Geburt
Errechneter Termin überschritten: was jetzt?
Der Termin ist vorbei, das Telefon klingelt täglich, und niemand fragt mehr nach dir, sondern nur noch nach dem Kind. Die beruhigendste Zahl vorweg: Ist der Termin um eine Woche überschritten, beginnt die Geburt mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten sieben Tage.
Wann du auch jetzt nicht wartest
Unabhängig davon, wie weit der Termin überschritten ist:
- Fruchtwasser geht ab – schwallartig oder tröpfchenweise.
- Eine Blutung tritt auf.
- Dein Baby bewegt sich anders als sonst – deutlich weniger oder auffällig anders. Das gehört immer abgeklärt.
- Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schmerzen im Oberbauch.
Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: was jetzt sinnvoll ist
- Vorsorgetermine wahrnehmen. Ab jetzt wird engmaschiger kontrolliert – das ist der eigentliche Schutz.
- Nachfragen stoppen. Eine Nachricht an alle, dass du dich meldest, wenn es losgeht, erspart dir zwanzig Anrufe.
- Nichts auf eigene Faust einnehmen. Keine Mittel und keine Hausmittel zur Einleitung ohne Rücksprache mit Hebamme oder Praxis.
Wie normal das ist
Nicht jede Schwangerschaft dauert gleich lang, und nur wenige Kinder werden genau am errechneten Termin geboren. Rund 90 Prozent kommen in den zwei Wochen vor und nach dem Termin zur Welt.
Der im Mutterpass notierte Termin ist eine statistische Berechnung. Er erfasst die Dauer deiner Schwangerschaft annähernd, aber nicht auf den Tag genau – mehr dazu in Mutterpass erklärt.
Die Zahlen, die wirklich helfen
Ist der errechnete Termin bereits um eine Woche überschritten, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Geburt innerhalb der nächsten drei Tage beginnt, bei 60 Prozent. Für den Beginn innerhalb der nächsten sieben Tage liegt sie bei 90 Prozent.
Anders gesagt: Die allermeisten Frauen, die diesen Artikel lesen, haben ihr Kind in einer Woche im Arm.
Terminüberschreitung und Übertragung
Die Begriffe werden oft durcheinandergebracht:
- Rechnerische Übertragung: Der Termin ist um mehr als sieben bis zehn Tage überschritten.
- Echte Übertragung: Überschreitung um mehr als 14 Tage, also eine Schwangerschaftsdauer von 42 Wochen.
- Relative Übertragung: Die Funktionsfähigkeit des Mutterkuchens ist schon vor dem errechneten Ende eingeschränkt. In diesem Fall muss die Geburt eingeleitet werden, weil die Sauerstoffversorgung des Kindes gefährdet ist.
Vorausgesetzt, die Schwangerschaft verläuft normal, hilft den meisten Frauen eine geburtshilfliche Betreuung, die abwarten kann – und die Zuversicht, dass die Geburt sehr wahrscheinlich vor dem Ende der 41. Schwangerschaftswoche von selbst beginnt.
Was jetzt kontrolliert wird
Wird der Termin überschritten, werden Mutter und Kind durch engmaschigere Vorsorgeuntersuchungen überwacht. Genau das ist der Grund, warum eine Terminüberschreitung heute weniger dramatisch ist als früher: Es wird nicht abgewartet und gehofft, sondern regelmäßig geschaut.
Wie die Studienlage zur Einleitung aussieht
Hier lohnt sich Genauigkeit, weil im Netz viel Halbwissen kursiert. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit formuliert es so: Die aktuelle Studienlage lässt keine allgemeingültigen Aussagen darüber zu, ob und wann die Geburt eingeleitet werden sollte, wenn der errechnete Termin überschritten ist. Viele Fachleute empfehlen in der Regel eine Einleitung ab einer Überschreitung um zwei Wochen.
Zum Risiko: Manche Studien finden nach Überschreiten des Termins prozentual etwas häufiger Totgeburten. Dass die Terminüberschreitung die Ursache dafür ist, konnte bislang nicht nachgewiesen werden, und andere Studien finden diesen Zusammenhang nicht. In der 42. Schwangerschaftswoche sind Totgeburten weiterhin äußerst selten – in weniger als einem von 1000 Fällen. Auch ob eine Einleitung mögliche Risiken für das Kind wirklich senkt, ist umstritten.
Warum wir das so ausführlich schreiben: Du wirst in dieser Zeit vermutlich vor der Entscheidung stehen, ob eingeleitet wird. Dafür ist es hilfreich zu wissen, dass es keine eindeutige Zahl gibt, die dir die Entscheidung abnimmt – und dass Ärztinnen und Hebammen darüber unterschiedlich denken dürfen, ohne dass eine Seite unseriös wäre.
Was in deiner Situation wofür spricht, besprichst du in der Praxis oder Klinik. Zu Methoden der Einleitung sagen wir hier bewusst nichts – weder zu Medikamenten noch zu Hausmitteln.
Was gegen das Warten hilft
- Termine machen. Nichts vergeht langsamer als ein leerer Kalender mit Blick aufs Telefon.
- Den Geburtstermin nicht weitersagen – falls du das nächste Mal daran denkst.
- Schlaf sammeln, so gut es geht.
- Die letzten Dinge erledigen, die du sonst in der ersten Woche mit Baby erledigen müsstest.
Wenn du unsicher bist
Deine Hebamme und deine Frauenarztpraxis begleiten diese Wochen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, bei den Warnzeichen oben der Kreißsaal.
Woran du erkennst, dass es losgeht, steht in Wehen erkennen und Blasensprung: was tun?
Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wenn das Baby auf sich warten lässt. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wann wird die Geburt eingeleitet? Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de, Lexikon: Übertragung. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wenn das Baby auf sich warten lässt – wann die Geburt einleiten? Abgerufen am 20.08.2026. gesundheitsinformation.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 20.08.2026. 116117.de