Kleinkind

Zeckenstich beim Kind: richtig entfernen

Zecken sind nicht nur im Sommer unterwegs: Am aktivsten sind sie im Frühling und im Herbst, bei mildem Wetter sogar im Winter. Entscheidend ist, die Zecke schnell zu finden und richtig zu entfernen. Das Risiko, nach einem einzelnen Stich zu erkranken, ist gering.

Von Danny · Geprüft am 16.10.2026 · Quellen: Bundesbehörden · Orientierung, kein medizinischer Rat

  • Lesezeit 4 Minuten
  • Geprüft 16.10.2026
Schematische Darstellung: eine Lupe über einer Hautfläche mit einem kleinen Punkt
Illustration: Mamalotse

Wann du in die Praxis gehst

Lass dein Kind ärztlich ansehen, wenn:

  • sich um die Stichstelle eine Rötung ringförmig ausbreitet – die sogenannte Wanderröte kann Tage bis Wochen nach dem Stich auftreten;
  • dein Kind nach einem Stich Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen bekommt oder sich abgeschlagen fühlt;
  • es grippeähnliche Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen nach einem Stich in einem FSME-Risikogebiet hat;
  • es einen steifen Nacken hat – dann noch am selben Tag.

Bei einem Krampfanfall oder einem kaum ansprechbaren Kind sofort 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: das Wesentliche

  1. Sofort entfernen: mit Pinzette oder Zeckeninstrument nah an der Haut greifen und langsam gerade herausziehen.
  2. Nicht quetschen und nicht mit Öl, Klebstoff oder Nagellack beträufeln.
  3. Desinfizieren und beobachten: Stichstelle fotografieren und in den nächsten Wochen im Blick behalten.

Absuchen: wo Zecken bei Kindern sitzen

Zecken warten meist 10 bis 50 Zentimeter über dem Boden im Gras oder Gebüsch. Sie fallen nicht von Bäumen und springen nicht. Bevor sie stechen, laufen sie oft eine Weile umher und suchen geschützte, dünne Hautstellen. Such dein Kind nach dem Spielen draußen deshalb gründlich ab, besonders:

  • Kopf und Hals,
  • Achseln,
  • den Bereich zwischen den Beinen,
  • Kniekehlen.

Duschen ersetzt das Absuchen nicht.

So entfernst du eine Zecke

  1. Greif die Zecke mit einer Pinzette oder einem Zeckeninstrument im Kopfbereich, so nah wie möglich an der Haut – nicht am vollgesogenen Körper.
  2. Zieh sie langsam und gleichmäßig gerade heraus, ohne sie zu quetschen.
  3. Kein Öl, Klebstoff oder Nagellack: Die Zecke kann sich dadurch erbrechen, und das erhöht die Gefahr einer Infektion.
  4. Desinfiziere die Stichstelle anschließend.
  5. Fotografiere die Stelle, damit du eine spätere Rötung vergleichen kannst.

Hast du kein Werkzeug dabei, entfernst du die Zecke trotzdem sofort, notfalls mit dem Fingernagel. Die Zecke auf Erreger untersuchen zu lassen, hält das Robert Koch-Institut nicht für sinnvoll: Ein positives Ergebnis beweist keine Infektion, ein negatives schließt sie nicht aus. Auch vorsorglich Antibiotika zu geben, wird nicht empfohlen.

Was eine Zecke übertragen kann

Borreliose kommt in ganz Deutschland vor. Bis zu 30 Prozent der Zecken tragen Borrelien, erkranken tun nach einem Stich aber nur 0,3 bis 1,4 Prozent der Gestochenen. Die Bakterien werden meist erst ein bis zwei Tage nach dem Stich übertragen – deshalb schützt schnelles Entfernen. Das typische Zeichen ist die Wanderröte. Bei begründetem Verdacht wird eine Borreliose mit Antibiotika behandelt.

FSME, eine Entzündung von Hirnhaut und Gehirn, kommt vor allem in Süddeutschland vor. In den Risikogebieten tragen 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das Virus, und es wird praktisch sofort beim Stich übertragen. Bei Kindern verläuft FSME meist milder als bei Erwachsenen: Ein schwerer Verlauf wird bei etwa einem Viertel der erkrankten Kinder beschrieben, bei Erwachsenen bei der Hälfte.

Die FSME-Impfung

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Menschen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind, sowie vor Reisen in Risikogebiete. Für Kinder gibt es zwei Impfstoffe, die ab dem ersten Geburtstag zugelassen sind. Nach der Impfung bekommen etwa 15 Prozent der Ein- bis Zweijährigen Fieber über 38 Grad, deshalb werden Nutzen und Risiko bei kleinen Kindern sorgfältig abgewogen. Ob die Impfung für dein Kind sinnvoll ist, hängt vom Wohnort und vom Alltag ab; besprich es in der kinderärztlichen Praxis. Welche Impfungen grundsätzlich im ersten Lebensjahr anstehen, steht in Impfungen im ersten Lebensjahr.

Vorbeugen

Feste Wege statt Unterholz und hohes Gras, helle, geschlossene Kleidung, Hosenbeine in die Socken – auf hellem Stoff siehst du Zecken schneller. Das Robert Koch-Institut nennt außerdem Mittel zum Auftragen auf die Haut; ob und welches für das Alter deines Kindes geeignet ist, fragst du in der Apotheke oder Praxis. Das Absuchen nach jedem Aufenthalt im Grünen bleibt der wichtigste Schritt. Bei Fieber nach einem Stich hilft Baby hat Fieber bei der Einordnung.

Was bei Mücken-, Bienen- und Wespenstichen gilt, steht in Insektenstich beim Kind.

Weiterlesen

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich und Infektion. Stand: 28.11.2024. Abgerufen am 16.10.2026. rki.de
  2. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen FSME – Impfempfehlung. Stand: 26.02.2026. Abgerufen am 16.10.2026. rki.de
  3. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de: Erste Hilfe – Zeckenstich. Letzte Aktualisierung: 20.03.2014. Abgerufen am 16.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  4. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Schutz vor Zecken und richtiges Entfernen. Stand: April 2025. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
  5. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Fieber bei Babys und Kindern. Stand: 04.05.2026. Abgerufen am 16.10.2026. kindergesundheit-info.de
  6. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 16.10.2026. 116117.de