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Lauflernhilfe: warum davon abgeraten wird

Lauflernhilfen, auch Gehfrei oder Babywalker genannt, versprechen, dass dein Baby früher läuft und beschäftigt ist. Unfallexperten und Kinderärzte raten davon klar ab. Die Geräte führen zu schweren Unfällen – und beim Laufenlernen helfen sie nicht.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Fachverbände · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: eine Treppe nach unten mit einem Warnzeichen davor
Illustration: Mamalotse

Nach einem Sturz

Ruf sofort die 112, wenn dein Kind nach einem Sturz:

  • bewusstlos war, krampft oder auffällig schläfrig ist;
  • erbricht;
  • ungleich große Pupillen hat oder sich nicht beruhigen lässt.

Nach einem Sturz die Treppe hinunter oder auf den Kopf lässt du dein Kind ärztlich ansehen, auch wenn es munter wirkt. Mehr in Stürze vermeiden. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Klar abgeraten: Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder und der Kinderärzteverband warnen vor Lauflernhilfen.
  2. Gefährlich schnell: bis zu 10 km/h – schwere Kopfverletzungen, Stürze über Schwellen und Treppen.
  3. Kein Lerneffekt: Laufen lernt dein Kind ohne Gerät, im eigenen Tempo.

Was eine Lauflernhilfe ist

Eine Lauflernhilfe ist ein Gestell auf Rollen mit einem Sitz in der Mitte. Das Baby sitzt darin, die Füße berühren den Boden, und es kann sich mit kleinen Schritten durch den Raum schieben. Für Eltern wirkt das praktisch: Das Kind ist beschäftigt und scheint „schon zu laufen“.

Warum sie gefährlich ist

  • Hohes Tempo: Kinder werden darin bis zu 10 km/h schnell und landen schneller an gefährlichen Stellen, als du reagieren kannst.
  • Kopfverletzungen: Beim Kippen über Türschwellen, beim Anprall an harte Hindernisse oder bei Stürzen entstehen oft schwere Verletzungen am Kopf.
  • Treppen: Schlimmstenfalls stürzt das Kind samt Gerät die Treppe hinunter.
  • Neue Reichweite: Aus der erhöhten Position erreicht dein Baby Dinge, die vorher sicher lagen – es zieht an Tischdecken, Kabeln oder Griffen von Töpfen.

Der Kinderärzteverband nennt außerdem Verbrennungen durch heiße Getränke, Vergiftungen durch erreichbare Haushaltsmittel und Ertrinken. Weil Babys meist kopfüber stürzen und sich nicht selbst befreien können, sind die Folgen oft schwer. Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder schätzt die Zahl der Unfälle mit Lauflernhilfen in Deutschland auf etwa 6.000 pro Jahr.

Diese Unfälle lassen sich vollständig vermeiden, indem du keine Lauflernhilfe benutzt. Ein Prüfzeichen ändert daran nichts: Die Norm für die technische Sicherheit beschreibt das Gerät, nicht die Gefahr, die von seiner Nutzung ausgeht. In Kanada ist der Verkauf seit 2004 verboten.

Hilft sie beim Laufenlernen?

Nein. Mit einer Lauflernhilfe lernt dein Kind nicht laufen. Fachleute gehen sogar davon aus, dass sie die Entwicklung von Muskeln und Gleichgewicht hemmt und der Bewegungsentwicklung schadet. Laufen lernen Kinder, indem sie sich drehen, robben, krabbeln, sich hochziehen und an Möbeln entlanghangeln – jedes in seinem eigenen Tempo. Wann was typisch ist und wie weit die Spanne reicht, steht in Bewegungsentwicklung beim Baby.

Was du stattdessen tun kannst

Am meisten lernt dein Baby auf dem Boden: auf einer Decke, mit Platz, um sich zu bewegen, und mit Dingen, die es erkunden kann. Damit das sicher ist, lohnt sich ein Blick durch die Wohnung auf Krabbelhöhe – Treppen sichern, Kabel und kleine Teile wegräumen, Möbel befestigen. Wie das geht, steht in Kinderzimmer sicher einrichten und Stürze vermeiden.

Wenn dir jemand eine gebrauchte Lauflernhilfe schenken will, darfst du freundlich ablehnen. Das ist keine Überempfindlichkeit, sondern die Empfehlung der Fachleute.

Was stattdessen später Spaß macht: Laufrad, Dreirad, Roller.

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Quellen

  1. Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder, kindersicherheit.de: Lauflernhilfe, Babywalker, Gehfrei – Tipps zu Kauf und Nutzung. Letzte Änderung 20.06.2024. Abgerufen am 16.10.2026. kindersicherheit.de
  2. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Kinder- und Jugendärzte raten zum wiederholten Male dringend von Lauflernhilfen ab. Meldung vom 12.12.2018. Abgerufen am 16.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de