Stillen und Flasche
Fläschchen zubereiten: sicher und hygienisch
Milchpulver ist nicht steril. Das klingt beunruhigender, als es ist: Für ein gesundes, reif geborenes Baby ist das Risiko äußerst gering, wenn die Flasche frisch angerührt und gleich getrunken wird. Genau darum drehen sich fast alle Regeln.
- Lesezeit 4 Minuten
- Geprüft 16.10.2026
Wann du ärztlichen Rat holst
Sprich mit deiner Kinderärztin, wenn:
- dein Baby zu früh oder mit weniger als 2500 Gramm geboren wurde oder ein geschwächtes Immunsystem hat – dann wird die Ernährung individuell festgelegt;
- dein Baby jünger als drei Monate ist und 38 Grad Celsius oder mehr hat, sehr schlapp wirkt oder nicht trinken will;
- es nicht ausreichend trinkt oder über zwölf Stunden keinen Urin ausscheidet;
- du über eine Spezialnahrung nachdenkst, etwa wegen eines Allergierisikos – die gibt es nur nach ärztlicher Absprache.
Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Bei einem schlaffen, kaum ansprechbaren Kind sofort 112. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check: das Wesentliche
- Frisch zubereiten und innerhalb von zwei Stunden füttern. Reste werden weggeschüttet, nicht aufgehoben.
- Frisches Leitungswasser nehmen, vorher ablaufen lassen, bis es kalt ist. In den ersten Lebensmonaten abkochen und abkühlen lassen.
- Genau nach Packung dosieren. Messlöffel mit einem sauberen Messer abstreifen, nicht festdrücken.
Welche Milch du nimmst
Anfangsnahrungen mit der Bezeichnung „Pre“ oder „1“ eignen sich von Geburt an für das gesamte erste Lebensjahr. Pre-Nahrung ist der Muttermilch am ähnlichsten, „1“ ist etwas dickflüssiger. Folgenahrungen („2“, „3“) sind nicht notwendig. Spezialnahrungen, etwa für allergiegefährdete Babys, gibt es nur nach ärztlicher Absprache.
Von selbst hergestellter Flaschennahrung raten Fachleute und Fachgesellschaften ab – das gilt für Kuh-, Ziegen-, Schaf- und Stutenmilch ebenso wie für Mandel- oder Sojadrinks. Die Zusammensetzung gelingt selbst gemacht kaum, und die Hygiene ist schwer zu sichern.
Das richtige Wasser
- Frisches Leitungswasser aus der Kaltwasserleitung, vorher so lange laufen lassen, bis es kalt aus dem Hahn kommt. Wasser, das stundenlang in der Leitung stand, und Wasser aus dem Boiler sind ungeeignet.
- Abkochen in den ersten Lebensmonaten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für junge Säuglinge möglichst abgekochtes Trinkwasser.
- Keine Bleileitungen, keine Wasserfilter. Filter können das Verkeimungsrisiko erhöhen. Brunnenwasser nur, wenn seine Qualität nachweislich einwandfrei ist.
- Im Zweifel abgepacktes Wasser: stilles Wasser mit dem Hinweis, dass es für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist.
Schritt für Schritt
- Hände mit warmem Wasser und Seife waschen. Nicht gleichzeitig rohes Fleisch oder rohe Eier in der Nähe verarbeiten.
- Wasser in eine saubere Flasche geben. Zum Anrühren reicht lauwarmes Wasser: Das Netzwerk Gesund ins Leben nennt höchstens 40 Grad, das Bundesinstitut für Risikobewertung hält etwa 20 bis 50 Grad für reif geborene, gesunde Babys für ausreichend. Von sehr heißem Wasser rät es im Haushalt ab – es kühlt zu schnell ab, um Keime sicher abzutöten, und erhöht die Verbrühungsgefahr.
- Pulver genau nach Packungsangabe abmessen, mit dem beiliegenden Löffel. Die Menge nicht nach Gefühl erhöhen oder verringern.
- Flasche verschließen und gut schütteln, bis sich alles gelöst hat.
- Temperatur prüfen: Ein paar Tropfen auf das Handgelenk dürfen sich nicht warm oder heiß anfühlen. Nicht selbst am Sauger probieren – so gelangen Keime aus dem Mund in die Milch.
Wie lange die Flasche stehen darf
Gefährlich wird Pulvermilch nicht durch die wenigen Keime im Pulver, sondern wenn sie sich in der fertigen, warmen Nahrung vermehren. Deshalb gilt: Die Flasche erst kurz vor der Mahlzeit zubereiten, möglichst schnell auf Trinktemperatur bringen und innerhalb von zwei Stunden füttern. Was übrig bleibt, wird weggeschüttet und nicht wieder aufgewärmt. Fertige Flaschen auf Vorrat im Kühlschrank sind für den Haushalt nicht vorgesehen.
Nachts und unterwegs
Für die Nacht, für Ausflüge oder die Kita empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung: Pulver in saubere, trockene Flaschen portionieren, abgekochtes Wasser in einer verschlossenen Thermosflasche mitnehmen und beides erst kurz vor dem Füttern mischen. Das offene Pulver lagerst du dicht verschlossen, trocken und nicht in der Wärme; der Messlöffel gehört nicht in die Dose.
Flaschen und Sauger reinigen
Spül Flasche und Sauger direkt nach dem Füttern aus und reinige sie dann mit heißem Wasser, Spülmittel und einer Flaschenbürste oder in der Spülmaschine. Anschließend an der Luft trocknen lassen. Für die ersten Lebensmonate rät das Bundesinstitut für Risikobewertung zusätzlich, Flaschen und Sauger mindestens zwei Minuten auszukochen oder einen Sterilisator zu verwenden. Später hält das Netzwerk Gesund ins Leben regelmäßiges Auskochen für nicht nötig – mit einer Ausnahme: Sauger aus Gummi kochst du ab und zu aus, weil sich in ihnen Milchreste festsetzen.
Beim Füttern
Wie viel dein Baby trinkt, entscheidet es selbst. Die Mengen auf der Packung sind nur eine grobe Orientierung; wichtiger sind Hunger- und Sättigungszeichen, mehr dazu in Wie viel trinkt ein Baby?. Ist das Saugerloch zu klein, muss dein Baby sehr anstrengend trinken. Ob Flasche, Stillen oder beides – darum geht es in Stillen oder Flasche. Zusätzliche Getränke braucht dein Baby bis zur Beikost nicht.
Welche Säuglingsmilch passt, steht in Pre-Nahrung oder 1er?.
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Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Empfehlungen zur hygienischen Zubereitung von pulverförmiger Säuglingsnahrung. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 009/2022 vom 29.03.2022. Abgerufen am 16.10.2026. bfr.bund.de
- Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen – Zubereitung der Säuglings(milch)nahrung. Abgerufen am 16.10.2026. gesund-ins-leben.de
- Netzwerk Gesund ins Leben: Wenn Sie nicht stillen. Abgerufen am 16.10.2026. gesund-ins-leben.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Säuglingsmilch für die Flasche. Stand: 30.11.2025. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Fieber bei Babys und Kindern. Stand: 04.05.2026. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de