Geburt
Geburt einleiten: wann und wie?
Der häufigste Grund für eine Einleitung in Deutschland ist ein überschrittener Termin. Eine Einleitung ist fast nie ein Notfall – in aller Regel bleibt Zeit, in Ruhe zu fragen und abzuwägen.
- Lesezeit 5 Minuten
- Geprüft 14.10.2026
Wann du in die Klinik gehst
Nicht abwarten, sondern anrufen oder fahren, wenn:
- Fruchtwasser abgeht – egal ob im Schwall oder tröpfchenweise;
- du Blutungen hast;
- du deutlich weniger Kindsbewegungen spürst als sonst;
- du Fieber bekommst;
- du starke, anhaltende Schmerzen hast oder der Bauch dauerhaft hart bleibt.
Im Kreißsaal darfst du jederzeit anrufen, auch nachts – dafür ist er da. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmacht oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Der häufigste Grund ist der überschrittene Termin. Rund 90 von hundert Kindern kommen zwei Wochen vor oder nach dem errechneten Termin.
- Vor einer Einleitung steht eine Aufklärung – und deine Einwilligung. Ohne die passiert nichts.
- Es ist meist kein Notfall. Du darfst fragen, warum, welche Methode und was die Alternative wäre.
Warum eingeleitet wird
Es gibt medizinische Gründe – etwa Erkrankungen der Mutter wie Diabetes oder Bluthochdruck, eine Präeklampsie, ein vorzeitiger Blasensprung oder ein geschätzt überdurchschnittlich großes Kind. Und es gibt den häufigsten Grund überhaupt: Der errechnete Termin ist verstrichen.
Die Zahlen zeigen einen Trend: 2005 wurden 165 von 1.000 Geburten eingeleitet, 2014 waren es 217 von 1.000, mit weiter steigender Tendenz.
Ab wann bei Terminüberschreitung
Lässt die Geburt nach dem errechneten Termin länger als eine Woche auf sich warten, soll eine Einleitung gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind senken. Ab der 42. Schwangerschaftswoche treten Probleme etwas häufiger auf – zum Beispiel braucht ein Neugeborenes dann öfter eine Intensivbehandlung.
Eine Einleitung auf eigenen Wunsch ohne besondere gesundheitliche Risiken ist ab der 40. Woche möglich, sollte aber sorgfältig abgewogen werden.
Was in den Tagen nach dem Termin sonst passiert und welche Kontrollen üblich sind, steht in Errechneter Termin überschritten.
Nach einem Blasensprung
Setzen die Wehen nach einem vorzeitigen Blasensprung nicht innerhalb von 24 Stunden von selbst ein, ist das ein Grund für eine Einleitung. Was unmittelbar nach dem Blasensprung zu tun ist, steht in Blasensprung: was tun?.
Welche Methoden es gibt
Medikamentös kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die zuerst den Muttermund reifen lassen, und anschließend meist ein Wehenmittel, oft als Infusion – umgangssprachlich der Wehentropf. Dabei sind eine engmaschige Überwachung und gegebenenfalls eine Anpassung nötig.
Mechanisch gibt es die Eipollösung, einen Ballonkatheter, der etwa zwölf Stunden liegt, Dilatator-Stäbchen und das Öffnen der Fruchtblase. Letzteres wird allein heute nicht mehr empfohlen.
Welche Methode infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, das wievielte Kind es ist, ob es frühere Kaiserschnitte oder andere Operationen an der Gebärmutter gab, welche Vorerkrankungen bestehen und wie es dem Kind geht. Nach einem Kaiserschnitt sind bestimmte Methoden ausgeschlossen. Mengen und Präparatnamen findest du hier bewusst nicht – das entscheidet die Klinik.
Was das für den Verlauf bedeutet
Eine Einleitung heißt nicht, dass es gleich losgeht. Die Geburt kann länger dauern und mehr vaginale Untersuchungen nötig machen. Oft kommen eine Dauerüberwachung per CTG und ein Zugang dazu, was die Bewegungsfreiheit einschränkt. Der Bedarf an einer PDA steigt.
Die Wirkung ist außerdem nicht sicher. Sie gelingt eher, wenn der Muttermund schon reif ist und es nicht das erste Kind ist. Bleibt die Einleitung wirkungslos, folgt häufig ein Kaiserschnitt.
Wie echte Wehen sich von Übungswehen unterscheiden, steht in Wehen erkennen.
Welche Risiken genannt werden
Häufige Nebenwirkungen der Medikamente sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber und Schüttelfrost. Zu starke oder zu häufige Wehen – ein sogenannter Wehensturm – sind möglich und können für das Kind belastend sein.
Ein Riss der Gebärmutter ist selten: Studien deuten auf bis zu vier von 1.000 Frauen mit medikamentös eingeleiteter Geburt hin. Nach einem früheren Kaiserschnitt oder anderen Operationen an der Gebärmutter ist das Risiko höher. Nach dem Öffnen der Fruchtblase kann die Nabelschnur vorfallen, was einen schnellen Kaiserschnitt nötig machen kann. Die Eipollösung empfinden die meisten als unangenehm; sie kann zu Blutungen führen, die nach Angaben des IQWiG in der Regel harmlos sind.
Was zu Hausmitteln bekannt ist
Für Spaziergänge, Sex, Himbeerblättertee, Homöopathie, Nachtkerzenöl, Nelkenöl-Tampons und Hypnose gibt es keine belegte Wirkung. Akupunktur wirkte in Studien nicht besser als Scheinakupunktur. Zu Rizinusöl sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht ausreichend untersucht; davon wird eher abgeraten.
Deshalb steht hier keine Anleitung für Selbstversuche. Wenn du etwas ausprobieren möchtest, besprich es vorher mit deiner Hebamme – sie kennt deinen Befund.
Deine Entscheidung
Vor einer Einleitung muss ärztlich umfassend aufgeklärt werden, und du musst einwilligen. Das ist kein Formalakt: Du darfst fragen, warum gerade jetzt, welche Methode vorgesehen ist, was passiert, wenn sie nicht wirkt, und was abwarten bedeuten würde.
Die Einleitung findet meist in einer Klinik statt, selten ambulant. Welche Wünsche dir wichtig sind, lässt sich vorher festhalten – auch das gehört in das Gespräch mit Hebamme und Klinik.
Wenn du unsicher bist
Deine Hebamme und der Kreißsaal beantworten das für deinen Fall. Ruf an, auch außerhalb der Sprechzeiten – im Kreißsaal ist immer jemand erreichbar. Sonst hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
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Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Wie lässt sich die Geburt einleiten? Erstellt am 15.04.2026. Abgerufen am 14.10.2026. gesundheitsinformation.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Geburtseinleitung und Wehenmittel. Stand: 19.05.2022. Abgerufen am 14.10.2026. familienplanung.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 14.10.2026. 116117.de