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Schielen beim Baby: wann zum Arzt?

Schaut dein Baby manchmal mit einem Auge in eine andere Richtung? In den ersten Wochen lernen die Augen noch, zusammenzuarbeiten, und vieles wirkt schief, was es gar nicht ist. Bleibt das Schielen aber nach den ersten Monaten oder kommt es neu dazu, gehört es abgeklärt – denn früh behandelt, lässt sich die Sehkraft meist gut retten.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesinstitut und Fachverband · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: zwei Augen, deren Pupillen in leicht unterschiedliche Richtungen schauen
Illustration: Mamalotse

Wann du nicht abwartest

Geh sofort in die kinderärztliche Praxis, wenn:

  • auf Fotos mit Blitz eine Pupille weiß statt rot leuchtet;
  • ein Auge plötzlich anfängt zu schielen.

Lass es zeitnah abklären, wenn:

  • dein Baby nach den ersten Lebensmonaten immer wieder oder dauerhaft schielt;
  • die Augen zittern, ein Lid hängt oder es den Kopf auffällig schief hält;
  • es Dinge sehr nah vor die Augen hält oder ständig blinzelt.

Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Scheinbares Schielen durch eine breite Nasenwurzel verliert sich mit dem Wachstum.
  2. Echtes Schielen nach den ersten Monaten geht meist nicht von selbst weg.
  3. Früh behandeln: Sonst kann das Gehirn ein Auge „abschalten“ – eine Schwachsichtigkeit entsteht.

Scheinbares Schielen

Viele Babys haben eine breite Nasenwurzel oder eine kleine Hautfalte am inneren Augenwinkel. Dadurch sieht es aus, als würde ein Auge nach innen schauen, obwohl beide Augen gerade blicken. Fachleute nennen das Pseudostrabismus. Dieser Eindruck verliert sich mit der Zeit, wenn das Gesicht wächst.

Echtes Schielen

Beim echten Schielen weicht ein Auge nach innen, außen, oben oder unten ab. Tritt es nach den ersten Lebensmonaten auf, verschwindet es normalerweise nicht von selbst. Dann braucht es eine Untersuchung durch eine Augenärztin, die sich mit Kindern auskennt. Die kinderärztliche Praxis überweist dich.

Warum früh behandelt wird

Wenn ein Auge dauerhaft abweicht, bevorzugt das Gehirn das andere Auge und blendet das Bild des schwächeren aus. Das Sehen dieses Auges entwickelt sich dann nicht richtig – es entsteht eine Schwachsichtigkeit, auch Amblyopie genannt. 60 bis 70 von 100 schielenden Kindern entwickeln eine solche Schwachsichtigkeit.

Die Sehkraft entwickelt sich vor allem in den ersten fünf Lebensjahren. Je früher eine Schwachsichtigkeit erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Bei den meisten Kindern gelingt das.

Wie behandelt wird

  • Eine Brille, wenn eine Fehlsichtigkeit dahintersteckt.
  • Das zeitweise Abkleben des besseren Auges, damit das schwächere trainiert wird.
  • In manchen Fällen Augentropfen.

Manchmal reichen einige Wochen, manche Kinder brauchen länger. Liegt eine andere Erkrankung zugrunde, etwa ein hängendes Lid oder eine Linsentrübung, wird zuerst diese behandelt. Welche Behandlung passt, entscheidet die Augenärztin.

Die weiße Pupille

Auf Fotos mit Blitz leuchten die Pupillen normalerweise rot. Leuchtet eine Pupille weiß, kann das auf eine ernste Augenerkrankung hinweisen. Dann gehst du sofort in die kinderärztliche Praxis, auch wenn dein Baby sonst unauffällig wirkt.

Augen bei den Vorsorgeuntersuchungen

Die Augen werden bei den U-Untersuchungen regelmäßig angesehen. Zusätzlich gibt es für gesetzlich versicherte Kinder die U7a im Alter von 34 bis 36 Monaten, bei der das Sehen geprüft wird. Wenn dir zwischen den Terminen etwas auffällt, wartest du nicht bis zur nächsten U. Wie sich dein Baby sonst entwickelt, steht in Bewegungsentwicklung beim Baby.

Wie sich das Sehen im ersten Jahr entwickelt und wann zur Augenärztin, steht in Wie Babys sehen lernen.

Wie du im Schulalter Kurzsichtigkeit erkennst und vorbeugst, steht in Kurzsichtigkeit beim Kind.

Weiterlesen

Quellen

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Schwachsichtigkeit (Amblyopie) bei Kindern. Aktualisiert am 03.01.2024. Abgerufen am 16.10.2026. gesundheitsinformation.de
  2. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Anzeichen für Probleme mit den Augen. Meldung vom 05.04.2021. Abgerufen am 16.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de