Schwangerschaft

Alkohol in der Schwangerschaft

Die offizielle Empfehlung ist eindeutig: kein Alkohol, in der gesamten Schwangerschaft. Nicht weil eine bestimmte Menge nachweislich schadet, sondern weil sich keine unbedenkliche Menge benennen lässt. Wenn du getrunken hast, bevor du es wusstest, findest du weiter unten, was dazu bekannt ist.

Von Danny · Geprüft am 29.08.2026 · Quellen: Bundesbehörden und Fachgesellschaften · Orientierung, kein medizinischer Rat

Abstrakte Illustration: ruhige Schildform in weichen Linien
Illustration: Mamalotse

Wo du Unterstützung bekommst

Wenn dir der Verzicht schwerfällt oder du das Gefühl hast, allein nicht davon wegzukommen, ist das kein Grund für Scham, sondern ein Grund, dir Hilfe zu holen:

  • Telefonberatung zur Suchtvorbeugung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: 0221 892031, Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.
  • Deine Hebamme oder deine Frauenarztpraxis – beide kennen das Thema und beraten ohne Vorwurf.
  • Suchtberatungsstellen vor Ort beraten kostenlos und auf Wunsch anonym.

Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check

  1. Ab dem Zeitpunkt, an dem du es weißt, gilt: kein Alkohol. Das ist die Empfehlung für die gesamte Schwangerschaft.
  2. Was vorher war, lässt sich nicht ändern. Sprich es beim nächsten Termin an, statt es mit dir auszumachen.
  3. Auch in der Stillzeit wird zum Verzicht geraten.

Warum es keinen Grenzwert gibt

Die Frage, welche Menge noch unschädlich wäre und ab wann es kritisch wird, lässt sich nach heutigem Stand nicht beantworten. Gesichert ist, dass in allen Phasen der Schwangerschaft schon geringe Mengen erhebliche Folgen haben können. Zu bestimmten Zeitpunkten sind die Auswirkungen möglicherweise geringer – aber weder Grenzwerte noch sichere Zeitfenster sind bekannt. Genau deshalb lautet die Empfehlung: ganz verzichten.

Trinkt eine Schwangere Alkohol, hat das Kind innerhalb weniger Minuten dieselbe Alkoholkonzentration im Blut. Alkohol gelangt ungefiltert über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes und kann dort das Nervensystem schädigen, die Organentwicklung stören und das Wachstum beeinträchtigen.

Was FASD bedeutet

Fetale Alkoholspektrum-Störungen, abgekürzt FASD, sind die Folge von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. In Deutschland kommen jährlich rund 10.000 Kinder mit solchen Schädigungen zur Welt; bei etwa 3.000 von ihnen liegt die schwerste Form vor, das Fetale Alkoholsyndrom, bei dem Fehlbildungen von Extremitäten und Gesicht sowie Nierenschäden und Herzfehler hinzukommen können.

Betroffene Kinder zeigen später häufig Verhaltensauffälligkeiten wie Ruhelosigkeit und Reizbarkeit sowie Lern- und Sprachprobleme. Die Schäden sind nicht heilbar – aber vollständig vermeidbar, wenn in der Schwangerschaft konsequent auf Alkohol verzichtet wird.

Diese Zahlen stehen hier nicht, um Angst zu machen, sondern weil FASD in Deutschland wenig bekannt ist und in der Beratung oft unterschätzt wird.

Ich habe getrunken, bevor ich von der Schwangerschaft wusste

Das ist eine der häufigsten Sorgen überhaupt, und sie betrifft fast jede Frau, deren Schwangerschaft nicht geplant war.

In den ersten Wochen nach der Befruchtung wächst der Embryo besonders schnell und reagiert empfindlich auf Schadstoffe. In dieser Phase gilt das sogenannte Alles-oder-nichts-Prinzip: Der Embryo entwickelt sich normal – oder gar nicht. Werden seine Zellen stark geschädigt, kommt es zu einer Fehlgeburt, die meist unbemerkt mit der nächsten Blutung eintritt.

Für dich heißt das: Ein Glas Sekt an Silvester, bevor du es wusstest, ist kein Grund, dich schuldig zu fühlen. Entscheidend ist der Zeitpunkt, ab dem du Bescheid weißt. Sprich es trotzdem beim nächsten Vorsorgetermin an – deine Ärztin ordnet es besser ein als jede Website, und du musst es nicht mit dir allein ausmachen.

Was in der Praxis besprochen wird

Die Mutterschafts-Richtlinien sehen die Beratung zu Alkohol und anderen Risikofaktoren bereits beim ersten Vorsorgetermin vor. Wenn das Thema für dich schwierig ist, ist das also der vorgesehene Ort dafür – nicht ein Sonderfall, den du erklären müsstest.

Alkoholfreie Getränke und der gesellschaftliche Teil

Das Schwierige am Verzicht ist selten der Alkohol selbst, sondern die Situation: das Glas zum Anstoßen, die Nachfrage am Tisch, der Blick, wenn du ablehnst. Es hilft, vorher zu entscheiden, was du sagst, und ein Getränk in der Hand zu haben. Wer weiß, dass es keinen sicheren Grenzwert gibt, lässt das eine Gläschen leichter stehen.

Zu alkoholfreiem Sekt und Bier: Diese Produkte dürfen in Deutschland Restalkohol enthalten. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, achte auf die Angabe „0,0 %".

Und in der Stillzeit?

Auch für die Stillzeit wird zum Verzicht geraten. Wenn du dazu Genaueres wissen möchtest, sprich mit deiner Hebamme oder deiner Stillberatung – sie kennen deine Situation.

Was sonst in der Stillzeit gilt, steht in Ernährung in der Stillzeit. Die frühen Wochen der Schwangerschaft ordnet Erste Anzeichen einer Schwangerschaft ein.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Alkohol und Schwangerschaft. Abgerufen am 29.08.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Für die Gesundheit Ihres Kindes – kein Alkohol in der Schwangerschaft. Pressemitteilung vom 05.09.2025, abgerufen am 29.08.2026. bioeg.de
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Bin ich schwanger? (Alles-oder-nichts-Prinzip). Abgerufen am 29.08.2026. familienplanung.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 29.08.2026. 116117.de