Kindergarten & Schule · 3–10 Jahre

Kind lügt: was steckt dahinter?

Der Löwe im Garten, das Raumschiff auf dem Spielplatz, der umgekippte Becher, den „keiner“ war: Kinder erzählen nicht immer die Wahrheit. Vor dem Schulalter steckt dahinter selten eine echte Lüge – und auch später ist Lügen eher eine Übungsfrage als ein Charakterzug.

Von Danny · Geprüft am 18.10.2026 · Quellen: Staatsinstitut für Frühpädagogik, Bundesinstitut · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Fantasie typisch bis ins Vorschulalter
  • Wichtigste Regel Vertrauen statt Verhör
Illustration: zwei Sprechblasen unterschiedlicher Größe
Illustration: Mamalotse

Schnell-Check

  1. Erst unterscheiden: Fantasiegeschichte oder bewusste Unwahrheit, um einen Vorteil zu haben? Bei Kindergartenkindern ist es meist das Erste.
  2. Nicht verhören. Suggestivfragen und Druck bringen Kinder dazu, das zu sagen, was du hören willst.
  3. Ehrlichkeit leicht machen: Wer die Wahrheit sagt, sollte dafür nicht schlechter dastehen als mit einer Lüge.

Fantasie oder Lüge?

Zwischen drei und etwa fünf Jahren, in manchen Bereichen auch länger, denken Kinder „magisch“. Wünsche und Gedanken können für sie Ereignisse auslösen, Figuren aus Geschichten können wirklich sein. Wenn dein Kind erzählt, dass im Garten ein Löwe war, ist das selten Täuschung, sondern Ausdruck eines begeisterten Spiels. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, solche Geschichten nicht pauschal als „Lügengeschichten“ abzutun.

Die Psychologin Helga Gürtler beschreibt Lügen als das bewusste Sagen der Unwahrheit, um einen Vorteil zu haben. Vor dem Schulalter vermischen Kinder Fantasie und Wirklichkeit noch leicht; was sie erzählen, ist deshalb selten eine bewusste Lüge. Im Lauf der Zeit probiert aber jedes Kind auch einige Male gezielt aus, wie es ist zu lügen.

Fantasiefreunde sind kein Grund zur Sorge

Viele Kinder im Kindergartenalter haben einen unsichtbaren Freund oder eine Traumfigur. Solche Gefährten können helfen, Ängste zu bewältigen oder Frust zu verarbeiten – ein „lieber Löwe“ etwa gibt einem ängstlichen Kind Macht über die Angst. Du kannst mitspielen, statt die Figur wegzudiskutieren.

Warum Kinder lügen

  • Aus Not: Ein Kind soll etwas zugeben, das ihm peinlich ist oder Ärger bringt. Viele Notlügen entstehen genau so.
  • Aus Angst vor Strafe: Je härter die Konsequenz, desto größer der Anreiz, es zu verschweigen.
  • Zum Ausprobieren: Funktioniert das? Was passiert dann?
  • Weil Erwachsene es vormachen: Kinder bemerken die kleinen Ausreden der Großen sehr genau.

Wie du reagieren kannst

  • Ruhig bleiben und die Lüge als Übungsgelegenheit sehen: Was hätte die Wahrheit gebracht, was hat die Lüge gekostet?
  • Keine Fallen stellen. Wenn du ohnehin weißt, wer den Becher umgekippt hat, sag es und frag nicht scheinheilig nach.
  • Die erste Aussage ernst nehmen. Je mehr nachgebohrt wird, desto unzuverlässiger werden die Antworten – auch ehrlicher Kinder.
  • Vertrauen schenken, auch nach ein paar Lügen. Wer ständig kontrolliert wird, verliert das Zutrauen in die eigene Ehrlichkeit.
  • Ehrlich vorleben: verlässlich sein, Versprechen halten, unbequeme Fragen ehrlich beantworten.
  • Ein „Das möchte ich nicht sagen“ respektieren. Nicht alles muss erzählt werden.

Was besser nicht hilft

Strafen für Lügen klingen logisch, haben aber eine Nebenwirkung: Wer nur aus Angst vor Strafe ehrlich ist, lernt vor allem, geschickter zu lügen. Auch strenge Moralpredigten, Verhöre und Misstrauen machen es Kindern schwerer, die Wahrheit zu sagen.

Wie du Regeln klar und trotzdem freundlich vermittelst, steht in Grenzen setzen.

Wenn du unsicher bist

Wenn das Lügen sehr häufig wird, mit anderen Schwierigkeiten zusammenkommt oder du nicht mehr weiterweißt, ist eine Erziehungsberatungsstelle ein guter Ort zum Nachdenken – ohne Schuldzuweisung und kostenlos. Online gibt es die bke-Elternberatung, telefonisch das Elterntelefon unter 0800 111 0 550. Mehr zu Beratungsstellen in Erziehungsberatung.

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Quellen

  1. Gürtler, H., familienhandbuch.de (Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz): Gesponnen oder gelogen? Erstellt 2003, zuletzt geändert 2013. Abgerufen am 18.10.2026. familienhandbuch.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Die magische Phase. Stand: 27.03.2026. Abgerufen am 18.10.2026. kindergesundheit-info.de
  3. Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke): bke-Elternberatung. Abgerufen am 18.10.2026. bke-beratung.de
  4. Nummer gegen Kummer e. V.: Elterntelefon und Kinder- und Jugendtelefon. Abgerufen am 18.10.2026. nummergegenkummer.de