Beschwerden

Symphysenschmerzen: was hilft?

Die Symphyse ist die vordere Verbindung der beiden Beckenhälften. Wenn sie sich in der Schwangerschaft lockert, tut jeder Schritt weh – und viele Frauen halten das für unvermeidbar. Ist es nicht: Es gibt Hilfsmittel, und sie können verordnet werden.

Von Danny · Geprüft am 20.08.2026 · Quellen: Bundesbehörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 20.08.2026
Schematische Darstellung: ein Beckenring mit markierter vorderer Verbindung
Illustration: Mamalotse

Wann du dir Unterstützung holst

Nicht abwarten bei den allgemeinen Warnzeichen der Schwangerschaft:

  • Jede Blutung – unabhängig von der Menge.
  • Fruchtwasser geht ab, schwallartig oder tröpfchenweise.
  • Regelmäßige Wehen vor dem Ende der 37. Woche oder mehr als zehn Wehen an einem Tag.
  • Starke oder plötzliche Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schmerzen im Oberbauch oder plötzliche starke Schwellungen.
  • Und melde dich, wenn die Schmerzen so stark sind, dass du dich kaum noch bewegen kannst – dafür gibt es Hilfsmittel und Verordnungen.

Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: die drei wirksamsten Handgriffe

  1. Beine zusammenhalten. Beim Umdrehen im Bett, beim Ein- und Aussteigen ins Auto – die Beine parallel bewegen, nicht spreizen.
  2. Kleine Schritte. Treppen möglichst seitlich oder Stufe für Stufe mit beiden Füßen nehmen.
  3. Nach einem Beckengurt fragen. Viele Schwangere empfinden den Druck als deutlich entlastend.

Was passiert

Die Symphyse, auf Deutsch Schambeinfuge, ist die vordere Verbindung der beiden Beckenhälften. Durch die Schwangerschaftshormone sind Knorpel, Sehnen und Bänder im Becken weicher als sonst. Der Symphysenspalt vergrößert sich in der Schwangerschaft um drei bis vier Millimeter – so wird das Becken auf die Geburt vorbereitet.

Alltägliche Bewegungen können dabei zu einer schmerzhaften Verschiebung der Beckenknochen führen. Der Schmerz entsteht durch den Zug an der sehr empfindlichen Knochenhaut. Das erklärt, warum er ausgerechnet beim Gehen und Treppensteigen auftritt und warum Druck auf die Symphyse wehtut.

Wen es trifft

Symphysenschmerzen treten häufig bei Schwangeren auf, die ihr zweites oder ein weiteres Kind bekommen – typischerweise ab Mitte der Schwangerschaft. Die Schmerzen können bis in Hüften und Beine ausstrahlen und sind manchmal so stark, dass jede Bewegung schwerfällt. Oft kommen Rückenschmerzen dazu.

Nach der Geburt verschwinden die Beschwerden meist. Manche Frauen haben allerdings auch später noch Probleme damit – auch das ist bekannt und kein Zeichen dafür, dass du dich falsch bewegt hast.

Was hilft

Viele Schwangere mit Symphysenproblemen empfinden ein Stützmieder oder einen Beckengurt als angenehm, weil er Druck auf das Becken ausübt. Es gibt Hinweise, dass ein fester Gurt aus unelastischem Material besser sein könnte. Dem ungeborenen Kind schadet das Tragen nicht.

Bei starken Beschwerden können diese Hilfsmittel ärztlich verschrieben werden. Auch eine spezielle physiotherapeutische Behandlung kann verordnet werden. Es lohnt sich, bei der Krankenkasse nachzufragen, welche Kosten übernommen werden.

Es gibt außerdem Hinweise, dass Akupunktur Symphysenschmerzen lindern kann. Ob das für dich infrage kommt, besprichst du mit deiner Hebamme oder in der Praxis.

Bewegungen, die weniger wehtun

  • Beine parallel halten, wo es geht: beim Umdrehen im Bett, beim Aufstehen, beim Einsteigen ins Auto.
  • Nicht auf einem Bein stehen – Hose und Socken im Sitzen anziehen.
  • Lasten gleichmäßig verteilen, statt einseitig zu tragen.
  • Kurze Wege in kleinen Schritten statt langer Strecken.

Worauf du Anspruch hast

Falls du stark eingeschränkt bist, hast du Anspruch auf Unterstützung, etwa durch eine Haushaltshilfe. Den Antrag bekommst du auf den Internetseiten der Krankenkassen oder telefonisch. Für die Beantragung wegen Schwangerschaft oder Geburt ist eine Bescheinigung der Ärztin, des Arztes oder der Hebamme nötig.

Dieser Punkt ist vielen Frauen nicht bekannt – und er ist der Grund, warum sich Symphysenschmerzen anzusprechen konkret lohnt.

Wenn du unsicher bist

Deine Hebamme und deine Frauenarztpraxis sind zuständig, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Halten die Beschwerden nach der Geburt an, ist das ebenfalls ein Thema für die Nachsorge – siehe Beckenboden nach der Geburt.

Wie du die Haushaltshilfe der Krankenkasse beantragst, steht in Haushaltshilfe in Schwangerschaft und Wochenbett.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Beschwerden in der Schwangerschaft – Symphysen-Schmerzen. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Das Wochenbett von A bis Z – Symphyse-Schmerzen. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Beschwerden in der Schwangerschaft – wie sich der Körper verändert. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 20.08.2026. 116117.de