aber als unbedenklich.

Weiteres. Hypnobirthing, Yoga- und Entspannungsübungen, Aromatherapie, warme oder kalte Auflagen: meist ohne eindeutige Wirksamkeitsnachweise, aber für viele hilfreich. Homöopathie ist laut Quelle nicht wirksam und wird nicht empfohlen.

Mit Medikamenten

PDA (Periduralanästhesie). Wirkt gezielt auf die Nerven im Unterleib, ohne das Bewusstsein zu beeinflussen. Sie gilt als das wirksamste und sicherste Verfahren und wird meist empfohlen. Sie schränkt die Beweglichkeit ein und bringt mehr Überwachung mit sich.

Opioide. Stärker als klassische Schmerzmittel, schwächer als die PDA. Möglich sind Benommenheit, Verwirrtheit oder Übelkeit; Atmung von Mutter und Kind können beeinträchtigt werden. Bei Bedarf gibt es ein Gegenmittel.

Opioid-Pumpe (Remifentanil-PCA). Von der Gebärenden selbst gesteuert, wirkt schnell und wird schnell abgebaut. Eine Alternative, wenn eine PDA nicht möglich ist – aber nicht überall verfügbar.

Lachgas. Wirkt beruhigend und angstlösend, die Gebärende steuert es selbst. Die schmerzlindernde Wirkung ist gering; möglich sind Übelkeit, Erbrechen, selten Schwindel. Kurzfristige Anwendung gilt als unbedenklich, Langzeitfolgen sind nicht gut untersucht.

Krampflösende Mittel. Sollen bei schmerzhaften Anfangswehen die Öffnung des Muttermunds unterstützen. Die schmerzlindernde Wirkung ist gering, Nebenwirkungen sind selten.

Pudendusblock. Betäubt örtlich den Dammbereich. Er wirkt nur in der Austreibungsphase, nicht gegen Wehenschmerzen, und ist auch bei einer Saugglocken- oder Zangengeburt eine Option.

Mengen und Präparatnamen stehen hier bewusst nicht – das entscheidet das Team im Kreißsaal anhand deines Verlaufs.

Wie du dich vorbereitest

Besprich früh mit deiner Hebamme und der Klinik, welche Vorstellungen du vom Schmerz hast und welche Verfahren an deinem Geburtsort überhaupt zur Verfügung stehen. Das ist der Punkt, an dem sich die Theorie entscheidet: In einem Geburtshaus gibt es keine PDA und kein Lachgas.

Deine Entscheidung darf flexibel bleiben. Eine Frau, die sich gegen eine PDA entschieden hat und sie dann doch möchte, ist keine, die umgefallen ist.

Was der Schmerz bedeutet

Wehenschmerz ist kein Warnzeichen, sondern Arbeit – anders als fast jeder andere Schmerz, den du kennst. Trotzdem musst du ihn nicht aushalten, um etwas zu beweisen. Was eine Wehe von einer anderen unterscheidet, steht in Wehen erkennen; wie es nach der Geburt weitergeht, in Nachwehen und Dammriss und Dammschnitt.

Wenn du unsicher bist

Stell die Frage beim Geburtsanmeldegespräch in der Klinik: Welche Verfahren habt ihr, und wie schnell sind sie verfügbar? Die Antwort ist konkreter als jede allgemeine Liste – auch diese hier.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Rund um die Geburt – Schmerzlinderung. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Periduralanästhesie (PDA) und andere Medikamente gegen Schmerzen bei der Geburt. Abgerufen am 15.10.2026. gesundheitsinformation.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de