Schulkind · 6–10 Jahre

Dyskalkulie: wenn Rechnen einfach nicht klappt

Andere Kinder rechnen 8 + 5 im Kopf, deins zählt noch an den Fingern ab – auch in der dritten Klasse. Rechenschwierigkeiten sind kein Zeichen mangelnder Begabung. Sie entstehen, wenn Grundlagen fehlen, und lassen sich mit gezielter Förderung angehen.

Von Danny · Geprüft am 19.10.2026 · Quellen: Fachverband, Staatsinstitut für Frühpädagogik · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Typisch zählendes Rechnen
  • Hilft gezielte Förderung statt Drill
Illustration: gestapelte Bausteine
Illustration: Mamalotse

Wann du dir fachliche Hilfe holst

Sprich mit der Lehrkraft und deiner Kinderarztpraxis, wenn dein Kind:

  • auch nach dem ersten Schuljahr fast nur zählend rechnet;
  • mit dem Zehnerübergang oder dem Stellenwert (Zehner, Einer) dauerhaft nicht zurechtkommt;
  • trotz Übens über Monate kaum Fortschritte macht;
  • Angst vor Mathe entwickelt, Bauchweh vor Arbeiten hat oder sich als „dumm“ bezeichnet.

Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check

  1. Nicht einfach mehr üben. Drill kann die Schwierigkeiten verfestigen.
  2. Rechnen im Alltag: teilen, einkaufen, bündeln, schätzen.
  3. Herausfinden lassen, was fehlt: Lehrkraft, Förderlehrkraft oder Fachstelle.

Was Rechenschwäche bedeutet

Fachleute sind sich über die Begriffe nicht ganz einig. „Rechenschwäche“ beschreibt umgangssprachlich besonders große Lernschwierigkeiten in Mathematik, „Dyskalkulie“ oder „Rechenstörung“ ist die Bezeichnung für die festgestellte Störung. Laut Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie betreffen Rechenstörung, Lese-Rechtschreibstörung und ihre Kombinationen jeweils etwa drei bis fünf von hundert Schulkindern.

Wichtig ist der Blick dahinter: Es geht nicht darum, ein Kind abzustempeln, sondern herauszufinden, welche mathematischen Grundlagen es noch nicht verstanden hat.

Woran du es erkennen kannst

  • Zählendes Rechnen: Dein Kind zählt Aufgaben ab, statt Zahlen zu zerlegen oder sich Ergebnisse zu merken.
  • Stellenwert und Bündeln: Zehner und Einer werden verwechselt, der Zehnerübergang bleibt schwierig.
  • Mengenvorstellung: Zahlen und die Mengen dahinter passen im Kopf noch nicht zusammen.

Wie es dazu kommt

Meist spielen mehrere Dinge zusammen: wie ein Kind lernt, Lücken bei den Grundrechenarten, Angst vor Fehlern, die Sprache, die Umgebung. Der Mathematikdidaktiker Oliver Thiel beschreibt Rechenschwierigkeiten als ein Missverhältnis zwischen dem, was ein Kind schon mitbringt, und dem, was von ihm verlangt wird.

Wie Förderung wirkt

Hilfreich ist eine Förderung, die gezielt an den fehlenden Grundlagen arbeitet:

  1. Zahlvorstellung aufbauen,
  2. Rechenoperationen mit Material verstehen,
  3. geschickte Rechenwege lernen, etwa bis zum nächsten Zehner rechnen.

Der Weg führt vom Handeln mit Material zum Rechnen im Kopf. Reines Mehr-Üben derselben Aufgaben hilft dagegen wenig und kann zählendes Rechnen sogar festigen.

Was du zu Hause tun kannst

  • Mathe im Alltag zeigen: beim Teilen, Einkaufen, Tischdecken, Sortieren.
  • An Stärken anknüpfen: Was macht deinem Kind Spaß, was kann es gut?
  • Selbstständigkeit lassen und keinen starken Leistungsdruck aufbauen.
  • Angst ernst nehmen, bevor sie sich festsetzt.

Diagnose und Unterstützung

Wie bei der Legasthenie stellen Fachleute aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Psychotherapie oder Sozialpädiatrische Zentren eine Diagnose. Schulen können je nach Bundesland fördern und Nachteile ausgleichen. Wenn eine seelische Belastung droht, ist Eingliederungshilfe über das Jugendamt nach § 35a SGB VIII möglich. Mehr zu diesen Wegen in Legasthenie und LRS.

Wenn das Wiederholen einer Klasse im Raum steht, lies Klasse wiederholen.

Weiterlesen

Quellen

  1. Thiel, O., familienhandbuch.de (Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz): Rechenschwache Grundschüler – Ursachen, Diagnose, Förderung. Zuletzt geändert am 20.05.2015. Abgerufen am 19.10.2026. familienhandbuch.de
  2. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL): Legasthenie – Informationen für Eltern. 4. Auflage 2024. Abgerufen am 19.10.2026. familienportal.nrw