Kleinkind

Unfälle im Kleinkindalter vermeiden

Plötzlich läuft es, klettert, öffnet Schubladen: Mit dem ersten Geburtstag erweitert sich die Welt deines Kindes schlagartig – und damit die Unfallgefahren. Die meisten Unfälle passieren zu Hause. Mit ein paar gezielten Maßnahmen lassen sich die schweren verhindern.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesbehörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: eine Treppe nach unten mit einem Warnzeichen davor
Illustration: Mamalotse

Wenn doch etwas passiert

Ruf sofort die 112, wenn dein Kind:

  • bewusstlos ist, nicht normal atmet oder einen Krampfanfall hat;
  • sich großflächig verbrüht oder verbrannt hat oder stark blutet;
  • aus der Höhe gestürzt ist oder danach erbricht, ungewöhnlich schläfrig ist;
  • etwas Giftiges geschluckt hat und Beschwerden zeigt.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung ohne Beschwerden hilft der Giftnotruf, siehe Vergiftung beim Kind. Was du bei Verbrühungen sofort tust, steht in Verbrühungen. Alle Notrufnummern: Notfall beim Kind.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Am gefährdetsten sind Kinder im zweiten Lebensjahr – vor allem zu Hause.
  2. Große Risiken: Verbrühungen, Vergiftungen, kippende Möbel, Stürze aus Fenstern und von Treppen, Ertrinken.
  3. Balkon: Abstände im Geländer unter 12 Zentimeter, keine Kletterhilfen, Kind nie allein.

Warum gerade jetzt

Die höchste Unfallgefährdung besteht erfahrungsgemäß im zweiten Lebensjahr. Kinder lernen zwischen 9 und 20 Monaten frei laufen, mit zwei bis drei Jahren rennen und Treppen steigen. Was früher außer Reichweite war, wird jetzt erreichbar und spannend. Sie wollen alles selbst machen – verstehen Ursache und Wirkung aber noch nicht wirklich und können Gefahren nicht einschätzen. Bis zum Schulalter verletzen sich Kinder am häufigsten zu Hause und in der nahen Umgebung.

Die größten Gefahren

  • Verbrühungen und Verbrennungen am Esstisch und in der Küche, siehe Küche kindersicher machen.
  • Vergiftungen und Verätzungen durch Reinigungsmittel und Lampenöl, siehe Vergiftung beim Kind.
  • Kippende Möbel – Regale, Fernseher, Kommoden, Stühle, auf die das Kind klettert.
  • Stürze – aus Fenstern, vom Balkon und vor allem Treppen hinunter.
  • Ertrinken im Garten, siehe Garten kindersicher machen.
  • Neue Gefahren: Feuer, Haustiere, unbeaufsichtigtes Spielen mit Schnüren oder Plastiktüten.

Möbel sichern

  • Regale mit der Wand verschrauben – Metallwinkel lassen sich nachrüsten.
  • Kleine Möbel auf Standfestigkeit prüfen und gegen Kippen sichern.
  • Wo das nicht geht: genau hinschauen und eingreifen.
  • Sicheres Klettern zeigen – etwa einen Stuhl mit der Lehne an den Tisch stellen, damit das Kind von vorn klettert und sich festhalten kann.

Fenster und Türen

Fensterstürze sind schwer und passieren am häufigsten zwischen ein und drei Jahren.

  • Stühle und Regale nicht vor Fenster stellen, das Kinderbett nicht direkt ans Fenster.
  • Beim Lüften das Kind nie allein im Raum lassen.
  • Fenster- und Türsicherungen anbringen, vor allem in höheren Stockwerken – sie sollen nur so weit öffnen, dass der Kopf eines Kindes nicht hindurchpasst. Leicht zu öffnende Sicherungen hoch anbringen.
  • Türstopper verhindern, dass Türen zuschlagen und Finger einklemmen.

Schränke und Schubladen

Ab etwa dem zweiten Lebensjahr sind Schranktüren und Schubladen unwiderstehlich. Sichere sie mit speziellen Verschlüssen. Eine „Kinderschublade“ mit harmlosen Dingen zum Aus- und Einräumen lenkt ab.

Balkon

  • Kind nie allein auf dem Balkon lassen – auch im Erdgeschoss nicht.
  • Alles entfernen, was als Kletterhilfe dienen kann.
  • Das Geländer prüfen: keine Querstreben zum Hochklettern, Abstände unter 12 Zentimeter – passt der Kopf hindurch, passt der ganze Körper hindurch.

Treppen

Lass dein Kind Treppen nur unter Aufsicht steigen – erst auf allen vieren, später aufrecht mit der Hand am Geländer. Lauflernhilfen erhöhen das Risiko für Treppenstürze, siehe Lauflernhilfe. Mehr zu Stürzen bei Babys steht in Stürze vermeiden, zum Kinderzimmer in Kinderzimmer sicher einrichten.

Nicht alles verhindern

Lass dein Kind ausprobieren und hilf nur bei dem, was es noch nicht kann. Kleine Beulen gehören dazu – die gefährlichen Erfahrungen solltest du ihm ersparen.

Wenn dein Kind bald allein zur Schule gehen soll, hilft Schulweg allein gehen.

Wie ein Treppenschutzgitter sicher angebracht wird, steht in Treppenschutzgitter.

Worauf es beim Laufstall ankommt, steht in Laufstall.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Unfallschwerpunkte im 2. und 3. Lebensjahr. Stand: 21.09.2024. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Sichere Umgebung. Stand: 29.09.2024. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: 10 Tipps zur Verhütung von Sturzunfällen. Stand: Februar 2021. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de