Baby
Baby schreit viel: was hilft?
Manche Babys schreien laut und ausdauernd, manchmal drei Stunden am Tag oder mehr, ohne dass sich ein Grund finden lässt. Das ist in der Regel harmlos und meist auf die ersten drei bis sechs Lebensmonate begrenzt – aber es zehrt an den Kräften. Der wichtigste Satz dieses Artikels steht deshalb ganz oben.
Schüttle dein Baby niemals
Schon kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod führen. Wenn du merkst, dass du an deine Grenze kommst:
- Leg dein Baby an einem sicheren Ort ab – im eigenen Bettchen auf dem Rücken – und verlass für einige Minuten den Raum. Ein schreiendes Baby allein im Bett ist sicher; ein geschütteltes ist es nicht.
- Ruf jemanden an, der übernehmen kann, oder hol jemanden ins Haus.
- Sag es deiner Kinderärztin, wenn du das Gefühl hattest, die Kontrolle zu verlieren. Das ist kein Versagen und wird dir nicht zum Vorwurf gemacht.
Wenn dein Baby geschüttelt wurde – auch kurz – ruf sofort 112, auch wenn es äußerlich unauffällig wirkt. Und ruf sofort an, wenn zum Schreien Fieber, Erbrechen, Durchfall, ein ständig harter Bauch kommt oder dein Kind kaum reagiert. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: was in der Situation hilft
- Ruhe bewahren und bei einer Methode bleiben. Nicht schnell von einem Beruhigungsversuch zum nächsten wechseln – dein Baby braucht Zeit, um zu reagieren.
- Reize herunterfahren. Licht dimmen, Fernseher aus, weniger Besuch.
- Ablösung organisieren. Zwanzig Minuten allein vor der Tür sind wirksamer als jedes Hausmittel.
Was normal ist
Manche Babys schreien – je nach Temperament – laut und ausdauernd, manchmal drei oder mehr Stunden am Tag, ohne dass sich ein Grund finden lässt. Sie haben weder Hunger noch eine volle Windel und lassen sich durch kaum etwas beruhigen. Häufig treten solche Schreiattacken am späten Nachmittag oder in den Abendstunden auf.
Diese Schrei- und Unruheepisoden sind in der Regel harmlos und meist auf die ersten drei bis sechs Lebensmonate begrenzt. Sie können aber eine starke Belastung für Eltern bedeuten und an Kräften und Nerven zehren.
Der alte Begriff Dreimonatskoliken ist irreführend: Nur selten liegen tatsächlich Verdauungsstörungen vor. Der harte Bauch entsteht meist dadurch, dass das Kind beim Schreien die Bauchmuskulatur anspannt – nicht umgekehrt.
Du machst nichts falsch
Vor allem unerfahrene Eltern werden dadurch stark verunsichert. Sie können sich das Schreien nicht erklären, nehmen an, dass sie in der Pflege Fehler machen, oder sind enttäuscht, dass sich ihr Kind nicht von ihnen beruhigen lässt.
Dazu zwei Dinge, die Fachgesellschaften ausdrücklich festhalten: Das Schreien ist Ausdruck einer verzögerten Verhaltensregulation, nicht Folge eines Fehlers im Umgang mit dem Kind. Und Babys sind keine Maschinen, die sich an- und ausschalten lassen – deshalb wirkt derselbe Beruhigungsversuch mal gut und mal überhaupt nicht.
Warum Schütteln so gefährlich ist
Schreibabys sind nach Angaben des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte besonders gefährdet, ein Schütteltrauma zu erleiden, wenn Eltern in ihrer Verzweiflung schütteln. Wird ein kleines Kind am Oberkörper gehalten und geschüttelt, schleudert der Kopf nach vorne und hinten: Die Nackenmuskulatur ist noch schwach, und der Kopf macht einen großen Teil des Körpergewichts aus.
In Deutschland gibt es etwa 400 Fälle von Schütteltrauma pro Jahr. Fast ein Viertel der betroffenen Kinder kann nicht mehr gerettet werden, viele leiden unter schwerwiegenden Folgeschäden.
Der Punkt dieses Abschnitts ist nicht, dir Angst zu machen, sondern eine Zahl zu nennen, die viele überrascht: Es passiert, und es passiert Eltern, die ihr Kind lieben. Deshalb ist der Plan für den Moment, in dem es zu viel wird, genauso wichtig wie jeder Beruhigungstipp.
Wo du Hilfe bekommst
- Kinderärztliche Praxis. Sprich das Schreien aktiv an, auch außerhalb der U-Untersuchungen.
- Schreiambulanzen und Beratungsstellen. In vielen Orten gibt es sie speziell für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern; sie bieten schnell und unbürokratisch Beratung an.
- Frühe Hilfen. Die gibt es inzwischen in allen Gemeinden, dazu gehören auch Familienhebammen, die bei besonderen Belastungen im ersten Lebensjahr unterstützen. Informationen bekommst du beim örtlichen Jugend- oder Gesundheitsamt.
- Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550, montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr.
- TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 – anonym, kostenlos, rund um die Uhr.
Erfahrungsgemäß können Eltern das übermäßige Schreien mit fachlicher Hilfe meist schon bald in den Griff bekommen. Sich diese Hilfe zu holen, ist der wirksamste Schritt – nicht der letzte.
Wann es ärztlich abgeklärt werden muss
Schreit das Kind und zeigt andere Krankheitszeichen wie Fieber, Durchfall, einen ständig harten Bauch, unregelmäßigen Stuhlgang, oder reagiert es kaum, muss das umgehend ärztlich abgeklärt werden. Ebenso, wenn Schlafprobleme dazukommen, sich das Kind schwer füttern lässt oder das Schreien mit einem halben Jahr noch nicht besser geworden ist.
Wenn du unsicher bist
Deine Kinderärztin ist die erste Adresse, in den ersten Wochen auch deine Nachsorgehebamme. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Bei Fieber lies Baby hat Fieber. Zum Schlaf: Baby schläft nicht durch. Wenn es dir selbst seelisch schlecht geht: Babyblues oder Wochenbettdepression?
Quellen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kindergesundheit-info.de: Das Schreien des Babys. Abgerufen am 20.08.2026. kindergesundheit-info.de
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kindergesundheit-info.de: Schreiprobleme. Abgerufen am 20.08.2026. kindergesundheit-info.de
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen, kinderaerzte-im-netz.de: Schreibaby (Regulationsstörung) – Auswirkungen und Therapie. Abgerufen am 20.08.2026. kinderaerzte-im-netz.de
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Elterninformation „Ist mein Kind ein Schreibaby?" Abgerufen am 20.08.2026. dgkj.de
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, familienportal.de: Krisentelefone und Anlaufstellen. Abgerufen am 20.08.2026. familienportal.de