Schwangerschaft

Cytomegalie (CMV) in der Schwangerschaft

Das Cytomegalievirus, kurz CMV, kennen viele erst aus der Schwangerschaft. Die meisten Menschen stecken sich irgendwann an, ohne es zu merken. Für ein ungeborenes Kind kann eine Erstinfektion in der frühen Schwangerschaft aber Folgen haben. Ernste Schäden sind selten – und mit einfachen Regeln im Alltag senkst du das Risiko.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesbehörden · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: zwei Hände unter einem Wasserstrahl mit einzelnen Schaumblasen
Illustration: Mamalotse

Wann du deine Praxis ansprichst

Sprich mit deiner Frauenärztin oder Hebamme, wenn:

  • du in der Schwangerschaft grippeähnliche Beschwerden mit Fieber hast, ohne dass eine Erkältung dahintersteckt;
  • du beruflich oder zu Hause viel mit Kleinkindern zu tun hast und wissen möchtest, ob du schon geschützt bist;
  • ein Ultraschall Auffälligkeiten zeigt und CMV als Ursache infrage kommt.

Bei hohem Fieber, Blutungen oder starken Bauchschmerzen fährst du in die Klinik. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Häufig, meist unbemerkt: Ernste Schäden beim Kind betreffen deutlich weniger als 1 von 100 Neugeborenen.
  2. Hände waschen nach dem Wickeln, Naseputzen und Füttern – Kleinkinder scheiden viel Virus aus.
  3. Nicht teilen: kein Küssen auf den Mund, kein gemeinsames Besteck, keine gemeinsame Zahnbürste.

Was CMV ist

CMV gehört zu den Herpesviren. Wer sich einmal angesteckt hat, trägt das Virus lebenslang in sich. Es kann später wieder aktiv werden, meist ohne Beschwerden. In Deutschland hat etwa die Hälfte der Schwangeren schon Antikörper gegen CMV, hat die Infektion also bereits hinter sich.

Eine Ansteckung verläuft bei Erwachsenen meist ohne Beschwerden. Wenn doch, ähnelt sie einer leichten Grippe. Deshalb merken viele Frauen nicht, dass sie sich angesteckt haben.

Wie es übertragen wird

Das Virus steckt in Speichel, Tränen, Urin, Blut, Genitalsekret und Muttermilch. Es wird über engen Kontakt weitergegeben – beim Küssen, beim Sex, beim Wickeln oder Füttern. Kleinkinder scheiden besonders viel Virus aus und das über lange Zeit. Wenn du ein Kleinkind zu Hause hast oder mit kleinen Kindern arbeitest, ist der Kontakt also kaum zu vermeiden. Umso wichtiger sind die Hygieneregeln.

Welches Risiko für dein Kind besteht

Am größten ist das Risiko, wenn du dich zum ersten Mal ansteckst und das im ersten Drittel der Schwangerschaft passiert. Dann überträgt etwa jede fünfte Frau das Virus auf ihr Kind. Ist das Kind angesteckt, kann das zu einer Fehlgeburt oder Organschäden führen. Später in der Schwangerschaft wird das Virus zwar häufiger übertragen, verursacht aber meist keine Schäden mehr.

Wenn du das Virus schon in dir trägst und es wieder aktiv wird, ist die Übertragung selten. Die allermeisten dieser Kinder sind bei der Geburt und auch später unauffällig.

Ein angestecktes Kind wirkt nach der Geburt oft zunächst gesund. Später können Schwerhörigkeit oder eine verzögerte Entwicklung auffallen. Hörschäden zeigen sich manchmal erst nach Jahren – deshalb werden bei diesen Kindern regelmäßige Hörtests empfohlen.

Die Hygieneregeln im Alltag

  • Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen nach dem Wickeln, Füttern, Naseputzen, Tränentrocknen und nach dem Aufräumen von Spielzeug, das im Mund war. Zu Hause reicht Seife.
  • Kleinkinder nicht auf den Mund küssen. Ein Kuss auf die Stirn oder Wange ist eine gute Alternative.
  • Nicht teilen: Besteck, Geschirr, Zahnbürsten, Handtücher und Waschlappen.
  • Keine Schnuller ablecken und nicht vom Löffel des Kindes probieren.

Diese Regeln lassen sich im Alltag nicht immer lückenlos einhalten. Das ist normal. Jede Regel, die du umsetzt, senkt das Risiko. Ein Kind, das Virus ausscheidet, muss nicht aus der Kita genommen werden.

Der Test auf Antikörper

Ein Bluttest kann zeigen, ob du schon Antikörper hast. Er gehört nicht zur regulären Vorsorge nach den Mutterschafts-Richtlinien und wird meist als Selbstzahlerleistung angeboten. Ob er für dich sinnvoll ist, etwa weil du viel mit Kleinkindern zu tun hast, besprichst du mit deiner Praxis. Fachleute raten Frauen mit Kinderwunsch, ihren Status möglichst schon vor der Schwangerschaft klären zu lassen.

Wenn du in einer Kita oder Krippe arbeitest, frag auch deinen Arbeitgeber nach der Gefährdungsbeurteilung, siehe Arbeitsplatz in der Schwangerschaft.

Behandlung und Stillen

Eine zugelassene Behandlung für Schwangere gibt es nicht. Virushemmende Medikamente werden erprobt. Ob ein betroffenes Neugeborenes behandelt wird, entscheiden die Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall.

Stillen ist auch dann unproblematisch, wenn du CMV in dir trägst. Bei gesunden, reif geborenen Babys verläuft eine Ansteckung über die Muttermilch meist harmlos. Bei sehr früh geborenen Babys ist das anders – das besprichst du dann mit dem Team der Kinderklinik.

Verwandte Themen

Eine andere Infektion, die vor allem über Lebensmittel und Katzen übertragen wird, ist die Toxoplasmose. Gegen Ringelröteln, die ebenfalls oft von Kleinkindern kommen, schützen ähnliche Regeln, siehe Ringelröteln in der Schwangerschaft.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Zytomegalie (Herpes-Virus Typ 5). Stand: 09.05.2025. Abgerufen am 16.10.2026. familienplanung.de
  2. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion. Stand: 24.10.2023. Abgerufen am 16.10.2026. rki.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de