Schwangerschaft

Ersttrimester-Screening: was es aussagt

Dieser Test liefert keine Diagnose, sondern eine Wahrscheinlichkeit. Das klingt nach einer Feinheit, ist aber der Kern der Sache – und der Grund, warum die Entscheidung vor dem Test wichtiger ist als danach.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Behörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Schematische Darstellung: ein Ultraschallkegel mit Wellenlinien
Illustration: Mamalotse

Wo du Beratung bekommst

Du musst das nicht allein entscheiden:

  • Vor dem Test muss deine Praxis dich aufklären – über Aussagekraft, Nutzen und Risiken. Das ist dein Recht, nicht eine Gefälligkeit.
  • Schwangerschaftsberatungsstellen beraten kostenfrei und unabhängig, auch kurzfristig und auf Wunsch anonym.
  • Alle Folgeuntersuchungen sind freiwillig und brauchen deine schriftliche Zustimmung.
  • Bei einem auffälligen Ergebnis hast du Zeit. Du musst im selben Termin nichts entscheiden.

Wenn dich die Wartezeit auf ein Ergebnis sehr belastet, sag das deiner Hebamme oder deiner Praxis. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Zeitraum: 11. bis 14. Schwangerschaftswoche, gezählt ab dem ersten Tag der letzten Periode.
  2. Das Ergebnis ist eine Wahrscheinlichkeit, keine Diagnose.
  3. Die Kasse zahlt nicht – es ist eine individuelle Gesundheitsleistung, 120 bis 250 Euro.

Was gemacht wird

Das Ersttrimester-Screening kombiniert zwei Dinge: eine Blutuntersuchung, bei der die Werte hCG und PAPP-A gemessen werden, und eine Ultraschalluntersuchung der Nackenfalte des Kindes.

Diese Ergebnisse werden mit deinem Alter und der Dauer der Schwangerschaft verrechnet. Daraus entsteht eine Wahrscheinlichkeit für Chromosomenabweichungen, vor allem Trisomie 21, 18 und 13. Viele Praxen schätzen zusätzlich das Risiko für eine Präeklampsie ein.

Was das Ergebnis bedeutet

Ein Wert wie „1 zu 1.000“ heißt: Von 1.000 Frauen mit genau diesem Ergebnis hätte ein Kind eine Trisomie. Er sagt nichts darüber, ob dein Kind dazugehört. Manche Praxen arbeiten zusätzlich mit einem Ampelsystem – grün für sehr geringe, rot für erhöhte Wahrscheinlichkeit.

Das ist der schwierigste Teil des Tests: Wahrscheinlichkeiten sind schwer einzuordnen, gerade wenn es um das eigene Kind geht.

Wie zuverlässig er ist

Etwa 85 von hundert Fällen einer Trisomie 21 werden erkannt – etwa 15 von hundert also nicht. Bei 3 bis 5 von hundert Frauen fällt das Ergebnis auffällig aus, obwohl das Kind gesund ist. Eine früh beginnende Präeklampsie wird in etwa 96 von hundert Fällen erkannt, eine spät beginnende in etwa 57.

Der Ultraschall kann außerdem Fehlbildungen zeigen; erfahrene Untersucherinnen erkennen diese zuverlässig.

Was er kostet

Das Ersttrimester-Screening ist eine individuelle Gesundheitsleistung und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen. Je nach Praxis kostet es 120 bis 250 Euro. Privat Versicherte fragen bei ihrer Versicherung nach.

Welche Untersuchungen die Kasse dagegen trägt, steht in Mutterpass erklärt.

Wenn das Ergebnis auffällig ist

Dann folgen weitere Untersuchungen, etwa ein erneuter Ultraschall. Bei deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit kann eine Punktion von Mutterkuchen oder Fruchtwasser angeboten werden. Diese Untersuchungen geben ein sicheres Ergebnis, bergen aber Risiken für Mutter und Kind.

Alle Folgeuntersuchungen sind freiwillig. Du entscheidest nach einem Aufklärungsgespräch und bestätigst schriftlich – oder du entscheidest dich dagegen.

Die Fragen, die vorher zählen

Die Behördenquelle schlägt drei Fragen vor, die vor dem Test hilfreicher sind als danach:

  • Will ich wissen, ob mein Kind eine Besonderheit hat?
  • Bin ich bereit, ein Ergebnis zu bekommen, das falsch sein kann?
  • Würden wir bei einem auffälligen Ergebnis weiter untersuchen lassen – und wie stellen wir uns ein Leben mit einem Kind mit Behinderung vor?

Es gibt darauf keine richtige Antwort. Wir geben hier keine Empfehlung ab, weder für noch gegen den Test – das ist eine persönliche Entscheidung, und sie ist in jede Richtung in Ordnung.

Was dafür und was dagegen spricht

Dafür: Der Test zeigt die Wahrscheinlichkeit bestimmter Chromosomenabweichungen und schwerer Fehlbildungen, er kann die Überwachung einer Präeklampsie verbessern, und ein unauffälliges Ergebnis beruhigt viele Frauen sehr.

Dagegen: Wahrscheinlichkeiten sind schwer zu deuten, auffällige oder unklare Ergebnisse führen oft zu weiteren Untersuchungen, und 3 bis 5 von hundert Frauen machen sich unnötig Sorgen.

Wenn du unsicher bist

Eine Schwangerschaftsberatungsstelle ist dafür da, kostenfrei und ergebnisoffen – auch wenn du dich noch gar nicht entschieden hast, ob du den Test willst. Deine Hebamme kann ebenfalls einordnen, worum es geht.

Wie der Bluttest auf Trisomien funktioniert und wann die Kasse ihn zahlt, steht in NIPT: der Bluttest auf Trisomien.

Wie eine Fruchtwasseruntersuchung abläuft, steht in Fruchtwasseruntersuchung; die drei regulären Ultraschalle erklärt Ultraschall in der Schwangerschaft.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Ersttrimester-Screening – Was spricht dafür, was dagegen? Stand: 13.10.2023, geprüft 18.08.2026. Abgerufen am 15.10.2026. familienplanung.de
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss: Versicherteninformation zum Bluttest auf Trisomien (nicht invasiver Pränataltest, NIPT). Abgerufen am 15.10.2026. g-ba.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de