Sorgen · 10–18 Jahre
Teenager zieht sich zurück: Pubertät oder Depression?
Die Zimmertür bleibt zu, auf Fragen kommt nur ein Schulterzucken. Rückzug gehört zur Pubertät dazu. Manchmal steckt aber mehr dahinter. Bei Jugendlichen sind normale Stimmungsschwankungen und eine Depression schwer auseinanderzuhalten – deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen und lieber früher nachzufragen.
- Lesezeit 3 Minuten
- Etwa 5 von 100 Kindern und Jugendlichen mit Hinweisen auf Depression
- Erste Anlaufstelle Kinder- und Jugendarztpraxis
Wann du schnell Hilfe holst
Sprich zeitnah mit der Kinder- und Jugendarztpraxis oder einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, wenn dein Kind:
- über längere Zeit tief niedergeschlagen ist, kaum noch Freude empfindet oder oft weint;
- sich einsam oder wertlos fühlt und sich von Freunden und Hobbys zurückzieht;
- Alkohol oder Drogen nimmt, extrem viel schläft oder stark an Gewicht verändert;
- über Selbsttötungsgedanken spricht oder Andeutungen macht.
Wenn dein Kind davon spricht, nicht mehr leben zu wollen, oder du um sein Leben fürchtest: Ruf sofort die 112 an oder fahr in die nächste Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check
- Ansprechen: Fühlst du dich oft einsam oder unglücklich?
- Zuhören statt „Kopf hoch, wird schon wieder“.
- Nicht lange warten: Bei einem Ja fachlichen Rat holen.
Was in der Pubertät normal ist
Die Pubertät ist eine Zeit großer Umbrüche. Teenager lösen sich von den Eltern, widersprechen, suchen Freunde außerhalb der Familie und brauchen Zeit für sich. Gefühlsausbrüche, Unsicherheit über den eigenen Körper und Fragen nach dem Sinn des Lebens gehören dazu. Auch ein Leistungstief in der Schule ist in diesen Jahren häufig.
Woran du eine Depression erkennen kannst
Etwa 5 von 100 Kindern und Jugendlichen haben Beschwerden, die auf eine Depression hinweisen. Ein Hinweis ist, wenn die Traurigkeit länger anhält und stärker ist als sonst. Typisch sind Antriebslosigkeit und tiefe Niedergeschlagenheit. Bei Jugendlichen können außerdem Gewichtsschwankungen, Drogen- und Alkoholkonsum, ein extremes Schlafbedürfnis und Selbsttötungsgedanken auf eine Depression hindeuten. Ob es eine normale Verstimmung oder eine Erkrankung ist, können nur Fachleute beurteilen.
Was du tun kannst
- Raum für Gespräche geben, Geduld haben und vor allem zuhören.
- Mit Ratschlägen zurückhaltend sein: Sätze wie „Reiß dich doch mal zusammen“ erhöhen oft den Druck.
- Direkt nachfragen, ob dein Kind sich einsam oder unglücklich fühlt, kaum noch Freude empfindet – oder schon einmal daran gedacht hat, sich das Leben zu nehmen. Diese Frage bringt Kinder nicht erst auf die Idee. Sie macht es ihnen leichter, darüber zu sprechen.
- Nicht drängen: Will dein Kind nicht mit dir reden, such professionelle Hilfe, statt Druck zu machen.
- Gemeinsam hingehen: Biete an, zusammen zu einer Ärztin oder einem Arzt zu gehen.
Wo es Hilfe gibt
- Kinder- und Jugendarztpraxis als erste Anlaufstelle.
- Kinder- und jugendpsychiatrische oder -psychotherapeutische Praxis: Ein Erstgespräch kannst du direkt vereinbaren.
- Schule: Schulsozialarbeit, Schulpsychologie oder Vertrauenslehrkräfte, mehr in Schulpsychologie.
- Familienberatungsstellen für dich als Elternteil.
Depressionen lassen sich behandeln. Welche Behandlung passt, wird mit den Fachleuten entschieden – oft werden Eltern einbezogen.
Gut zu wissen
Hilflosigkeit und Schuldgefühle sind bei Eltern in dieser Lage verständlich. Hol dir auch für dich selbst Unterstützung. Wie sich Depressionen bei jüngeren Kindern zeigen, steht in Depression beim Kind.
Hier findest du Unterstützung
- Elterntelefon 0800 111 0 550, kostenlos und anonym.
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche 116 111 – auch für dein Kind selbst.
- TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr.
- Erziehungsberatung vor Ort oder online, mehr in Erziehungsberatung.
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Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Aktualisiert am 13.12.2023. Abgerufen am 19.10.2026. gesundheitsinformation.de
- Neurologen und Psychiater im Netz (in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie): Depression – Was können Eltern tun? Abgerufen am 19.10.2026. neurologen-und-psychiater-im-netz.org
- Neurologen und Psychiater im Netz (in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie): Suizidabsichten und Suizidversuch – Was können Eltern tun? Abgerufen am 19.10.2026. neurologen-und-psychiater-im-netz.org
- Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP), Familienhandbuch: Wilhelm Faix, Teenager – Umbruch, Krisen und Suche nach Sinn. Geändert am 15.07.2013. Abgerufen am 19.10.2026. familienhandbuch.de
- Nummer gegen Kummer e. V.: Elterntelefon und Kinder- und Jugendtelefon. Abgerufen am 19.10.2026. nummergegenkummer.de
- TelefonSeelsorge Deutschland: Kontakt. Abgerufen am 19.10.2026. telefonseelsorge.de