Wochenbett

Hormonumstellung nach der Geburt

Nach der Geburt fallen die Schwangerschaftshormone ab, und gleichzeitig übernimmt das Stillen die Regie im Hormonhaushalt. Das erklärt vieles, was in diesen Wochen unerklärlich wirkt – von den Heultagen bis zum ausbleibenden Zyklus.

Von Danny · Geprüft am 20.08.2026 · Quellen: Bundesbehörde, internationaler Gegencheck · Orientierung, kein medizinischer Rat

Schematische Darstellung: zwei gegenläufige Kurven
Illustration: Mamalotse

Wann du dir Hilfe holst

Im Wochenbett gilt:

  • Fieber ab 38 Grad – immer, unabhängig davon, wie du dich sonst fühlst.
  • Der Wochenfluss riecht unangenehm oder wird plötzlich wieder stärker und heller.
  • Starke Unterbauchschmerzen oder eine Wunde, die schmerzt, rot ist oder nässt.
  • Schmerzen, Schwellung oder Wärme in einem Bein oder plötzliche Atemnot.
  • Wenn Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit länger als ein bis zwei Wochen anhalten, sprich mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin.

Bei Gedanken, dir selbst oder deinem Kind etwas anzutun, hol dir sofort Hilfe: 112 oder die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 – anonym und rund um die Uhr. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder sehr starken Schmerzen sofort 112. Sonst in deiner Praxis oder im Kreißsaal anrufen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Im Zweifel anrufen – lieber einmal zu viel.

Schnell-Check: was gerade passiert

  1. Die Schwangerschaftshormone fallen ab – das löst bei vielen Frauen vorübergehend Stimmungsschwankungen aus.
  2. Stillen erhöht Prolaktin und Oxytozin – zuständig für Milchbildung und Milchfluss.
  3. Ein hoher Prolaktinspiegel hemmt den Eisprung – deshalb kann es länger dauern, bis die Periode wiederkommt.

Der Baby-Blues

Die Hormonumstellung nach der Geburt löst bei vielen Frauen vorübergehend Stimmungsschwankungen aus – den sogenannten Wochenbett- oder Baby-Blues. Er klingt nach ein paar Tagen von selbst wieder ab.

Manchmal halten Gefühle wie Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit auch länger an. Das kann ein Anzeichen für eine Wochenbett-Depression sein, die behandelt werden muss. Deine Nachsorgehebamme oder deine Ärztin kann dann mit dir die nächsten Schritte besprechen. Ausführlich steht das in Babyblues oder Wochenbettdepression?

Was das Stillen bewirkt

Neben dem Abfall der Schwangerschaftshormone wirkt sich auch das Stillen auf den Hormonhaushalt aus: Es erhöht die Produktion von Prolaktin und Oxytozin. Diese beiden Hormone sind für die Milchbildung und den Milchfluss verantwortlich.

Oxytozin sorgt außerdem dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht – das ist der Grund, warum es beim Stillen zieht. Mehr dazu in Nachwehen.

Wann die Periode wiederkommt

Ein hoher Prolaktinspiegel wirkt hemmend auf den Eisprung. Deswegen kann es durch das Stillen länger dauern, bis die erste Menstruation wieder eintritt und du erneut schwanger werden kannst.

Bei Frauen, die nicht stillen, setzt die erste Blutung nach Angaben des österreichischen Gesundheitsportals ungefähr sechs Wochen nach der Geburt wieder ein. Verlässlich planen lässt sich das aber nicht: Der Zeitpunkt schwankt stark.

Wichtig: Stillen ist kein sicherer Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft. Der Eisprung findet vor der ersten Blutung statt – du merkst also nicht vorher, dass die Fruchtbarkeit zurück ist. Wenn du das vermeiden möchtest, sprich beim Nachsorgetermin über Verhütung in der Stillzeit. Welche Methoden infrage kommen, entscheidet die Praxis; wir nennen dazu bewusst nichts.

Was sonst auf die Umstellung geht

Viele Wöchnerinnen schwitzen in den ersten Wochen stark, besonders nachts, und sind erschöpfter, als sie es vom Schlafmangel allein erwarten würden. Beides gehört zu dieser Phase.

Zu Haarausfall nach der Geburt findest du hier bewusst keine Aussage: Er wird häufig beschrieben, wir haben dazu aber keine Behördenquelle geprüft. Sprich es beim Nachsorgetermin an, wenn es dich beschäftigt.

Wenn du unsicher bist

Deine Nachsorgehebamme begleitet genau diese Wochen und kennt die Bandbreite dessen, was normal ist. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Zur körperlichen Seite: Wochenfluss und Rückbildung nach der Geburt.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Das Wochenbett von A bis Z – Hormonelle Umstellung. Stand 13.06.2025. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  2. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Das Wochenbett von A bis Z – Baby-Blues. Abgerufen am 20.08.2026. familienplanung.de
  3. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Österreich), gesundheit.gv.at: Wochenbett. Als Gegencheck abgerufen am 20.08.2026. gesundheit.gv.at
  4. TelefonSeelsorge Deutschland: kostenfreie Rufnummern, anonym und rund um die Uhr erreichbar. Abgerufen am 20.08.2026. telefonseelsorge.de
  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 und Abgrenzung zum Rettungsdienst 112. Abgerufen am 20.08.2026. 116117.de