Wochenbett

Stuhlinkontinenz nach der Geburt

Über ungewollten Abgang von Winden oder Stuhl nach der Geburt spricht kaum jemand – dabei ist er gerade in den ersten Wochen nicht selten. Du musst damit nicht allein bleiben. Deine Hebamme fragt ohnehin danach, und es gibt Hilfe.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesbehörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: ein Beckenring mit markierter vorderer Verbindung
Illustration: Mamalotse

Wann du es ansprichst

Sprich mit Hebamme oder Frauenärztin, wenn du:

  • Winde oder Stuhl nicht ausreichend kontrollieren kannst;
  • die Probleme länger anhalten oder nicht besser werden.

Melde dich am selben Tag, wenn

  • du Fieber ab 38 Grad hast oder die Dammwunde stark schmerzt, rot ist, nässt oder übel riecht.

Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Nicht selten: Studien zufolge 3 bis 16 von 100 Frauen nach der Geburt.
  2. Oft besser mit der Zeit – nach 5 bis 12 Monaten berichten noch bis zu 5 von 100 Frauen von Problemen.
  3. Ansprechen: Hebamme, Frauenärztin, bei anhaltenden Beschwerden Proktologie.

Was gemeint ist

Stuhlinkontinenz bedeutet, dass du den Abgang von Stuhl oder Darmwinden nicht ausreichend kontrollieren kannst. In den ersten Wochen nach der Geburt sind solche Beschwerden häufig. Studien zufolge haben 3 bis 16 von 100 Frauen nach der Geburt eine eingeschränkte Stuhlkontrolle. Fünf bis zwölf Monate nach der Geburt berichten noch bis zu 5 von 100 befragten Frauen von Problemen.

Woher sie kommt

Die Muskeln des Beckenbodens steuern auch den Darmausgang. Schon in der Schwangerschaft belastet das wachsende Gewicht des Kindes diese Muskeln. Bei der Geburt können dazukommen:

  • eine Verletzung des Schließmuskels oder von Nerven im Beckenboden,
  • eine lange letzte Phase der Geburt, eventuell mit Saugglocke, siehe Saugglocke und Zange,
  • ein höhergradiger Dammriss, siehe Dammriss und Dammschnitt.

Welche Faktoren genau zusammenkommen müssen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Was hilft

Beckenbodentraining wird empfohlen – nach der Geburt ist es Teil der Rückbildungsgymnastik, siehe Beckenboden nach der Geburt und Rückbildung. Ein gestärkter Beckenboden ist nach einer Schwangerschaft grundsätzlich sinnvoll. Ob das Training gezielt gegen Stuhlinkontinenz hilft, ist allerdings nicht belegt. Hast du schon in der Schwangerschaft Beschwerden, raten Fachleute, bereits dann mit dem Training zu beginnen.

Nach der Geburt wird außerdem empfohlen, Verstopfung vorzubeugen. Tipps dazu stehen in Verstopfung im Wochenbett.

An wen du dich wenden kannst

Deine Nachsorgehebamme fragt routinemäßig nach ungewolltem Abgang von Stuhl oder Winden. Sprich offen mit ihr – sie kann einschätzen, ob ein Arztbesuch sinnvoll ist. Halten die Probleme länger an, kann eine proktologische Praxis weiterhelfen. Dort lässt sich zum Beispiel per Ultraschall prüfen, ob bei der Geburt Muskeln am Darmausgang verletzt wurden.

Es ist verständlich, wenn dir das Thema unangenehm ist. Für Hebammen und Ärztinnen ist es Alltag. Je früher du es ansprichst, desto früher bekommst du Unterstützung. Ungewollter Urinverlust ist ein verwandtes Thema, siehe Blasenschwäche nach der Geburt.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Stuhlinkontinenz. Stand: 13.06.2025. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
  2. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de