Schulkind · 6–10 Jahre
Konzentrationsprobleme beim Kind: wann an ADHS denken?
Nicht stillsitzen, ständig abgelenkt, die Hausaufgaben dauern ewig: Viele Eltern fragen sich irgendwann, ob ihr Kind ADHS hat. Viele dieser Verhaltensweisen kommen auch bei gesunden Kindern vor. Entscheidend ist, wie stark, wie lange und in wie vielen Lebensbereichen.
- Lesezeit 3 Minuten
- Dauer länger als sechs Monate
- Abklärung nur durch Fachleute
Wann du dir fachliche Hilfe holst
Sprich mit deiner Kinderarztpraxis, wenn:
- die Auffälligkeiten länger als sechs Monate anhalten;
- sie sich in mehreren Bereichen zeigen – zu Hause, in der Schule, im Verein;
- dein Kind deshalb in der Schule oder mit anderen Kindern deutlich Probleme bekommt;
- dich die Situation dauerhaft belastet.
Online-Tests ersetzen keine Abklärung. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check
- Schläft dein Kind genug? Grundschulkinder brauchen etwa zehn bis elf Stunden.
- Sieht und hört es gut? Wer die Tafel nicht erkennt, wirkt schnell unaufmerksam.
- Beobachtungen sammeln: Wann, wo und wie oft fällt dir etwas auf? Was sagt die Lehrkraft?
Was im Grundschulalter normal ist
Lebhafte, verträumte oder leicht ablenkbare Kinder gibt es viele. Auch belastende Zeiten in der Familie können vorübergehend ähnliche Verhaltensweisen auslösen. Kurzzeitige Schwankungen oder Streit sind nicht automatisch ein Anlass zur Sorge.
Andere Ursachen zuerst ausschließen
- Schlaf: Kinder mit anhaltenden Schlafproblemen können sich oft schlechter konzentrieren und ihre Gefühle schlechter steuern.
- Sehen: Kinder, die schlecht sehen, schreiben oft falsch von der Tafel ab oder verwechseln Buchstaben und Zahlen. Bevor ein Kind als unaufmerksam gilt, sollten die Augen geprüft sein.
- Hören und Atmen: Schnarchen und Atempausen in der Nacht können tagsüber müde und unkonzentriert machen, siehe Kind schnarcht.
Was ADHS ist
Bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung kommen drei Kernbereiche zusammen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Fehlt die Hyperaktivität, spricht man von ADS. Diese Verhaltensweisen sind bei betroffenen Kindern stärker ausgeprägt und andauernd als bei anderen – über mehr als sechs Monate und in mehreren Lebensbereichen. Laut Bundesinstitut betrifft das etwa fünf von hundert Kindern und Jugendlichen.
Wer ADHS feststellt
Die Diagnose erfordert eine umfassende Untersuchung, zum Beispiel durch eine Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutin oder eine Kinderärztin mit besonderer ADHS-Erfahrung. Dazu gehören eine körperliche Untersuchung und Gespräche mit dir, mit Fachkräften aus Kita oder Schule und mit deinem Kind. Andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden. Erste Anlaufstelle ist deine Kinderarztpraxis.
Wie Behandlung aussieht
Am Anfang stehen Aufklärung und Beratung für die ganze Familie. Die Behandlung ist auf das einzelne Kind zugeschnitten und verbindet mehrere Bausteine, etwa Elterntrainings und Unterstützung für das Kind. Medikamente sind nur ein möglicher Baustein; bei leichter Ausprägung reicht in der Regel eine Behandlung ohne Medikamente. Darüber entscheidet die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir.
Was im Alltag hilft – mit und ohne Diagnose
- Wenige, klare Regeln und dabei bleiben.
- Oft und freundlich loben, wenn etwas gut klappt.
- Gleiche Reaktion bei Regelverstößen, zeitnah und ruhig.
- Reizarmer Arbeitsplatz und fester Tagesablauf.
- Auf dich achten: Eigene Grenzen ernst nehmen und Unterstützung annehmen.
Wo du Unterstützung findest
- Kinderarztpraxis – erste Einschätzung und Überweisung.
- ADHS Deutschland e. V. – Selbsthilfe für Familien.
- Elterntelefon 0800 111 0 550, kostenlos und anonym.
Wenn sich die Probleme vor allem bei den Hausaufgaben zeigen, lies Hausaufgaben ohne Streit.
Wie du die Lust am Lernen stärkst, steht in Keine Lust auf Lernen.
Wenn dein Kind ständig blinzelt oder sich räuspert, lies Tics beim Kind.
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Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): ADHS – Symptome, Diagnose, Behandlung. Broschüre, Stand August 2021. Abgerufen am 19.10.2026. shop.bioeg.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Psychische Probleme und Verhaltensprobleme bei Kindern. Stand: 16.06.2026. Abgerufen am 19.10.2026. kindergesundheit-info.de
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Spätestens mit fünf Jahren sollten Kinder eigenständig einschlafen können. Meldung vom 17.05.2016. Abgerufen am 19.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
- Stiftung Kindergesundheit: Kurzsichtigkeit – Kinderaugen brauchen mehr Sonnenlicht. Newsletter Oktober 2020. Abgerufen am 19.10.2026. kindergesundheit.de
- Nummer gegen Kummer e. V.: Elterntelefon und Kinder- und Jugendtelefon. Abgerufen am 19.10.2026. nummergegenkummer.de