Kleinkind

Verdacht auf Vergiftung: was sofort zählt

Die wichtigste Regel ist kontraintuitiv: Erst anrufen, dann handeln. Fast alles, was Eltern spontan tun, macht es schlimmer.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Behörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Schematische Darstellung: eine Flasche mit Warndreieck davor
Illustration: Mamalotse

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Dein Kind ist bewusstlos, krampft oder atmet auffällig: sofort 112.

Dein Kind ist wach und wirkt unverändert:

  1. Ruhe bewahren und zuerst anrufen – bei der Giftnotrufzentrale deines Bundeslands. Alle Nummern stehen im Notfallblatt zum Ausdrucken.
  2. Die Ursache sichern: Packung, Flasche, Pflanzenteil, Tablettenblister. Nicht wegräumen.
  3. Diese fünf Angaben bereithalten: Wer ist betroffen? Was wurde aufgenommen? Wann? Wie? Wie viel?
  4. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln zusätzlich den UFI-Code von der Packung – sechzehn Stellen, er identifiziert die Inhaltsstoffe eindeutig.

Erstmaßnahmen erst nach Rücksprache. Außerhalb der Sprechzeiten hilft sonst der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Kein Erbrechen auslösen. Niemals, auch nicht bei scheinbar harmlosen Stoffen.
  2. Keine Milch geben. Sie beschleunigt die Aufnahme oft.
  3. Erst anrufen, dann handeln – außer bei Bewusstlosigkeit, dann sofort 112.

Was du auf keinen Fall tust

  • Kein Erbrechen auslösen. Weder mit Salzwasser noch mit dem Finger. Es kann mehr Schaden anrichten als der Stoff selbst.
  • Keine Milch geben. Sie beschleunigt die Aufnahme über den Darm häufig, statt sie zu bremsen.
  • Einem bewusstlosen Kind nichts einflößen.
  • Nicht überhastet handeln. Der Anruf dauert kürzer als jede Suche im Netz.

Das Salzwasser-Hausmittel hält sich hartnäckig in Familien. Es steht in keiner aktuellen Empfehlung und gehört nicht gemacht.

Was je nach Aufnahmeweg gilt

Diese Maßnahmen führst du erst nach Rücksprache mit dem Giftnotruf durch:

Verschluckt, Kind wach: in kleinen Schlucken Wasser, Tee oder Saft – keine Milch, keine kohlensäurehaltigen Getränke. Bei Säuren oder Laugen soll ein waches Kind möglichst schnell trinken.

Eingeatmet: für frische Luft sorgen, ins Freie gehen, warm zudecken, beruhigen. Achte darauf, dich nicht selbst zu vergiften.

Ins Auge: mindestens zehn Minuten unter fließendem Wasser spülen, Lider dabei offen halten. Danach augenärztlich untersuchen lassen.

Auf die Haut: Kleidung entfernen, betroffene Stellen gründlich unter fließendem Wasser abspülen, nach Möglichkeit mit Handschuhen.

Bewusstlos: 112 rufen, in die Seitenlage bringen, Gesicht schräg zum Boden. Gegebenenfalls Atemspende oder Wiederbelebung.

Die Nummer, die du jetzt einspeichern solltest

Die Giftinformationszentren sind nach Bundesländern organisiert, jede hat eine eigene Rufnummer. Welche für dich zuständig ist, findest du in der Übersicht der Behördenquelle unten.

Wir nennen hier bewusst keine Nummern, weil sie sich ändern und eine falsche Nummer im Notfall teurer ist als keine. Speicher die Nummer deines Bundeslands jetzt ein, solange nichts passiert ist – zusammen mit 116117 und 112.

Wann es passiert

Meist in dem Moment, in dem ein Kind neu etwas erreichen kann. Typisch sind Medikamente aus Handtaschen und Nachttischen, Putzmittel unter der Spüle, Zigaretten und Pflanzenteile.

Das ist der Grund, warum die Wohnung noch einmal durchgegangen wird, sobald das Kind mobil wird – siehe Bewegungsentwicklung im ersten Jahr und Kinderzimmer sicher einrichten.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Bunte Flüssigkeiten in Getränkeflaschen umzufüllen ist eine der häufigsten Ursachen. Reinigungsmittel bleiben in der Originalflasche.

Wenn nichts passiert ist

Auch dann war der Anruf richtig. Die Giftnotrufzentralen sind genau dafür da, und sie rechnen mit besorgten Eltern. Ein Anruf, nach dem du entwarnt wirst, ist ein guter Anruf.

Wenn du unsicher bist

Bei einem bewusstlosen oder krampfenden Kind nicht anrufen, sondern 112. In allen anderen Fällen zählt: zuerst der Giftnotruf, dann handeln.

Hat dein Kind einen Gegenstand verschluckt oder eingeatmet, ist Kind hat sich verschluckt: Erste Hilfe der richtige Artikel.

Erbricht dein Kind ohne Verdacht auf eine Vergiftung, steht das Wichtigste in Erbrechen beim Kind.

Was du bei anderen Notfällen tust, steht in Notfall beim Kind: richtig reagieren.

Giftige Pflanzen im Garten: Garten kindersicher machen. Unterwegs bei Oma und Opa: Sicherheits-Checkliste.

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Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Im Vergiftungsfall handeln (mit Übersicht der Giftinformationszentren). Stand: 05.05.2025. Abgerufen am 15.10.2026. kindergesundheit-info.de
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verbraucherinformation – Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern. Abgerufen am 15.10.2026. bfr.bund.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de