Stillen
Richtig anlegen: so klappt das Stillen
Mehr als 80 von hundert Stillbeschwerden hängen am Anlegen. Das ist eine gute Nachricht – denn genau daran lässt sich etwas ändern, meist in einer einzigen Beratung.
- Lesezeit 4 Minuten
- Geprüft 15.10.2026
Wann du Hilfe holst
Hol dir frühzeitig eine Stillfachkraft, wenn:
- das Anlegen stark schmerzt, der Schmerz anhält oder von Mal zu Mal schlimmer wird;
- deine Brustwarzen gereizt oder verletzt sind – das ist kein Grund zum Abwarten;
- du Fieber bekommst oder eine Stelle der Brust gerötet und überwärmt ist;
- dein Baby nicht zunimmt, auffällig selten nasse Windeln hat oder beim Trinken schnell erschöpft wirkt;
- du den Verdacht hast, dass ein verkürztes Zungenbändchen im Weg ist.
Hebammen und Still- und Laktationsberaterinnen sind dafür da. Bei Fieber mit Schüttelfrost nicht abwarten – siehe Brustentzündung. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Das Baby kommt zur Brust – nicht die Brust zum Baby.
- Der Mund ist weit offen, wie beim Gähnen, und erfasst auch Brustgewebe.
- Anhaltender Schmerz heißt: nachjustieren, nicht durchhalten.
Die Position
Führe dein Baby zur Brust oder lass es sich selbst dorthin bewegen. Die Brust zum Baby zu führen, erzeugt Fehlhaltungen – das ist der häufigste Anfangsfehler.
Das Gesicht zeigt zur Brust, der Kopf ist leicht nach hinten geneigt, und die Brustwarze liegt auf Höhe der Nase. Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine gerade Linie.
Die Nase auf Höhe der Brustwarze klingt unlogisch, ist aber der Trick: Dein Baby muss den Kopf heben und den Mund weit öffnen, um die Brust zu erreichen – und genau dadurch erfasst es genug Gewebe.
Woran du siehst, dass es passt
- Der Mund ist weit geöffnet, wie beim Gähnen.
- Der Unterkiefer erfasst zuerst das Brustgewebe.
- Nicht nur die Brustwarze, sondern auch Brustgewebe ist im Mund.
- Die Zunge liegt über der unteren Zahnleiste.
- Die Unterlippe ist nach außen gestülpt.
- Das Kinn berührt sanft die Brust.
Anfangs kann das Saugen leicht unangenehm sein. Entscheidend ist der Verlauf: Der Schmerz lässt nach und nach nach, statt zu bleiben.
Woran du siehst, dass es nicht passt
Das erste Anlegen schmerzt stark, der Schmerz hält an oder wird von Mal zu Mal schlimmer. Der Mund ist nicht weit genug geöffnet, es wird zu wenig Brustgewebe erfasst, die Lippen sind eingerollt statt nach außen gestülpt, oder die Zunge liegt nicht über der unteren Zahnleiste.
Warum das so viel ausmacht
Wenn wenig Brustgewebe im Mund ist, wirkt ein hohes Saugvakuum direkt auf die Brustwarze, während wenig Milch fließt. Dazu kommt starker Druck, wenn die Zunge die Brustwarze nicht schützt. Das Ergebnis sind wunde Brustwarzen.
Die zweite Folge ist weniger sichtbar: Wird die Brust nicht ausreichend entleert, drohen Milchstau, eine Brustentzündung und eine geringere Milchbildung. Wer also das Gefühl hat, zu wenig Milch zu haben, sollte zuerst das Anlegen ansehen lassen.
Wie du dein Baby wieder löst
Nicht einfach wegziehen – das tut weh und schadet der Brustwarze. Stattdessen den sauberen kleinen Finger in den Mundwinkel schieben, bis sich das Vakuum löst. Danach kannst du neu ansetzen lassen.
Neu ansetzen ist ausdrücklich erlaubt und oft nötig. Ein Anlegeversuch, der nicht passt, darf abgebrochen werden.
Wenn das Zungenbändchen im Weg ist
Bei etwa 3 bis 5 von hundert reifen Neugeborenen ist das Zungenbändchen verkürzt, was wirksames Saugen erschweren kann. Bei Verdacht kann eine speziell ausgebildete Fachkraft das abklären. Das ist kein Grund, vorschnell etwas machen zu lassen – aber ein Grund, es anzusehen, wenn trotz korrekter Position nichts besser wird.
Die ersten Tage
Am Anfang geht es um Kolostrum und um kleine Mengen, nicht um Technik-Perfektion. Was in dieser Zeit normal ist, steht in Stillbeginn und Kolostrum; was beim Milcheinschuss passiert, in Milcheinschuss.
Wenn du unsicher bist
Lass dir das Anlegen einmal zeigen, statt es aus Texten zu rekonstruieren – auch aus diesem. Deine Hebamme sieht in zwei Minuten, was zu ändern ist. Stillkurse, vor Ort oder online, helfen bei der Vorbereitung schon in der Schwangerschaft.
Wie oft und wie lange dein Baby trinken will, steht in Wie oft stillen? Stillen nach Bedarf.
Weiterlesen
- StillenBrustentzündung (Mastitis): was tun?Woran du eine Brustentzündung erkennst, warum du weiterstillen darfst und wann sie behandelt werden muss.
- StillenWunde Brustwarzen beim Stillen: was hilft?Warum Brustwarzen am Anfang empfindlich sind, was gegen Schmerzen hilft und warum Stillpausen die falsche Lösung sind.
- StillenMilchstau: was tun?Woran du einen Milchstau erkennst, was ihn löst und ab wann daraus eine Brustentzündung werden kann, die behandelt werden muss.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung): Wie geht richtiges Anlegen beim Stillen und warum ist es wichtig? Stand: 18.06.2024. Abgerufen am 15.10.2026. gesund-ins-leben.de
- Netzwerk Gesund ins Leben (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung): Stillpositionen. Abgerufen am 15.10.2026. gesund-ins-leben.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Hilfreiche Tipps für den Stillalltag. Abgerufen am 15.10.2026. kindergesundheit-info.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de