Sorgen · 10–18 Jahre
Essstörung beim Kind erkennen: was Eltern tun können
Oft ist es zuerst nur ein Gefühl: Du verlierst den Draht zu deinem Kind. Dass es mit dem Essen zu tun haben könnte, merken viele Eltern erst später. Eine Essstörung hat nie nur eine Ursache – und sie ist behandelbar. Je früher Fachleute einbezogen werden, desto besser.
- Lesezeit 2 Minuten
- Keine Schuld Essstörungen haben nie nur eine Ursache
- BIÖG-Infotelefon 0221 892031
Wann du sofort ärztliche Hilfe holst
Hol sofort ärztliche Hilfe, wenn sich der Zustand deines Kindes akut verschlechtert, das Krankheitsbild schwer ist oder dein Kind über Selbsttötungsgedanken spricht.
Bei akuter Lebensgefahr: 112. Bei mehreren Anzeichen ohne akute Gefahr: zeitnah die Kinder- und Jugendarztpraxis. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.
Schnell-Check
- Aus deiner Sicht sprechen: „Mir ist aufgefallen … ich mache mir Sorgen.“
- Nicht über Essen, Gewicht und Figur streiten.
- Ärztlich abklären lassen und dir selbst Beratung holen.
Anzeichen, die Eltern bemerken können
- Dein Kind zieht sich zurück und spricht weniger offen mit dir.
- Es meidet gemeinsame Mahlzeiten oder hat Ausreden, etwa schon bei Freunden gegessen zu haben.
- Essen oder Fasten wird verheimlicht.
- Mahlzeiten sind von Misstrauen, Schweigen und Streit geprägt.
- Dein Kind wirkt anhaltend niedergeschlagen, gereizt oder ängstlich.
Bei Magersucht wird über längere Zeit sehr wenig gegessen. Bei Bulimie gibt es Essanfälle, nach denen Betroffene gegensteuern, etwa durch Erbrechen oder übermäßigen Sport. Bei der Binge-Eating-Störung kommt es zu Essanfällen mit Kontrollverlust, ohne Gegensteuern. Online-Fragebögen können erste Hinweise geben, ersetzen aber keine Diagnose.
So sprichst du es an
- Ich-Botschaften: Schildere, was dir aufgefallen ist und warum du dir Sorgen machst.
- Zuhören und Verständnis zeigen. Viele Betroffene sind erleichtert, wenn jemand ihre Lage versteht.
- Essen, Gewicht und Figur nicht in den Mittelpunkt stellen – dein Kind ist mehr als die Essstörung.
- Keine Vorwürfe, Warnungen oder Drohungen. Ärger und Wut vergrößern meist den Abstand.
- Dranbleiben: Oft braucht es viele Gespräche, bis Betroffene selbst merken, dass sie Hilfe brauchen.
Wo Familien Hilfe bekommen
- Kinder- und Jugendarztpraxis, Ärztinnen, Psychotherapeuten: der erste Schritt zur Abklärung und Behandlung. Angehörige werden oft einbezogen.
- Infotelefon zu Essstörungen des BIÖG: 0221 892031, Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (Kosten für Gespräche ins Kölner Ortsnetz).
- Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Eltern und Geschwister.
Gut zu wissen
Ein einzelner unbedachter Satz löst keine Essstörung aus. Schuldgefühle helfen niemandem. Achte auch auf Geschwister: Sie fühlen sich oft zwischen den Stühlen.
Hier findest du Unterstützung
- BIÖG-Infotelefon Essstörungen 0221 892031.
- Elterntelefon 0800 111 0 550, kostenlos und anonym.
- TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr.
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Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Woran kann man eine Essstörung erkennen? Erstellt am 23.07.2025. Abgerufen am 19.10.2026. gesundheitsinformation.de
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Essstörungen: Informationen für Eltern und Angehörige. Erstellt am 23.07.2025. Abgerufen am 19.10.2026. gesundheitsinformation.de
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de: Was können Angehörige und andere tun? Stand: 27.01.2026. Abgerufen am 19.10.2026. essstoerungen.bioeg.de
- TelefonSeelsorge Deutschland: Kontakt. Abgerufen am 19.10.2026. telefonseelsorge.de