Baby

Hodenhochstand beim Baby

Bei der Untersuchung nach der Geburt wird auch geschaut, ob beide Hoden im Hodensack liegen. Bei manchen Jungen ist einer noch nicht ganz unten. Oft wandert er in den ersten Monaten von selbst nach. Tut er das nicht, sollte die Behandlung bis zum ersten Geburtstag abgeschlossen sein.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Fachverbände · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 3 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: eine Windel von vorn
Illustration: Mamalotse

Wann du nicht abwartest

Fahr sofort in die Kinderklinik oder ruf die 112, wenn:

  • eine Beule an Leiste oder Hodensack hart wird, sich rötet oder nicht mehr verschwindet;
  • dein Baby untröstlich schreit, erbricht oder nicht mehr trinken will und die Stelle druckempfindlich ist.

Sprich in der kinderärztlichen Praxis an, wenn:

  • du beim Wickeln einen Hoden nicht ertasten kannst;
  • du dir unsicher bist, ob ein Hoden immer wieder verschwindet;
  • dein Sohn sechs Monate alt ist und ein Hoden noch nicht unten liegt.

Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Häufig bei der Geburt: etwa 3 von 100 Jungen, bei Frühgeborenen deutlich mehr.
  2. Oft wandert er nach: meist in den ersten sechs Lebensmonaten. Danach ist das unwahrscheinlich.
  3. Behandlung bis zum ersten Geburtstag abschließen – das schützt die spätere Fruchtbarkeit.

Was ein Hodenhochstand ist

Die Hoden entwickeln sich im Bauchraum und wandern vor der Geburt durch den Leistenkanal nach unten in den Hodensack. Bleibt ein Hoden auf diesem Weg stehen, spricht man von einem Hodenhochstand. Er kann in der Leiste liegen oder im Bauch, wo man ihn nicht ertasten kann.

Bei etwa 3 von 100 Jungen liegt bei der Geburt ein Hoden noch nicht im Hodensack. Frühgeborene sind deutlich häufiger betroffen. Bei reif geborenen Jungen wandert der Hoden meist in den ersten sechs Lebensmonaten von selbst nach. Am Ende des ersten Lebensjahres hat noch etwa einer von 100 Jungen einen Hodenhochstand.

Pendelhoden: meist harmlos

Manche Hoden liegen normalerweise im Hodensack, ziehen sich aber bei Kälte, Berührung oder Bewegung in die Leiste zurück und kommen dann von selbst wieder. Das nennt man Pendelhoden. Er muss nicht sofort behandelt werden. Weil er beim Wachsen seine Beweglichkeit verlieren und in der Leiste bleiben kann, wird er aber über Jahre kontrolliert.

Ob es sich um einen Pendelhoden handelt, ist manchmal nicht leicht zu sagen. Die Praxis bittet dich dann vielleicht, über einige Wochen zu notieren, wo der Hoden liegt – am besten immer zur gleichen Tageszeit und in warmer Umgebung.

Warum der Zeitpunkt zählt

Ein Hoden außerhalb des Hodensacks ist einer etwas höheren Körpertemperatur ausgesetzt. Das kann seine Entwicklung beeinträchtigen. Wird die Lage erst spät korrigiert, steigen das Risiko für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit und das Risiko für einen Hodentumor im Erwachsenenalter. Deshalb gilt: Wandert der Hoden nach dem sechsten Monat nicht von selbst, soll die Behandlung bis zum ersten Geburtstag abgeschlossen sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie rät, bei Unsicherheit ab dem siebten Lebensmonat eine kinderurologische oder kinderchirurgische Sprechstunde aufzusuchen. Die kinderärztliche Praxis überweist dich.

Wie behandelt wird

In Deutschland wird meist operiert. Bei dem Eingriff wird der Hoden in den Hodensack verlagert und dort befestigt. Je nach Alter und Befund ist das oft ambulant möglich. Liegt zusätzlich ein Leistenbruch vor, wird er dabei mit versorgt, siehe Leistenbruch beim Baby.

Eine Hormonbehandlung wird manchmal zusätzlich eingesetzt, vor allem wenn beide Seiten betroffen sind. Sie hilft nur in etwa 20 von 100 Fällen und wird nach dem ersten Geburtstag nicht mehr empfohlen. Welches Vorgehen passt, besprichst du mit der Kinderchirurgin oder dem Kinderurologen.

Nach der Behandlung

Die Lage des Hodens wird bis zur Pubertät regelmäßig kontrolliert. Manchmal steigt ein Hoden wieder auf und es braucht einen zweiten Eingriff. Jungen, die als Kind einen Hodenhochstand hatten, sollten ab der Pubertät ihre Hoden regelmäßig selbst abtasten – das kannst du später mit deinem Sohn besprechen.

Die Lage der Hoden wird bei den Vorsorgeuntersuchungen geprüft, siehe U-Untersuchungen und Die ersten Untersuchungen nach der Geburt.

Wie es mit der Vorhaut im Kindesalter weitergeht, steht in Vorhautverengung beim Kind.

Weiterlesen

Quellen

  1. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Hodenhochstand (Maldescensus testis) – Therapie. Letzte Aktualisierung 20.02.2020. Abgerufen am 16.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Hodenhochstand beim Jungen – Informationen für junge Eltern. Ausgabe 1/2015. Abgerufen am 16.10.2026. urologenportal.de
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Wie wird ein Leistenbruch bei Kindern behandelt? Aktualisiert am 31.10.2023. Abgerufen am 16.10.2026. gesundheitsinformation.de
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de