Schwangerschaft

Rhesus-negativ in der Schwangerschaft

Im Mutterpass steht deine Blutgruppe – und dahinter ein Plus oder ein Minus. Bist du Rhesus-negativ, kann das für eine spätere Schwangerschaft eine Rolle spielen. Mit einer Spritze lässt sich das gut verhindern. Ob du sie brauchst, kann heute ein Bluttest klären.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesausschuss · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: zwei Bluttropfen nebeneinander, einer mit Plus-, einer mit Minuszeichen
Illustration: Mamalotse

Wann du deine Praxis informierst

Bist du Rhesus-negativ, meldest du dich zeitnah, wenn:

  • du eine Blutung hast;
  • du einen Sturz oder Schlag auf den Bauch hattest;
  • ein Eingriff wie eine Fruchtwasseruntersuchung geplant ist;
  • du eine Fehlgeburt hattest oder eine Schwangerschaft endet.

Dann wird geprüft, ob eine Anti-D-Spritze nötig ist. Bei starker Blutung sofort in die Klinik oder 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Etwa 15 von 100 Menschen in Europa sind Rhesus-negativ.
  2. Die Anti-D-Spritze verhindert, dass dein Körper Abwehrstoffe bildet, die einem späteren Kind schaden könnten.
  3. Ein Bluttest ab der 12. Woche zeigt, ob dein Kind Rhesus-positiv ist – nur dann ist die Spritze nötig.

Was der Rhesusfaktor ist

Der Rhesusfaktor ist ein Merkmal auf den roten Blutkörperchen, ein bestimmter Eiweißstoff. Wer ihn hat, ist Rhesus-positiv, wer ihn nicht hat, Rhesus-negativ. In Europa sind etwa 15 von 100 Menschen Rhesus-negativ. Deine Blutgruppe wird zu Beginn der Schwangerschaft bestimmt und im Mutterpass eingetragen.

Warum das wichtig sein kann

Bist du Rhesus-negativ und dein Kind Rhesus-positiv, kann etwas Blut des Kindes in deinen Kreislauf gelangen – vor allem bei der Geburt, aber auch bei kleinen Verletzungen oder Eingriffen wie einer Fruchtwasseruntersuchung. Dein Körper kann dann Abwehrstoffe bilden, sogenannte Anti-D-Antikörper.

In der ersten Schwangerschaft schaden diese Abwehrstoffe dem Kind meist nicht. Erwartest du aber später wieder ein Rhesus-positives Kind, können sie dessen Entwicklung beeinträchtigen. Genau das soll verhindert werden.

Die Anti-D-Spritze

Rhesus-negative Schwangere ohne Abwehrstoffe bekommen eine Spritze mit Anti-D-Immunglobulin. Laut Mutterschafts-Richtlinien geschieht das zwischen der 28. und dem Ende der 30. Schwangerschaftswoche. Ist das Kind nach der Geburt Rhesus-positiv, folgt innerhalb von 72 Stunden eine zweite Spritze.

Das Mittel wird aus Spenderblut gewonnen. Das Risiko, sich darüber mit einem Erreger anzustecken, ist sehr gering, aber nicht völlig ausgeschlossen. Deshalb ist es gut, die Spritze nur zu geben, wenn sie wirklich nötig ist.

Der Bluttest auf den Rhesusfaktor des Kindes

Etwa 30 bis 40 von 100 Rhesus-negativen Schwangeren erwarten selbst ein Rhesus-negatives Kind. Für sie ist die Spritze in der Schwangerschaft unnötig. Ein Bluttest kann das klären: Aus einer Blutprobe von dir wird bestimmt, ob dein Kind Rhesus-positiv oder -negativ ist. Der Test ist frühestens ab der 12. Schwangerschaftswoche möglich und gehört für gesetzlich Versicherte zur Vorsorge.

  • Ist dein Kind Rhesus-positiv, bekommst du die Spritze wie oben beschrieben.
  • Ist es Rhesus-negativ, wird die Spritze in der Schwangerschaft nicht gegeben.

Nach heutigem Wissen bestimmt der Test den Rhesusfaktor zuverlässig. Trotzdem wird der Rhesusfaktor deines Babys nach der Geburt noch einmal geprüft, damit ein seltenes falsches Ergebnis nicht übersehen wird. Bei Zwillingen und Mehrlingen wird der Test nicht empfohlen, weil er dort noch nicht zuverlässig genug ist.

Vor dem Test klärt dich deine Ärztin auf, du willigst schriftlich ein, und das Ergebnis wird im Mutterpass eingetragen.

Wenn etwas dazwischenkommt

Blutungen, ein Schlag auf den Bauch, Eingriffe wie eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Fehlgeburt können dazu führen, dass sich Blut vermischt. Sag deiner Praxis deshalb in solchen Situationen, dass du Rhesus-negativ bist. Welche anderen Werte im Mutterpass stehen, erklärt Der Mutterpass.

Weiterlesen

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Bestimmung des Rhesusfaktors für Frauen in der Schwangerschaft. Versicherteninformation, Stand August 2020. Abgerufen am 16.10.2026. g-ba.de
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss: Pressemitteilung Nr. 42/2020 zum nicht-invasiven Test auf den fetalen Rhesusfaktor, 20.08.2020. Abgerufen am 16.10.2026. g-ba.de
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien, Fassung vom 21.09.2023, in Kraft seit 19.12.2023. Abgerufen am 16.10.2026. g-ba.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de