Geburt

Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt?

Die Entscheidung hängt an drei Dingen: deinem Befund, der Betreuungsform, die du dir wünschst, und der Frage, was es bei dir vor Ort überhaupt gibt.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Behörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Schematische Darstellung: ein kleines Haus und ein größeres Gebäude nebeneinander
Illustration: Mamalotse

Wann eine außerklinische Geburt nicht infrage kommt

Besprich das früh in deiner Praxis, wenn:

  • medizinische Risiken bestehen – genannt werden unter anderem Diabetes und Adipositas;
  • ein verhältnismäßig großes Kind erwartet wird oder andere Befunde abzuklären sind;
  • vorzeitige Wehen, Blutungen oder eine auffällige Kindslage aufgetreten sind.

Manche dieser Punkte sprechen grundsätzlich dagegen, andere müssen nur abgeklärt werden. Diese Einschätzung trifft deine Praxis oder deine Hebamme, nicht ein Text. Bei Blutung, Fruchtwasserabgang oder starken Schmerzen sofort anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Nur in der Klinik gibt es PDA und Lachgas. Geburtshaus und Hausgeburt haben das nicht.
  2. Bei Hausgeburten wird verlegt: etwa 3 von 10 Erstgebärenden, etwa 1 von 10 bei weiteren Geburten.
  3. Die Rufbereitschaftspauschale zahlst du teilweise selbst – Hebammen verlangen 300 bis 1.000 Euro.

Die Orte im Überblick

Geburtsklinik. Betreuung rund um die Uhr durch wechselnde Hebammen im Schichtsystem. Alle Verfahren zur Schmerzlinderung sind verfügbar, auch die PDA. Nach der Geburt kannst du einige Tage bleiben.

Mit Beleghebamme in der Klinik. Eine selbst gewählte Hebamme begleitet dich in der Klinik, meist in Eins-zu-eins-Betreuung, und betreut danach oft auch das Wochenbett zu Hause. Voraussetzung ist ein Vertrag zwischen Hebamme und Klinik.

Hebammenkreißsaal. Die Hebamme leitet die Geburt, ärztliches Personal kommt bei Bedarf dazu. Möglich bei fehlenden Risiken. Diese Kreißsäle sind selten – 2020 gab es in Deutschland 23.

Geburtshaus. Wohnlichere Umgebung, eine Hebamme pro Frau, CTG und Notfallausrüstung vorhanden, aber keine PDA und kein Lachgas. Die Geburt ist ambulant: Ihr geht nach einigen Stunden nach Hause.

Hausgeburt. Eine vertraute Hebamme betreut dich in der eigenen Wohnung, mit Ultraschall-Dopton und Notfallmedikamenten. Ebenfalls ohne PDA und Lachgas.

Perinatalzentren

Diese Kliniken unterscheiden sich von normalen Geburtskliniken durch die Versorgung von Früh- und Neugeborenen und sind in vier Stufen eingeteilt. Level 4 betreut ab der 37. Schwangerschaftswoche, Level 1 auch sehr kleine Frühgeborene. Wenn in deinem Mutterpass Risiken stehen, kann das die Klinikwahl beeinflussen.

Wie oft verlegt wird

Bei Hausgeburten wird etwa 3 von 10 Erstgebärenden und etwa 1 von 10 Frauen bei weiteren Geburten in die Klinik verlegt. Häufige Gründe sind ein verzögerter Verlauf oder Stillstand, auffällige Herztöne, der Wunsch nach einer PDA, ein vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen, grünes Fruchtwasser oder eine abweichende Kindslage.

Die Zahl, die dabei oft untergeht: Nur 6 von 100 Verlegungen erfolgen per Rettungswagen. Eine Verlegung ist meist kein Notfall, sondern eine Entscheidung mit Vorlauf.

Wer was zahlt

Die Routinebetreuung bei der Geburt übernehmen gesetzliche und private Kassen unabhängig vom Geburtsort, ebenso die Behandlung davor und danach. In der Klinik sind Wahlleistungen wie ein Familienzimmer kostenpflichtig. Außerklinisch rechnet die Hebamme direkt mit der Kasse ab.

Der Punkt, der im Budget überrascht: Für die Rufbereitschaft verlangen Hebammen – bei Beleghebamme, Geburtshaus und Hausgeburt – zwischen 300 und 1.000 Euro. Gesetzliche Kassen zahlen davon meist 250 bis 300 Euro. Den Rest tragt ihr selbst. Privat Versicherte fragen bei ihrer Versicherung nach.

Wann du dich entscheiden musst

Klinik: Das Anmeldegespräch findet meist einige Wochen vor dem errechneten Termin statt. Es bindet dich nicht – du kannst dich später anders entscheiden, solltest es aber mitteilen.

Geburtshaus: früh anmelden, es gibt Wartelisten. Vorsorge und Kurse sind dort oft möglich.

Hausgeburt: früh Hebammen kontaktieren, das Angebot ist dünn. Zusätzlich meldest du dich in einer Klinik an, für den Fall einer Verlegung.

Die Rufbereitschaft der Hebamme gilt ab der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Wie die Hebammensuche grundsätzlich läuft, steht in Hebamme finden.

Was du vorher fragen kannst

  • Wie ist das Betreuungsverhältnis – wie viele Frauen betreut eine Hebamme gleichzeitig?
  • Welche Verfahren zur Schmerzlinderung sind verfügbar, und wie schnell?
  • Gibt es eine Wanne, und wird sie auch genutzt?
  • Wie hoch sind Kaiserschnitt- und Dammschnittraten?
  • Was passiert bei einer Verlegung – in welche Klinik, und wie lange dauert der Weg?

Was sonst zur Vorbereitung gehört, steht in Geburtsvorbereitungskurs und Vor der Geburt organisieren.

Wenn du unsicher bist

Du darfst dir mehrere Orte ansehen, bevor du dich festlegst – Kliniken bieten Informationsabende an, Geburtshäuser Kennenlerntermine. Deine Hebamme kennt die Häuser in der Umgebung und sagt dir, was wo realistisch ist.

Wie eine ambulante Geburt abläuft, steht in Ambulante Geburt.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt. Stand: 26.01.2024. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
  2. GKV-Spitzenverband: Vertrag über die Versorgung mit Hebammenhilfe nach § 134a SGB V. Abgerufen am 15.10.2026. gkv-spitzenverband.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de