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Fieberkrampf: was Eltern tun können

Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus, und wer ihn zum ersten Mal erlebt, denkt an das Schlimmste. Die Prognose ist gut – aber der erste Anfall gehört immer ärztlich angesehen.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Leitlinie · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Schematische Darstellung: ein Thermometer mit Skala
Illustration: Mamalotse

Was du im Anfall tust

Sofort 112 rufen, wenn:

  • es der erste Krampfanfall deines Kindes ist;
  • der Anfall länger als fünf Minuten dauert;
  • dein Kind danach nicht zu sich kommt, blau bleibt oder erneut krampft.

Währenddessen:

  • Dein Kind nicht festhalten und nichts in den Mund schieben.
  • Vor Verletzungen schützen – Platz schaffen, harte Kanten abpolstern.
  • Auf die Uhr sehen. Die Dauer ist die wichtigste Information für die Praxis.
  • Nach dem Anfall seitlich lagern und bei deinem Kind bleiben.

Jeder erste Fieberkrampf erfordert eine ärztliche oder notärztliche Vorstellung. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Über 90 von hundert Anfällen enden innerhalb von drei Minuten von selbst.
  2. Der erste Anfall gehört immer ärztlich angesehen – auch wenn er vorbei ist.
  3. Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie. Bei 96 von hundert Kindern entsteht später keine.

Was ein Fieberkrampf ist

Ein Fieberkrampf ist ein altersabhängiger Krampfanfall unter Fieber, ohne Infektion des zentralen Nervensystems und ohne vorherige Anfälle ohne Fieber. Er ist ausdrücklich keine Epilepsie.

Betroffen sind 2 bis 5 von hundert Kindern, meist zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem sechsten Lebensjahr, mit einem Gipfel um das zweite Lebensjahr. Nur 6 bis 15 von hundert Anfällen treten nach dem vierten Lebensjahr auf.

Wie lange er dauert

Über 90 von hundert Anfällen enden innerhalb von drei Minuten von selbst. Einfache Fieberkrämpfe dauern typischerweise eine bis anderthalb Minuten. Anfälle über 30 Minuten sind selten.

Die Fünf-Minuten-Grenze ist der entscheidende Punkt: Anfälle unter fünf Minuten hören meist allein auf. Dauert ein Anfall länger, hört er in der Regel nicht mehr von selbst auf und muss medikamentös unterbrochen werden. Das macht ärztliches Personal – deshalb zählt der Blick auf die Uhr.

Was du nicht tun sollst

Dein Kind nicht festhalten und nicht versuchen, den Anfall zu stoppen. Nichts zwischen die Zähne schieben – die verbreitete Vorstellung, ein Kind könne die Zunge verschlucken, stimmt nicht, und der Versuch verletzt eher. Kein Wasser einflößen.

Ob es wieder passiert

Etwa zwei Drittel der Kinder haben nur einen Anfall, ein Drittel bekommt weitere. Die Hälfte der Wiederholungen tritt innerhalb von sechs Monaten auf, 90 von hundert innerhalb von zwei Jahren. Das Risiko ist höher, wenn der erste Anfall vor dem 18. Lebensmonat auftrat, wenn das Fieber vorher nur kurz bestand und wenn es in der Familie schon Fieberkrämpfe gab.

Wenn dein Kind schon einmal gekrampft hat, kann die Praxis ein Notfallmedikament für zu Hause verordnen und euch die Anwendung zeigen. Das ist ein Gespräch für die Praxis, keines fürs Internet – Mittel und Mengen findest du hier deshalb nicht.

Was es für später bedeutet

Die Prognose ist gut. In einer Zusammenschau mehrerer Studien entwickelten 2,7 von hundert Kindern nach einem Fieberkrampf innerhalb von zehn Jahren eine Epilepsie, gegenüber 0,5 von hundert in der Allgemeinbevölkerung. Bei 96 von hundert Kindern entsteht keine. Nach einfachen Fieberkrämpfen ist die Sterblichkeit nicht erhöht, und die geistige Entwicklung unterscheidet sich bis zum Schulalter nicht von der anderer Kinder.

Eine vorbeugende Dauerbehandlung mit Medikamenten gegen Anfälle wird nicht empfohlen.

Vorbeugen lässt sich nicht

Das ist der Punkt, der Eltern am meisten beschäftigt: Fieberkrämpfe lassen sich bisher nicht verhindern, und fiebersenkende Mittel wirken dagegen nicht. Du hast also nichts falsch gemacht, wenn dein Kind gekrampft hat – und du kannst es beim nächsten Fieber auch nicht verhindern.

Wie Fieber bei Babys und Kleinkindern einzuordnen ist, steht in Baby hat Fieber: wann zum Arzt?. Eine häufige Ursache hoher Fieberschübe im Kleinkindalter beschreibt Drei-Tage-Fieber.

Wenn du unsicher bist

Nach einem Anfall ist das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis der richtige Ort, auch um das weitere Vorgehen zu besprechen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wie du die Temperatur richtig misst, steht in Fieber messen beim Baby.

Was du bei einem Krampfanfall ohne Fieber tust, steht in Krampfanfall beim Kind.

Weiterlesen

Quellen

  1. Gesellschaft für Neuropädiatrie: S1-Leitlinie Fieberkrämpfe im Kindesalter, AWMF-Registernummer 022-005, Stand 09/2021. Abgerufen am 15.10.2026. register.awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin u. a.: Elternleitlinie zum Umgang mit Fieber bei Kindern und Jugendlichen, AWMF-Registernummer 027-074, Version 1.0, Erstveröffentlichung 05/2025, nächste Überprüfung geplant 04/2030. Abgerufen am 15.10.2026. register.awmf.org
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Fieber bei Babys und Kindern. Abgerufen am 15.10.2026. kindergesundheit-info.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de