Schulkind · 6–10 Jahre

Legasthenie und LRS: wenn Lesen und Schreiben schwerfallen

Dein Kind übt und übt, und trotzdem stimmen die Buchstaben nicht? Eine Lese-Rechtschreibstörung, auch Legasthenie genannt, hat nichts mit Intelligenz oder Faulheit zu tun. Sie wächst sich aber auch nicht von selbst aus. Je früher sie erkannt wird, desto besser lässt sich helfen.

Von Danny · Geprüft am 19.10.2026 · Quellen: Fachverband · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Diagnose ab Ende der 1. Klasse möglich
  • Wichtig nicht die Schuld des Kindes
Illustration: aufgeschlagenes Buch
Illustration: Mamalotse

Wann du dir fachliche Hilfe holst

Sprich mit der Lehrkraft und lass dein Kind ärztlich untersuchen, wenn:

  • es Buchstaben und Laute immer wieder verwechselt;
  • es sehr langsam oder ungenau liest;
  • es auffällig viele Rechtschreibfehler macht – mehr, als für seinen Lernstand zu erwarten wäre;
  • die Schwierigkeiten über ein halbes Jahr anhalten oder dein Kind zunehmend leidet.

Vorher sollten Sehen und Hören geprüft sein. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check

  1. Mit der Lehrkraft sprechen: Wie sieht sie dein Kind?
  2. Termin vereinbaren – nicht abwarten, bis es sich „verwächst“.
  3. Täglich kurz lesen, etwa fünf bis zehn Minuten, ohne Druck.

Was eine Lese-Rechtschreibstörung ist

Bei einer Legasthenie hat ein Kind anhaltende und deutliche Schwierigkeiten beim Lesen, beim Schreiben oder bei beidem. Erbliche Faktoren können eine Rolle spielen. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie betont: Legasthenie ist keine Folge von schlechtem Unterricht und hat nichts mit geringerer Intelligenz zu tun. Umgangssprachlich wird oft von Lese-Rechtschreibschwäche oder LRS gesprochen.

Lese-Rechtschreibstörung, Rechenstörung und ihre Kombinationen betreffen jeweils etwa drei bis fünf von hundert Schulkindern.

Frühe Hinweise

  • Vor der Schule: Schwierigkeiten mit Reimen, mit Reihenfolgen oder beim Unterscheiden von Lauten, wenig Interesse an Büchern, Legasthenie in der Familie. Vieles davon verliert sich mit dem Alter – entscheidend sind Stärke und Dauer.
  • In der Schule: Buchstaben und Laute werden verwechselt, das Lesen ist langsam und ungenau, es gibt sehr viele Rechtschreibfehler, dein Kind liest ungern.

Wer die Diagnose stellt

Eine Diagnose ist ab dem Ende der ersten Klasse möglich. Sie wird zum Beispiel in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie oder in einem Sozialpädiatrischen Zentrum gestellt. Dazu gehören ein Intelligenztest, ein Gespräch mit dir und ein Blick auf die gesamte Entwicklung. Je nach Bundesland testen auch Schulen.

Gesprochen wird von einer Störung, wenn die Probleme länger als sechs Monate bestehen, die Leistungen deutlich unter dem Durchschnitt liegen, dein Kind regelmäßig zur Schule geht, ausreichend intelligent ist und gut sieht und hört.

Welche Hilfe es in der Schule gibt

  • Förderung im Unterricht und in kleinen Gruppen.
  • Nachteilsausgleich, zum Beispiel mehr Zeit bei Arbeiten.
  • Notenschutz, zum Beispiel keine Bewertung der Rechtschreibung – wenn das Landesrecht das vorsieht. Im Zeugnis wird das vermerkt, die Diagnose aber nicht genannt.

Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland. Das Bundesverfassungsgericht hat 2023 bestätigt, dass Legasthenie als Behinderung gilt – Betroffene haben damit Anspruch auf einen Nachteilsausgleich.

Therapie und Kosten

Die Krankenkasse übernimmt eine Legasthenie-Therapie in der Regel nicht. Droht deinem Kind durch die Belastung eine seelische Behinderung, kannst du beim Jugendamt Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII beantragen. Dafür braucht es eine ärztliche Diagnose; entscheidend ist dann weniger das Lernproblem selbst als die seelische Belastung und die Gefahr, ausgegrenzt zu werden. Achte bei einer Therapie auf Fachleute mit passender Qualifikation und auf erprobte Programme.

Was du zu Hause tun kannst

  • Die Diagnose erklären: Sie entlastet dein Kind, weil es weiß, dass es nicht an ihm liegt.
  • Stärken sehen und laut anerkennen.
  • Kurz und regelmäßig üben statt lange und verbissen.
  • Hilfsmittel nutzen, die die Schule erlaubt.
  • Geduld haben: Fortschritte kommen oft langsam.
  • Auf dich achten und bei Bedarf Familienberatung nutzen.

Gemeinsames Lesen ohne Leistungsdruck hilft auch: siehe Vorlesen. Wenn eher das Rechnen schwerfällt, lies Dyskalkulie.

Wann Nachhilfe sinnvoll ist und wie Lernförderung bezahlt werden kann, steht in Nachhilfe in der Grundschule.

Wie du gelassen mit dem Zeugnis umgehst, steht in Zeugnis in der Grundschule.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL): Legasthenie – Informationen für Eltern. 4. vollständig überarbeitete Auflage 2024. Veröffentlicht über familienportal.nrw. Abgerufen am 19.10.2026. familienportal.nrw
  2. Nummer gegen Kummer e. V.: Elterntelefon und Kinder- und Jugendtelefon. Abgerufen am 19.10.2026. nummergegenkummer.de