Kleinkind
Mittelohrentzündung: was Eltern tun können
Die meisten Mittelohrentzündungen gehen in wenigen Tagen von selbst weg. Deshalb wird häufig zuerst abgewartet – und das ist kein Abwimmeln, sondern die Empfehlung.
- Lesezeit 3 Minuten
- Geprüft 15.10.2026
Wann du in die Praxis gehst
Lass es kinderärztlich ansehen, wenn:
- es deinem Kind sichtbar schlecht geht – dann früh und nicht erst nach Tagen;
- Flüssigkeit oder Eiter aus dem Ohr läuft;
- sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht bessern oder wiederkommen;
- dein Kind schlechter hört als vorher;
- dein Baby jünger als drei Monate ist und 38 Grad Celsius oder mehr hat.
Bei einem schlaffen, kaum ansprechbaren Kind, bei steifem Nacken oder einem Krampfanfall sofort 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Meist klingt es in wenigen Tagen von selbst ab, viele Kinder sind nach etwa einem Tag schmerzfrei.
- Antibiotika helfen oft nicht – üblich ist, zwei bis drei Tage abzuwarten.
- Schmerzen lindern ist die Hauptaufgabe, zusammen mit viel Zuwendung.
Woran du es merkst
Betroffene Kinder haben meist Schmerzen und Fieber, schlafen schlecht, sind unruhig und weinen viel. Kleine Kinder greifen sich ans Ohr oder reagieren empfindlich, wenn man es berührt.
Häufig geht ein Infekt voraus. Besonders oft tritt eine Mittelohrentzündung nach einer RS-Virus-Infektion auf, aber auch nach einem gewöhnlichen Schnupfen.
Warum abgewartet wird
Eine Mittelohrentzündung klingt bei Kindern normalerweise in wenigen Tagen von selbst ab. Viele Kinder sind bereits nach etwa einem Tag schmerzfrei. Antibiotika helfen deshalb oft nicht, weil sich die Entzündung ohnehin legt.
Üblich ist, zwei bis drei Tage abzuwarten. Manche Praxen stellen dafür ein Rezept aus, das zunächst nicht eingelöst wird – verschlechtert sich der Zustand oder bessert er sich nicht, wird das Antibiotikum besprochen. Das ist ein geplantes Vorgehen und keine halbe Sache.
Wann Antibiotika sinnvoll sein können
- bei Kindern unter zwei Jahren mit einer Entzündung in beiden Ohren;
- bei eitrigem Ohrausfluss;
- bei Immunschwäche oder schweren Grunderkrankungen;
- bei einer stärkeren Entzündung – das schätzt die Praxis ein.
Diese Liste ersetzt keine Untersuchung. Sie hilft dir aber einzuordnen, warum dein Kind etwas bekommt und ein anderes nicht.
Was du zu Hause tun kannst
Das Wichtigste ist die Schmerzlinderung. Welche Mittel dafür infrage kommen und wie viel, sagt dir die kinderärztliche Praxis – gib deinem Kind nichts aus der eigenen Hausapotheke, nur weil es für Erwachsene geeignet ist. Manche Schmerzmittel sind für Kinder ausdrücklich nicht vorgesehen.
Abschwellende Nasensprays oder -tropfen sollten nur wenige Tage verwendet werden; für die Heilung sind sie nicht nachweislich hilfreich. Ohrentropfen dürfen bei einem gerissenen Trommelfell nicht angewendet werden – deshalb nicht auf Verdacht tropfen.
Hausmittel wie Zwiebelsäckchen, Wickel oder Rotlicht sind nicht belegt. Manche Kinder empfinden sie trotzdem als angenehm, und dagegen spricht nichts. Homöopathische Mittel sind laut Quelle unwirksam, für pflanzliche Mittel fehlen Belege.
Was tatsächlich hilft und in keiner Leitlinie steht: viel Zuwendung. Ein Kind mit Ohrenschmerzen will getragen werden.
Wenn das Trommelfell reißt
Das kommt vor und heilt meist von selbst. Oft lassen die Schmerzen danach schlagartig nach, und es läuft Flüssigkeit aus dem Ohr. Problematisch wird es, wenn das Trommelfell immer wieder reißt oder ein größerer Riss entsteht – das gehört in die Praxis.
Wenn es immer wiederkommt
Wiederkehrende Entzündungen und anhaltende Hörprobleme gehören abgeklärt, weil Hören und Sprachentwicklung zusammenhängen. Was in der Sprachentwicklung wann dran ist, steht in Sprachentwicklung; die Hörtests laufen über die U-Untersuchungen.
Wenn du unsicher bist
Ohrenschmerzen beim Kind sind ein guter Grund für einen Anruf, auch am Wochenende. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 hilft beim Einschätzen, ob es bis zum nächsten Werktag warten kann.
Oft beginnt alles mit einer Erkältung, siehe Erkältung beim Kind.
Wenn dein Kind auch ohne Erkältung schnarcht, lies Kind schnarcht.
Wenn nach einer Ohrentzündung das Hören schlechter bleibt, hilft Paukenerguss beim Kind.
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Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Was können Eltern bei einer Mittelohrentzündung tun? Abgerufen am 15.10.2026. gesundheitsinformation.de
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Mittelohrentzündung. Abgerufen am 15.10.2026. gesundheitsinformation.de
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Mittelohrentzündung (Otitis media) – Therapie. Abgerufen am 15.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de