Kleinkind
Windpocken: Verlauf und Ansteckung
Bei gesunden Kindern verlaufen Windpocken in aller Regel ohne Komplikationen. Der Juckreiz ist das Hauptproblem – und die Frage, wen dein Kind jetzt nicht treffen darf.
- Lesezeit 4 Minuten
- Geprüft 15.10.2026
Wann du ärztlich abklären lässt
Ruf in deiner Praxis an, wenn:
- ein Neugeborenes oder ein Säugling betroffen ist;
- eine schwangere Person Kontakt hatte und nicht weiß, ob sie immun ist;
- jemand mit geschwächtem Immunsystem Kontakt hatte;
- dein Kind hohes Fieber über mehrere Tage hat oder sich der Zustand verschlechtert;
- Bläschen stark gerötet, eitrig oder sehr schmerzhaft werden – das spricht für eine zusätzliche Infektion.
Bei Benommenheit, steifem Nacken, Atemnot oder einem Krampfanfall sofort 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Ansteckend ab ein bis zwei Tage vor dem Ausschlag – also bevor du es siehst.
- Kontakt zu Schwangeren und Risikopersonen meiden, das ist der wichtigste Punkt.
- Nicht einfach das gewohnte Fiebermittel geben – bei Windpocken gelten andere Regeln.
Wie es abläuft
Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus. Betroffen sind meist Kinder zwischen zwei und zehn Jahren. Die Inkubationszeit liegt meist bei etwa zwei Wochen, möglich sind ein bis drei Wochen.
Zuerst kommen Kopf- und Muskelschmerzen und Fieber, das meist drei bis fünf Tage dauert und selten über 39 Grad Celsius steigt. Dann erscheint ein stark juckender Ausschlag mit roten Bläschen – zuerst meist im Gesicht und am Rumpf, danach auf Kopfhaut, Armen und Beinen.
Typisch ist das Nebeneinander: Die Bläschen sind in unterschiedlichen Stadien, manche frisch, manche schon verkrustet. Dafür gibt es den Begriff „Sternenhimmel“. Sie trocknen aus, bilden Krusten und heilen meist innerhalb von drei bis fünf Tagen ab.
Die Ansteckung
Übertragen wird das Virus über Tröpfchen beim Atmen, Husten, Niesen und Sprechen sowie über die Flüssigkeit aus den Bläschen. Ansteckend ist man bereits ein bis zwei Tage vor dem Auftreten des Ausschlags.
Das ist der Grund, warum Windpocken sich so zuverlässig durch Kitagruppen ziehen: Wenn man sie erkennt, ist die Ansteckung längst gelaufen.
Kita, Schule und Kontakte
Eine feste Ausschlussfrist nennt die Behördenquelle nicht. Gesundheitsämter können mitteilen, dass das Kind zu Hause bleiben muss, bis es nicht mehr ansteckend ist. Direkten Kontakt zu anderen solltet ihr meiden – besonders zu Schwangeren und zu Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf.
Windpocken sind meldepflichtig; die Praxis informiert das Gesundheitsamt. Wie du die Betreuungstage regelst, steht in Kind krank: Freistellung und Kinderkrankengeld.
Was gegen den Juckreiz hilft
- Fingernägel kurz schneiden, bei Säuglingen und Kleinkindern Baumwollhandschuhe.
- Locker sitzende Kleidung aus glatten Stoffen.
- Duschen statt lange baden, danach die Haut vorsichtig abtupfen statt zu reiben.
Dazu gibt es Lotionen, Gele oder Puder, die den Juckreiz lindern. Welches Mittel für dein Kind passt, sagt dir die Praxis oder die Apotheke – Produktnamen findest du hier nicht.
Der Punkt, der oft falsch gemacht wird
Bei Windpocken ist nicht jedes gängige Fiebermittel geeignet. Ein Mittel, das sonst häufig gegeben wird, wird hier ausdrücklich nicht empfohlen, und ein weiteres kommt bei Kindern ohnehin nur auf ärztliche Anweisung infrage.
Deshalb: Greif nicht automatisch zu dem, was sonst im Schrank steht. Frag in der Praxis, was dein Kind bekommen soll. Mehr zum Umgang mit Fieber steht in Baby hat Fieber.
Wer besonders gefährdet ist
Bei gesunden Kindern sind schwere Verläufe selten. Schwerer verlaufen kann die Erkrankung bei Neugeborenen, bei Erwachsenen und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Aufgekratzte Bläschen können Narben hinterlassen.
Für Schwangere gilt Besonderes: Geimpft werden dürfen sie nicht. Bei einem Ansteckungsrisiko können ihnen Antikörper gegeben werden, ebenso Neugeborenen, wenn sich die Mutter kurz vor oder nach der Geburt infiziert. Wenn du schwanger bist und Kontakt hattest, ruf in deiner Praxis an – auch wenn du dich gut fühlst.
Die Impfung
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Kinder ab elf Monaten sowie unter anderem für Jugendliche und Frauen mit Kinderwunsch, sofern sie noch keine Windpocken hatten. Nötig sind zwei Impfungen; die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten.
Nach Kontakt mit einer infizierten Person kann eine Impfung innerhalb von fünf Tagen eine Infektion noch verhindern oder abmildern. Wenn ein Geschwisterkind erkrankt und ein anderes ungeimpft ist, lohnt der schnelle Anruf. Wie die Impfungen im ersten Jahr zusammenhängen, steht in Impfungen fürs Baby.
Was es nicht ist
Ein Ausschlag, der kommt, wenn das Fieber geht, spricht eher für Drei-Tage-Fieber. Bläschen an Händen, Füßen und im Mund für Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Bei Windpocken ist der Ausschlag stark juckend und über den ganzen Körper verteilt.
Wenn du unsicher bist
Die Diagnose stellt die Praxis meist auf einen Blick. Wichtiger als die Bestätigung ist der zweite Anruf: Überleg, wer in den letzten Tagen Kontakt hatte, und sag es den Betroffenen – besonders Schwangeren.
Eine weitere häufige Kita-Erkrankung mit Ausschlag, die aber von Bakterien ausgelöst und behandelt wird: Scharlach beim Kind.
Warum es sich lohnt, den Windpocken-Schutz schon vor einer Schwangerschaft zu prüfen, erklärt Impfungen in der Schwangerschaft.
Ein weiterer Ausschlag, gegen den geimpft wird: Masern beim Kind.
Bist du schwanger und nicht geschützt, lies Windpocken in der Schwangerschaft.
Woran du Mumps erkennst und wann dein Kind zurück in die Kita darf, steht in Mumps beim Kind.
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Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Windpocken – Ursachen, Behandlung und Vorbeugung. Stand: 02.05.2024. Abgerufen am 15.10.2026. gesund.bund.de
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster). Abgerufen am 15.10.2026. rki.de
- Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Windpocken (Varizellen). Abgerufen am 15.10.2026. rki.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de