Baby
Schütteltrauma: Babys nie schütteln
Ein Baby, das stundenlang schreit, kann auch liebevolle Eltern an ihre Grenzen bringen. Erschöpfung, Wut und Verzweiflung sind dann menschlich – darüber zu sprechen ist keine Schwäche. Wichtig ist eines: Ein Baby darf niemals geschüttelt werden, auch nicht kurz. Hier steht, warum, und was du stattdessen tun kannst.
- Lesezeit 3 Minuten
- Geprüft 16.10.2026
Wenn es gerade zu viel ist
Wenn du merkst, dass du die Beherrschung verlieren könntest:
- Leg dein Baby an einen sicheren Ort, zum Beispiel ins Bettchen oder auf den Boden.
- Geh kurz aus dem Zimmer und atme ein paar Mal tief durch. Schau alle paar Minuten nach deinem Baby.
- Ruf jemanden an – Partner, Familie, Freundin – oder das Elterntelefon unter 0800 111 0 550.
Wenn dein Baby geschüttelt wurde:
- Fahr sofort mit ihm in die nächste Klinik oder ruf die 112 – auch wenn es dir unauffällig erscheint.
Rund um die Uhr erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Niemals schütteln: Schon wenige Sekunden können lebenslange Schäden verursachen.
- Wenn es zu viel wird: Baby sicher ablegen, Raum verlassen, durchatmen, Hilfe holen.
- Schreien ist kein Angriff: Babys schreien nicht, um ihre Eltern zu ärgern.
Warum Schütteln so gefährlich ist
Babys können ihren Kopf noch nicht halten, weil ihre Nackenmuskulatur nicht ausgebildet ist. Beim Schütteln wird der Kopf hin- und hergeschleudert. Dabei können Blutgefäße im Gehirn reißen, Nervenbahnen zerstört werden und schwere Hirnverletzungen entstehen. Das nennt man Schütteltrauma. Schon wenige Sekunden Kontrollverlust können ausreichen.
Die Folgen können Krampfanfälle sowie körperliche und geistige Behinderungen sein. 10 bis 30 von 100 betroffenen Kindern sterben. Trotzdem weiß das nicht jeder: In einer Befragung meinte fast ein Viertel der Menschen, Schütteln schade einem Baby nicht.
Warum Babys so viel schreien
Schreien ist die Sprache von Babys. Viele Babys haben im zweiten und dritten Lebensmonat Phasen, in denen sie besonders viel schreien, oft am Abend. Meist wird es ab dem vierten Monat besser. Babys schreien nicht, um ihre Eltern zu ärgern – auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Was beim Beruhigen helfen kann, steht in Baby schreit viel.
Wenn du an deine Grenzen kommst
Fast alle Eltern kennen Momente, in denen das Schreien kaum auszuhalten ist. Solche Gefühle zu haben, macht dich nicht zu einer schlechten Mutter. Entscheidend ist, was du dann tust:
- Leg dein Baby an einen sicheren Ort – ins Bettchen oder auf den Boden.
- Verlass kurz das Zimmer.
- Atme ein paar Mal tief durch.
- Schau alle paar Minuten nach deinem Baby.
- Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst.
Teilt euch die Last
Wechselt euch beim Tragen und Beruhigen ab, damit jeder Pausen bekommt. Erzähl auch Großeltern, Babysittern und anderen, die auf dein Baby aufpassen, warum Babys niemals geschüttelt werden dürfen. Schlafmangel macht alles schwerer, siehe Schlafmangel mit Baby.
Wo du Hilfe findest
- Kinderarztpraxis und Hebamme – auch Familienhebammen. Für den Termin kannst du ein Schrei- und Schlafprotokoll mitbringen.
- Schreiambulanzen, Kinderkliniken und sozialpädiatrische Zentren.
- Familien-, Erziehungs- und Schwangerschaftsberatungsstellen und die Frühen Hilfen vor Ort.
- Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550.
- Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung: bke-elternberatung.de.
- Rund um die Uhr: die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.
Fühlst du dich über Wochen niedergeschlagen und erschöpft, kann auch eine Depression dahinterstecken, siehe Babyblues oder Depression?.
Die Nummern, die helfen, wenn es zu viel wird, als Karte fürs Portemonnaie: Hilfenummern für Eltern.
Weiterlesen
- BabyBaby schreit viel: was hilft?Warum Schreiattacken abends häufig sind, was bei einem Schreibaby hilft und warum ein Baby niemals geschüttelt werden darf.
- WochenbettSchlafmangel mit Baby: was wirklich entlastetWie du in den ersten Monaten an Schlaf kommst, warum Hilfe annehmen kein Versagen ist und wann Erschöpfung ein Fall für Unterstützung ist.
- WochenbettBabyblues oder Wochenbettdepression?Woran du den Unterschied festmachst, ab wann Hilfe nötig ist und wo du sie bekommst – ohne Schuldzuweisung und ohne Beschönigung.
Quellen
- Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH): Flyer „Schütteln ist lebensgefährlich“. Stand: September 2023. Abgerufen am 16.10.2026. elternsein.info
- Nationales Zentrum Frühe Hilfen, BZgA und BMFSFJ: Pressemitteilung „Gefahr für Babys durch Schütteln wird unterschätzt“. 04.12.2017. Abgerufen am 16.10.2026. fruehehilfen.de
- TelefonSeelsorge Deutschland: Kontakt. Abgerufen am 16.10.2026. telefonseelsorge.de