Kleinkind

Pseudokrupp: bellender Husten nachts

Es beginnt fast immer nachts: ein harter, bellender Husten, der klingt wie ein Seehund, dazu ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen. Was dann hilft, steht hier – in der Reihenfolge, in der du es brauchst.

Von Danny · Geprüft am 15.10.2026 · Quellen: Behörde · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 15.10.2026
Schematische Darstellung: ein Profil mit freien Atemwegen
Illustration: Mamalotse

Jetzt gerade: was zu tun ist

Sofort 112 rufen bei:

  • schwerer Atemnot – dein Kind ringt sichtbar um Luft;
  • blauen Lippen oder blasser bis grauer Haut;
  • Einziehungen zwischen den Rippen oder am Hals beim Einatmen;
  • einem Kind, das nicht mehr sprechen oder schlucken kann, stark speichelt oder vornübergebeugt sitzt.

Und sofort, noch während du wartest:

  • Dein Kind aufrecht hinsetzen oder auf den Arm nehmen.
  • Feuchtkühle Luft einatmen lassen – am offenen Fenster oder vor dem geöffneten Kühlschrank.
  • Ruhe bewahren. Panik verschlimmert die Atemnot, auch deine.

Jeden plötzlich auftretenden bellenden Husten ernst nehmen und kinderärztlich untersuchen lassen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Aufrecht hinsetzen und kühle, feuchte Luft – das sind die beiden Sofortmaßnahmen.
  2. Ruhig bleiben. Aufregung verengt die Atemwege zusätzlich.
  3. Anfälle wiederholen sich, oft in der nächsten Nacht. Lass dir in der Praxis sagen, was du dann tust.

Was dahintersteckt

Pseudokrupp ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfs, meist durch Viren ausgelöst, zum Beispiel Grippeviren. Die Schleimhaut schwillt an, dadurch wird die Luftröhre enger – und genau das erzeugt den typischen Klang.

Seltener stecken Bakterien oder allergische Reaktionen dahinter, etwa auf Katzenhaare oder Hausstaubmilben. Der Pseudokrupp selbst ist nicht ansteckend.

Tabakrauch und andere Schadstoffe begünstigen ihn und verschlimmern einen Anfall. Das ist einer der Punkte, an denen sich zu Hause sofort etwas ändern lässt.

Wen es trifft und wann

Betroffen sind meist Kinder vom sechsten Lebensmonat bis zum dritten Lebensjahr, möglich ist es bis etwa zum sechsten. Jungen erkranken statistisch häufiger. Die Anfälle häufen sich in Herbst und Winter und treten meist abends oder nachts auf.

Woran du es erkennst

Typisch sind ein harter, bellender Husten, Heiserkeit, eine keuchende Atmung und ein zischendes Geräusch beim Einatmen. Lebensgefährliche Atemnot ist selten – aber sie ist der Grund, warum die Warnzeichen oben zuerst stehen.

Was im Anfall hilft

Nimm dein Kind hoch oder setz es aufrecht hin. Aufrechte Haltung erleichtert das Atmen spürbar. Dann feuchtkühle Luft: am geöffneten Fenster, passend angezogen, oder vor dem offenen Kühlschrank. Beides wirkt abschwellend.

Bleib ruhig und sprich ruhig. Ein Kind, das Panik bekommt, atmet schneller und flacher, und die Atemnot wird schlimmer. Das ist der Teil, der am schwersten fällt und am meisten bringt.

Wenn dein Kind ruhiger wird, kannst du kleine Schlucke Kühles anbieten – Wasser oder kalten Tee.

Hat die Praxis für solche Fälle ein kortisonhaltiges Mittel verordnet, kommt es jetzt zum Einsatz. Seine Wirkung setzt erst nach einiger Zeit ein, es ersetzt die Sofortmaßnahmen also nicht. Mittel und Mengen stehen hier bewusst nicht – das regelt die Verordnung.

Warum der nächste Anfall dazugehört

Ein Anfall kann sich wiederholen, auch in der folgenden Nacht und ohne Vorzeichen. Deshalb ist der Besuch in der Praxis nach dem ersten Mal wichtig, selbst wenn alles längst vorbei ist: Dort wird besprochen, wie ihr die Atemwege frei haltet und ob ein Mittel für den Wiederholungsfall sinnvoll ist.

Was es nicht ist

Der „echte“ Krupphusten bei Diphtherie oder einer Hib-Infektion ist etwas anderes und lebensgefährlich. Beide sind in Deutschland durch die Grundimmunisierung selten geworden. Welche Impfungen wann anstehen, steht in Impfungen fürs Baby.

Harmloser Schnupfenhusten klingt anders und macht keine Atemnot. Mehr dazu in Baby hat Schnupfen.

Wenn du unsicher bist

Beim ersten bellenden Husten ist der Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 genau richtig – dort wird mit dir am Telefon eingeschätzt, ob ihr losfahren müsst. Bei Atemnot nicht anrufen, sondern 112.

Wie du anderen Husten einordnest, steht in Husten beim Baby und Kleinkind.

Weiterlesen

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Pseudokrupp (Kruppsyndrom) bei Kindern. Stand: 14.05.2026. Abgerufen am 15.10.2026. kindergesundheit-info.de
  2. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Pseudokrupp (Stenosierende Laryngitis). Abgerufen am 15.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 15.10.2026. 116117.de